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YBŞ gedenken Şengal-Gefallenen


In Şengal ist mit einer Militärzeremonie der Gefallenen des Widerstands gegen den IS-Überfall von 2014 gedacht worden. YBŞ-Kommandant Xelîl Ereb dankte der PKK für die damalige Unterstützung.

Die ezidischen Widerstandseinheiten YBŞ (Yekinêyên Berxwedana Şengal) haben im Gedenken an die Gefallenen des Widerstands gegen den IS-Überfall vom 3. August 2014 eine Militärzeremonie abgehalten. Xelîl Ereb, einer der Kommandanten der nach dem Genozid an den Ezid:innen in Şengal gegründeten Verteidigungseinheiten, verurteilte in einer Ansprache das Massaker vor sieben Jahren und sagte: „Wir haben bei diesen Angriffen viele Menschen verloren und es haben diverse Massaker stattgefunden. Von den damaligen Morden und Verschleppungen waren vor allem ezidische Frauen und Mädchen betroffen. Heute ist ein sehr schmerzvoller Tag für uns.“

Der YBŞ-Kommandant erinnerte an die Gefallenen, die bei der Befreiung von Şengal vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ihr Leben verloren haben: „Dass wir uns heute hier auf diese Weise versammeln können, haben wir den mutigen Frauen und Männern zu verdanken, die dafür ihr Leben geopfert haben. Nach der Gründung der YBŞ haben sich alle Bevölkerungsgruppen der Region unter einem Dach zusammengefunden und gemeinsam gegen den IS gekämpft. Auch heute noch kämpfen Araber und Eziden an derselben Front.“

Weiter erklärte Xelîl Ereb: „Die PDK hat uns beim Ferman alleine gelassen und dem IS die Frauen und Männer von Êzîdxan auf einem goldenen Tablett präsentiert. Aus diesem Grund lassen wir es nicht zu, dass Kräfte wie die PDK in Şengal einziehen. Gleichzeitig möchten wir uns bei der PKK für ihre Unterstützung bedanken. Als YBŞ sind wir heute gegen den IS und ähnliche Terrororganisationen gewappnet.“

Die Rolle der PKK bei der Verteidigung von Şengal

Am 3. August 2014 begann mit dem IS-Überfall auf das ezidische Hauptsiedlungsgebiet Şengal der letzte Genozid an den Ezidinnen und Eziden. Wer sich an dem heißen Sommertag retten konnte, flüchtete in die Berge. Auf dem Weg dorthin verdursteten unzählige Kinder und ältere Menschen. Männer, die es nicht mehr wegschafften, wurden bestialisch ermordet. Etwa 7.000 ezidische Frauen und Mädchen wurden entführt und auf Sklavenmärkten verkauft, misshandelt und vergewaltigt. Verschleppte Jungen wurden zu Selbstmordattentätern ausgebildet. Mindestens 10.000 Menschen wurden Schätzungen nach getötet, über 400.000 aus ihrer Heimat vertrieben. Rund 2.700 bis 2.800 ezidische Frauen, Männer und Kinder werden bis heute vermisst.

Der Ferman vor sieben Jahren, wie die Ezidinnen und Eziden die Verfolgungswellen gegen ihre Gemeinschaft bezeichnen, führte damals nicht nur zu einer humanitären Katastrophe, sondern hatte zum Ziel, das ezidische Volk auszulöschen. Als Mittel dazu richtete sich der Angriff systematisch gegen Frauen. Daher stellt dieser Genozid in seiner Form zugleich auch einen Feminizid dar.

Die PKK hatte bereits am 28. Juni 2014 nach einem Aufruf Abdullah Öcalans ein zwölfköpfiges Vorabkommando zur Verteidigung von Şengal entsandt. Zwanzig Tage vor dem Massaker nahmen die Peschmerga drei Mitglieder der Gruppe und einen ezidischen Unterstützer fest. Die übrigen Guerillakämpfer zogen auf den Şengal-Berg und begannen mit der Organisierungsarbeit der Jugend. Als am 3. August der IS-Angriff begann, verteidigte eine neunköpfige Guerillagruppe die auf den Şengal-Berg geflohene Bevölkerung.

Hunderte Guerillakämpfer:innen bei Evakuierung der Bevölkerung gefallen

Die Guerillakämpfer hielten die westlich von Şengal verlaufende Straße von Sinûnê nach Dugirê und ließen keine Eroberung des Gebirges durch den IS zu. Die ezidischen Jugendlichen zogen Kraft aus dem Guerillawiderstand und schlossen sich der Verteidigung des Berges an. Nachdem die neunköpfige Guerillagruppe ohne Essen und Trinken mehrere Tage gegen die Angriffe des IS Widerstand geleistet hatte, kamen am 6. August zwei Bataillone der Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/YPJ aus Rojava den HPG zu Hilfe. Anschließend richteten die YPG/YPJ und die HPG zusammen mit den inzwischen eingetroffenen Kämpferinnen der Frauenguerilla YJA Star einen Sicherheitskorridor ein, um die zu Zehntausenden auf den Şengal-Berg geflohenen Ezid:innen nach Rojava zu evakuieren. Über diesen Korridor konnten mit der Zeit mehr als 200.000 Menschen in das Autonomiegebiet von Nord- und Ostsyrien gelangen. So konnte ein noch größeres Massaker verhindert werden. Die Aufrechterhaltung des „humanitären Korridors“ forderte ebenfalls Opfer. Allein etwa 100 Kämpfer:innen fielen bei der Evakuierung der Bevölkerung. Insgesamt sind im Verlauf des Genozids fast 300 Mitglieder der kurdischen Verteidigungskräfte gefallen.

Im April 2018 hat die Guerilla ihre Aufgaben in Şengal erfolgreich abgeschlossen und sich in die Qendîl-Berge zurückgezogen. Heute wird Şengal von den YBŞ und den Fraueneinheiten YJŞ verteidigt. Die Bevölkerung verwaltet sich selbst über Volksräte.

 

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