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Proteste in Hesekê und Kobanê gegen Einschränkung des Kurdischen

 


Schüler:innen in Hesekê und Angehörige der Universität Kobanê protestieren gegen die Einschränkung des Kurdischen im syrischen Bildungssystem. Sie fordern, die über Jahre aufgebaute muttersprachliche Bildung zu erhalten.

„Wir lehnen die Einschränkung unserer Sprache ab“
 
ANF, HESEKÊ / KOBANÊ, 2. Sept. 2026.

In Hesekê und Kobanê haben Schüler:innen, Lehrkräfte und Universitätsangehörige gegen die von der syrischen Übergangsregierung geplante Einschränkung des Kurdischen im Bildungssystem protestiert. Sie fordern den Erhalt des in der Autonomieregion von Nord- und Ostsyrien über Jahre aufgebauten muttersprachlichen Unterrichts. In Hesekê versammelten sich Schüler:innen vor dem Gebäude des Stadtrats. Mihemed Hesen und Jiyan Meo verlasen dort eine gemeinsame Erklärung auf Kurdisch und Arabisch.

„Unser ganzes Leben lang und in den vergangenen 14 Jahren haben wir keine anderen Schulen gekannt als jene, die uns die Türen zur Wissenschaft in unserer Muttersprache geöffnet haben“, erklärten die Schüler:innen. Die Entscheidung des Bildungsministeriums stelle sie unvermittelt vor erhebliche Schwierigkeiten. „Als Schüler von heute und morgen fordern wir das syrische Bildungsministerium auf, diese Entscheidung unverzüglich zurückzunehmen und auf die Stimmen von uns Kindern und Jugendlichen zu hören.“ Sie verlangten, sämtliche wissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Fächer weiterhin in ihrer Muttersprache lernen zu können.


Universität Kobanê: Kurdisch ist Bildungs- und Wissenschaftssprache

Auch Lehrende und Studierende der Universität Kobanê wandten sich mit einer Stellungnahme gegen die Entscheidung. Diese wurde von den Akademiker:innen Aras Hiso und Jiyan Osman auf Kurdisch und Arabisch verlesen. Die Universität bewertet die geplante Reduzierung der Kurdischstunden nicht als bloße Veränderung des Stundenplans, sondern als Eingriff in die Stellung und Funktion des Kurdischen im Bildungssystem. In Rojava sei ein Bildungsmodell entstanden, in dem Kurdisch als Unterrichtssprache verwendet und zugleich an Lehrplänen, Unterrichtsmaterialien, der Ausbildung von Lehrkräften und wissenschaftlicher Terminologie gearbeitet wurde.


„In den vergangenen mehr als zehn Jahren beschränkte sich die Verwendung des Kurdischen nicht auf Sprache, Literatur und Sozialwissenschaften, sondern erstreckte sich auf Naturwissenschaften, Mathematik, angewandte Fächer und unterschiedliche Wissensgebiete“, heißt es in der Erklärung. Damit habe sich Kurdisch „nicht lediglich als Unterrichtsfach, sondern als Sprache der Bildung, des Wissens und der wissenschaftlichen Forschung“ entwickelt.

„Auf Errungenschaften aufbauen, statt hinter sie zurückzufallen“

Die Universität fordert die zuständigen Stellen auf, die Entscheidung zu überdenken und vor Veränderungen des bestehenden Bildungsmodells eine umfassende akademische, pädagogische und soziolinguistische Untersuchung vorzunehmen. An Entscheidungen über die künftigen Unterrichtssprachen müssten zudem Universitäten, Wissenschaftler:innen sowie Fachleute für Sprache, Pädagogik und Lehrpläne beteiligt werden.

„Bildung kann nicht weiterentwickelt werden, indem hinter errungene Rechte zurückgegangen wird, sondern indem auf den bestehenden Errungenschaften aufgebaut und diese weiterentwickelt werden“, erklärte die Universität. Die Förderung weiterer Sprachen stehe dabei nicht im Widerspruch zum muttersprachlichen Unterricht. Vielmehr bilde dessen Erhalt gemeinsam mit dem Erlernen anderer Sprachen „die Grundlage eines mehrsprachigen, ausgewogenen und nachhaltigen Bildungssystems“.

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