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TJA zu Feminizid an Sultan Kara: Schutzgesuche blieben ohne Konsequenzen

 


Nach dem Feminizid an Sultan Kara berichtet ihre Familie von jahrelanger Gewalt, Todesdrohungen und vergeblichen Schutzgesuchen. TJA-Aktivistin Bahar Peker kritisiert staatliches Versagen und eine Politik der Straflosigkeit.

„Sie wollte für sich und ihre Tochter ein neues Leben aufbauen“
 
ANF / AMED, 30. Aug. 2026.

Nach dem Feminizid an Sultan Kara in Amed (tr. Diyarbakır) erhebt die Bewegung freier Frauen (TJA) schwere Vorwürfe gegen die zuständigen Behörden. Kara war nach Angaben ihrer Familie über Jahre systematischer Gewalt ausgesetzt und hatte sich wegen der Bedrohungen an die Polizei gewandt. Dennoch sei kein wirksamer Schutz gewährleistet worden. Die 32-Jährige wurde am Mittwoch von Ersan Akdemir getötet, von dem sie sich scheiden lassen wollte. Ihre dreijährige Tochter, die während der Tat bei ihr war, wurde anschließend von Akdemir mitgenommen und befindet sich inzwischen in staatlicher Obhut. Der Täter wurde festgenommen.

Vier Jahre systematische Gewalt

Die TJA-Aktivistin Bahar Peker erklärte nach Gesprächen mit Karas Angehörigen, dass dem Feminizid eine lange Geschichte schwerer Gewalt vorausging. Akdemir habe Kara wiederholt misshandelt, ihr die Zähne ausgeschlagen und versucht, sie zu erwürgen. Auch mit einem Messer soll er sie bedroht haben. „Sultan war lange Zeit systematischer Gewalt ausgesetzt und hat insgesamt vier Jahre unter diesen Bedingungen gelebt“, sagte Peker. Die Gewalt habe auch während ihrer Schwangerschaft angehalten. Nach der Trennung hätten sich die Todesdrohungen weiter verschärft und sich auch gegen Karas Schwester gerichtet. Peker zufolge hatte Kara die Polizei über ihre Situation informiert und Schutz beantragt. Maßnahmen, die ihren Tod hätten verhindern können, seien jedoch ausgeblieben.


„Sie wollte ein neues Leben aufbauen“

Nach Darstellung der Familie hatte Kara lange versucht, insbesondere ihren Bruder nicht mit der Gewalt zu belasten. Als sie sich schließlich von Akdemir trennte, wollte sie mit ihrer Tochter ein neues Leben beginnen. „Sie hat bis zum letzten Moment für sich und ihre Tochter Widerstand geleistet. Sie wollte ein neues Leben aufbauen und glücklich sein“, sagte Peker. „Trotz all der Hilferufe und Beschwerden wurde sie nicht geschützt.“ Peker geht davon aus, dass Akdemir die Tat geplant hatte. Er habe Kara unter einem Vorwand zu sich gerufen und sie getötet, während sie ihre dreijährige Tochter im Arm hielt.

Straflosigkeit als Teil des Problems

Kara ist bereits die zweite Frau, die innerhalb von zehn Tagen in Amed getötet wurde. Peker erklärte, die Frauenbewegung berate angesichts der zunehmenden Feminizide und Gewalt darüber, wie der gemeinsame Kampf dagegen verstärkt werden könne. Sie bezeichnete die Gewalt gegen Frauen zugleich als Bestandteil der Spezialkriegspolitik in Kurdistan und verwies insbesondere auf die Folgen staatlicher Straflosigkeit: „Diese Politik der Straflosigkeit stärkt und ermutigt andere Männer und die patriarchale Mentalität.“ Bei Feminiziden und sogenannten verdächtigen Todesfällen von Frauen begegne die Frauenbewegung immer wieder denselben Strukturen. „Die Geschichten sind dieselben, das Ende ist dasselbe und nichts verändert sich. Damit sich das ändert, muss gekämpft werden.“

Frauenbewegung begleitet Verfahren

Die Frauenorganisationen in Amed kündigten an, den Prozess gegen Akdemir gemeinsam zu verfolgen. Karas Familie fordert nach Angaben Pekers eine Verurteilung zu erschwerter lebenslanger Haft. Für Peker zeigt der Fall erneut die Folgen eines Schutzsystems, das Frauen trotz bekannter Gewalt und konkreter Bedrohungen im Stich lässt: „Frauen werden nicht geschützt, obwohl sie geschützt werden müssten, und werden in die Gewaltverhältnisse zurückgeschickt.“ Schutzentscheidungen müssten nicht nur getroffen, sondern tatsächlich durchgesetzt und Gewalt gegen Frauen konsequent sanktioniert werden.

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