Volksrat von Şengal kritisiert Alleingang Bagdads
Der Volksrat von Şengal kritisiert Beratungen in Bagdad über die Zukunft der Region, an denen keine Vertreter:innen der ezidischen Gesellschaft beteiligt waren. Er fordert die offizielle Anerkennung von YBŞ, YJŞ und Asayîşa Êzdîxan.
Der Volksrat von Şengal hat die irakische Regierung davor gewarnt, Entscheidungen über die Zukunft der ezidischen Region ohne Beteiligung ihrer Bevölkerung und ihrer selbstorganisierten Strukturen zu treffen. Anlass ist ein Treffen in Bagdad, bei dem über die Sicherheits- und Verwaltungsstrukturen Şengals beraten wurde, ohne Vertreter:innen der ezidischen Gesellschaft einzubeziehen.
Die Beratungen fanden am Dienstag unter Leitung des Chefs des Büros des irakischen Ministerpräsidenten statt. Beteiligt waren Vertreter irakischer Geheimdienst-, Sicherheits- und Verwaltungsbehörden sowie des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP). Gegenstand waren unter anderem die Sicherheitslage und Verwaltung Şengals sowie die Rückkehr vertriebener Ezid:innen.
Der Volksrat erklärte, dass ein solches Vorgehen innerhalb der ezidischen Gesellschaft Besorgnis und Zweifel hervorrufe. Entscheidungen über eine Neuordnung der Region könnten nicht getroffen werden, während die Menschen und Strukturen Şengals von den Beratungen ausgeschlossen blieben. „Über Şengal kann nicht ohne Şengal entschieden werden“, hieß es unmissverständlich.
Anerkennung der Selbstverteidigungskräfte gefordert
Die Erklärung fällt in eine Phase neuer Debatten über den künftigen Status der in Şengal entstandenen Selbstverteidigungsstrukturen. Zuletzt hatte die Kommandantur der Widerstandseinheiten Şengals (YBŞ) Berichte zurückgewiesen, wonach 2.200 ihrer Kämpfer der irakischen Armee beigetreten seien. Die YBŞ stellten zugleich klar, dass sie zu Verhandlungen mit Bagdad bereit seien, sofern diese im Interesse Şengals und unter Wahrung der Souveränität des Irak geführt würden.
Der Volksrat bezeichnete eine demokratische Integration der bestehenden Strukturen als geeigneten Lösungsweg. Die irakische Regierung müsse die nach dem Genozid von 2014 aufgebauten Selbstverteidigungskräfte und Sicherheitsstrukturen Şengals offiziell anerkennen. Dazu zählen neben den YBŞ die Fraueneinheiten Şengals (YJŞ) und die Asayîşa Êzdîxan. Der Volksrat warnte insbesondere vor einseitigen Entscheidungen über die künftige Sicherheits- und Verwaltungsordnung. Eine tragfähige Lösung für Şengal könne nicht über die ezidische Gesellschaft hinweg beschlossen werden.
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