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Angespannte Lage in Şengal


Die Lage in Şengal ist weiterhin angespannt. Heso Ibrahim vom Autonomierat weist darauf hin, dass es keine Absprachen zwischen der irakischen Regierung und den ezidischen Sicherheitskräften gibt. Bagdad und Hewlêr beharren auf der Kontrolle der Region.

Die Lage im ezidischen Siedlungsgebiet Şengal in Südkurdistan ist weiter angespannt. Vor der Zentrale der ezidischen Sicherheitskräfte in Şengal ist ein Protestzelt aufgebaut worden, in dem wechselnde Gruppen Wache halten. Sie wollen verhindern, dass der Asayîşa Êzîdxan aufgelöst wird. Darauf haben sich die irakische Zentralregierung und die südkurdische PDK in ihrem Abkommen vom 9. Oktober geeinigt.

Bagdad hat in den letzten Tagen Tausende Soldaten in die Region entsandt. Nach heftigen Protesten in Şengal hat der Irak zurückgerudert und die Schließung der Asayîş-Zentralen an den drei Standorten Şengal, Sinûne und Xanêsor vorläufig abgesagt. Im Gespräch mit dem Demokratischen Autonomierat von Şengal (MXDŞ) soll das weitere Vorgehen vereinbart werden.

Bagdad und Hewlêr beharren auf ihrem Abkommen

Die Selbstbestimmung der Bevölkerung von Şengal ist jedoch weiterhin akut in Gefahr. Der stellvertretende Vorsitzende des Autonomierats, Heso Ibrahim, hat sich gegenüber MA zur Situation geäußert. Er bezeichnet das Abkommen als Verrat, das werde auch von der Bevölkerung so aufgefasst: „Die Gespräche in der Region gehen weiter, aber es kann nicht die Rede von irgendeinem Bündnis zwischen der irakischen Regierung und dem Asayîşa Êzîdxan sein. Mit den YBŞ gibt es gewisse Absprachen, sie sind an manchen Stellen zur Selbstverteidigung gegen die Gefahr stationiert worden. Soweit wir es verfolgen können, beharren die irakische Regierung und die PDK auf der Umsetzung ihres Abkommens. Unsere Haltung dazu ist eindeutig. Die Eziden akzeptieren dieses Abkommen nicht und sind im Widerstand dagegen. Wir werden weder unsere Selbstverwaltung noch unsere Sicherheitskräfte aufgeben. Wir werden es auf keinen Fall hinnehmen, dass diese Kräfte, die uns und unseren Boden schützen, von hier vertrieben werden. Dafür sind wir weiterhin im Kontakt mit beiden Seiten. Aber auch während dieser Gespräche geben wir unseren Widerstand nicht auf. Mit dem Abkommen wollen Bagdad und Hewlêr die Kontrolle über Şengal gewinnen und die Region nach eigenem Belieben regieren. Die Selbstverwaltung und ihre Kräfte sollen in einen passiven Zustand versetzt werden. Dagegen wehren wir uns.“

Keine Peschmerga in Şengal

Heso Ibrahim widerspricht der Behauptung, dass auch Peschmerga-Einheiten in Şengal stationiert worden sind: „Weder in Mediban noch in Sibe Şêx Xidir befinden sich Peschmerga. Nach Angaben des Inspektors des Peschmerga-Ministeriums soll kein einziger Peschmerga-Kämpfer nach Şengal kommen. Die Bevölkerung betrachtet den Asayîşa Êzîdxan als die eigenen Kräfte. Die PDK kann nicht riskieren, ihre Peschmerga hier einziehen zu lassen. Die Menschen hier wollen die PDK nicht. Sollte sie trotzdem kommen, könnte daraus ein Massaker entstehen. Die Menschen in Şengal wissen nur zu gut, dass die PDK-Peschmerga mit dem türkischen Geheimdienst zusammenarbeiten. Ich sage es noch einmal ganz offen: Die PDK arbeitet für die Türkei. Mit dem Abkommen soll der Türkei die Tür geöffnet werden. Aus diesem Grund sollen auch die Peschmerga hier Einzug erhalten. Die PDK gefährdet nicht nur Şengal, sondern ganz Kurdistan.“

Entschlossen zum Kampf

Die ezidische Selbstverwaltung lasse sich weder kaufen noch in die Kapitulation zwingen, betont Heso Ibrahim: „Das sollte die ganze Welt wissen. Wir haben jahrelang gegen die IS-Barbarei gekämpft und dieser Kampf ist noch nicht vorbei. In Şengal ist ein Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher Volks- und Religionszugehörigkeit möglich gemacht worden. Diese Menschen haben sich zusammengeschlossen und versuchen, den IS zu vergessen. Mit dem geschlossenen Abkommen ist jedoch der Boden für weitere Massaker bereitet worden. Das können wir nicht zulassen, deshalb setzen wir unsere Aktivitäten fort, bis ein positives Ergebnis erzielt wird. Wir appellieren an alle, keinen weiteren Genozid am ezidischen Volk zuzulassen. Wir selbst werden unseren Kampf niemals aufgeben.“

 

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