Zehn Parteien in Rojava weisen Beschränkung des Kurdischunterrichts zurück
Zehn Parteien und Bewegungen in Rojava lehnen die Beschränkung des Kurdischunterrichts auf drei Wochenstunden ab. Kurdisch sei keine Fremdsprache oder ein Wahlfach, sondern müsse als Muttersprache verfassungsrechtlich abgesichert werden.
Zehn politische Parteien und Bewegungen in Rojava haben gemeinsam gegen die Entscheidung des syrischen Bildungsministeriums protestiert, den Kurdischunterricht an Schulen auf drei Wochenstunden und eine zusätzliche Aktivität zu begrenzen. Die Einstufung des Kurdischen als Wahlfach werde dem Recht auf Bildung in der Muttersprache nicht gerecht, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.
Die unterzeichnenden Parteien bezeichneten die Regelung als inakzeptabel und wiesen sie zurück. Sie stehe im Widerspruch zu den Grundsätzen von Gerechtigkeit und Gleichheit sowie zu sprachlichen und kulturellen Rechten.
„Kurdisch ist keine Fremdsprache in Syrien“
Kurdisch sei weder ein ergänzendes Unterrichtsfach, für oder gegen das sich Schüler:innen entscheiden könnten, noch eine Fremdsprache in Syrien. „Kurdisch ist die Muttersprache unseres Volkes, seine Identität, Geschichte, Kultur und sein gesellschaftliches Gedächtnis“, erklärten die Parteien. Eine Bildungspolitik, die diese Realität ignoriere oder den Stellenwert der kurdischen Sprache herabsetze, könne nicht als Beitrag zum Aufbau eines neuen Syriens betrachtet werden, sondern als Fortsetzung einer Politik von Ausgrenzung und Verleugnung.
Die Parteien lehnen daher sowohl die Beschränkung auf drei Unterrichtsstunden pro Woche als auch die Einstufung des Kurdischen als Wahlfach für kurdische Schüler:innen ab. Drei Wochenstunden würden den Bedürfnissen der Schüler:innen nicht gerecht. Zugleich fordern sie, an Schulen in den kurdischen Gebieten Unterrichtsmaterialien in kurdischer Sprache einzusetzen.
Verfassungsrechtliche Absicherung gefordert
Kurdisch und das Recht auf Bildung in der Muttersprache müssten verfassungsrechtlich garantiert werden. Die Parteien forderten das Bildungsministerium und die weiteren zuständigen Stellen auf, die Entscheidung unverzüglich zu überprüfen und einen ernsthaften Dialog mit gesellschaftlichen Vertreter:innen sowie Akteur:innen aus dem Bildungsbereich aufzunehmen. Ziel müsse eine gerechte Bildungspolitik sein.
Der Schutz der kurdischen Sprache und des Rechts auf Bildung bedeute keine Geringschätzung des Arabischen oder der Rechte anderer Bevölkerungsgruppen Syriens. Im Gegenteil gehe es darum, die sprachlichen und kulturellen Rechte aller Menschen in Syrien abzusichern. „Ein neues Syrien kann nicht mit der alten Mentalität und der Fortsetzung einer Politik von Ausgrenzung und Verleugnung aufgebaut werden“, heißt es in der Erklärung. Ohne Gerechtigkeit, gleiche Bürgerrechte und die Anerkennung der pluralistischen Struktur der syrischen Gesellschaft könne von einem Wiederaufbau Syriens keine Rede sein.
Unterzeichnet wurde die Erklärung von der Partei der Demokratischen Einheit (PYD), der Kurdischen Demokratischen Partei Syriens, der Yekîtî, der Kurdischen Demokratischen Fortschrittspartei Syriens, der Kurdischen Demokratischen Partei Syriens (El-Partî), der Kurdischen Linkspartei Syriens, der Kurdischen Demokratischen Übereinkunftspartei Syriens, der Zukunftspartei Syriens, der Bewegung für die Freiheit Kurdistans in Syrien und der Demokratischen Friedenspartei Kurdistans.
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