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Kobanê: Solidarität mit Volksaufstand in Iran


Auf einer Demonstration in Kobanê haben tausende Demonstrierende aus der gesamten Euphrat-Region und der Stadt Minbic ihre Solidarität mit dem Volksaufstand in Ostkurdistan und Iran bekundet.

In der nordsyrischen Kantonshauptstadt Kobanê sind zahlreiche Menschen aus Solidarität mit dem Volksaufstand in Ostkurdistan und Iran auf die Straße gegangen. Am Qada Jina Azad, dem Platz der freien Frau, kamen tausende Demonstrierende aus der gesamten Euphrat-Region, aber auch aus der Stadt Minbic, am Donnerstagnachmittag zusammen, um ihre Unterstützung für die systemkritischen Proteste und Streiks der Völker Irans zu bekunden. Seit mehr als zwei Monaten reißen die Proteste gegen die islamistische Führung in Teheran nicht ab, die sich am gewaltsamen Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Amini entzündet hatten. Am Dienstag war in Iran zudem zu einem dreitätigen Generalstreik aufgerufen worden - unter anderem in Gedenken an die Opfer des „blutigen November“ in 2019. Damals hatte das iranische Regime weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit etwa 1.500 Menschen, die sich an Protesten gegen den autoritären Regierungskurs beteiligten, brutal ermordet.


„Jin, Jiyan, Azadî“

Der Aufzug setzte sich unter den Rufen „Jin, Jiyan, Azadî“ und „Azadî ji Rêber Öcalan re“ mit Ziel Şehîd-Egîd-Platz in Bewegung. Viele Teilnehmende schwenkten Fahnen des Frauendachverbands Kongra Star, der Gesellschaftlichen Verteidigungskräfte (HPC) und der Euphrat-Region. Auf zahlreichen Plakaten waren die Konterfeis von Jina Mahsa Amini zu sehen. Auch blickten die Konterfeis von Gefallenen der Volksverteidigungseinheiten (YPG), die sich aus Ostkurdistan der Rojava-Revolution angeschlossen hatten, auf die Demonstration. Unter ihnen auch der Kommandant Musa Herdem, der als „Musa the Sniper“ maßgeblich an der Befreiung von Kobanê beteiligt war.



In Rojhilat und Iran liegt der Geruch von Revolution in der Luft

„So wie damals hier in Kobanê, hängt heute in Rojhilat und Iran der Geruch von Revolution in der Luft. Und wie bereits in Rojava sind es wieder Frauen, deren Kraft im Mittelpunkt dieses Aufbruchs steht“, sagte Emîne Bekir vom Koordinationsrat der Kongra Star für die Euphrat-Region. Beim patriarchalen und islamistischen Mullah-Regime lägen deshalb die Nerven blank. „Es versucht immer noch, die Proteste der Bevölkerung mit massiver Gewalt zu beenden. Die Menschen lassen sich davon jedoch nicht abschrecken. Denn es ist die Zeit des Sturzes des patriarchalen Systems und der Befreiung der Frau“, so Bekir. „In Iran und Ostkurdistan sprengen Frauen die Ketten der Sklaverei. Sie schreiben die Geschichte neu und führen eine Revolution an. Wir glauben fest daran, dass die Serhildan [Volksaufstände] zum Erfolg führen werden. Die Völker werden siegen, Regime und Patriarchat werden auf dem Müllhaufen der Geschichte landen.“


Vier Jahrzehnte Unterdrückung in Iran

Der Ko-Vorsitzende des Exekutivrats von Minbic, Mihemed Xêr Şêxo, war ebenfalls unter den zahlreichen Demonstrierenden. Er erinnerte daran, dass die „Unterjochung der Völker Irans“ seit vier Jahrzehnten andauere: „43 Jahre lang hat dieses Regime seine Bürgerinnen und Bürger grundlegendster Rechte beraubt. Dem dafür eingerichteten Disziplinierungs- und Unterdrückungsapparat wurden keine Grenzen gesetzt: Hinrichtungen, Folter, Unterdrückung gehören seitdem zur Tagesordnung. Deshalb sind die Serhildan der Völker Irans legitim.“ 

Mihemed Xêr Şêxo | Foto: ANHA

Wir stehen an der Seite der für Freiheit kämpfen Völker

Weiter sagte Şexo: „Unterdrückung und Widerstand fängt stets bei Frauen an. Wie schon bei den Protesten unmittelbar nach der Einsetzung der angeblich islamischen Republik 1979 sind es wieder Frauen, die diese Revolten tragen. Was kann es nach 43 Jahren Repression und Sklaverei Natürlicheres geben, als den Zustand der Unterdrückung in einen Zustand der Freiheit zu transformieren? Wir fordern die westliche Staatengemeinschaft auf, die Realität in Iran und Ostkurdistan endlich anzuerkennen und ihren ‚Werten‘ entsprechend zu handeln. Dazu gehört, den kämpfenden Völkern bedingungslos zur Seite zu stehen“, forderte Şêxo.

 

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