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Sultan Kara in Amed ermordet

 


Die 32-jährige Sultan Kara ist in Amed von ihrem Ehemann erschossen worden, von dem sie sich scheiden lassen wollte. Nach Angaben ihrer Familie hatte sie jahrelang Gewalt und Todesdrohungen erlebt und zuletzt eine Schutzanordnung beantragt.

trotz Gewalt und Todesdrohungen kein Schutz
 
ANF / AMED, 28. Aug. 2026.

In Amed (tr. Diyarbakır) ist die 32-jährige Sultan Kara Opfer eines Feminizids geworden. Sie wurde am Abend des 26. August im Stadtteil Bajarê Nû (Yenişehir) von Ersan Akdemir erschossen, von dem sie sich nach vier Jahren Ehe scheiden lassen wollte. Der Tatverdächtige flüchtete anschließend mit dem gemeinsamen Kind und ist nach Angaben der Familie weiterhin nicht gefasst.

Kara hatte sich zwei Monate zuvor von Akdemir getrennt, die Scheidung eingereicht und war zu ihrer Schwester gezogen. Nach Angaben ihrer Familie hatte sie im Zusammenhang mit dem Scheidungsverfahren auch eine Schutzanordnung gegen ihren Ehemann beantragt. Am Mittwochabend soll Akdemir sie unter dem Vorwand, ihr gemeinsames Kind sehen zu wollen, in den Sümerpark im Stadtzentrum gelockt haben. Dort schoss er auf Kara. Sie wurde schwer verletzt in das Universitätsklinikum Dicle gebracht, wo sie trotz medizinischer Behandlung starb. Anschließend wurde sie auf dem Yeniköy-Friedhof beigesetzt.

„Jeden Morgen sagte sie: Er wird mich töten“

Karas Schwester Şehriban Kara berichtet von jahrelanger systematischer Gewalt und wiederholten Todesdrohungen. Ihre Schwester habe während der Ehe immer wieder befürchtet, von Akdemir getötet zu werden. „Sie war vier Jahre verheiratet. Jeden Morgen sagte meine Schwester: ‚Er wird mich töten‘“, berichtet Şehriban Kara. Zweimal habe Akdemir ihre Schwester schwer misshandelt. „Er bedrohte und schlug sie. Selbst als sie schwanger war, würgte er sie und versuchte, sie zu töten.“

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Ersan Akdemir

Nach der Trennung hätten die Drohungen nicht aufgehört. Akdemir habe sowohl Sultan Kara als auch deren Schwester mit dem Tod bedroht. Zugleich sei Kara nach Angaben der Familie von Angehörigen des Mannes unter Druck gesetzt worden, keine Anzeige zu erstatten. Auch das gemeinsame Kind sei ihr zeitweise entzogen worden, um sie einzuschüchtern.

Familie erhebt Vorwürfe gegen Behörden

Die Familie wirft den Behörden vor, Sultan Kara trotz der bekannten Gewalt nicht geschützt zu haben. Während ihrer Ehe habe sie sich einmal an eine Polizeiwache gewandt. Dort sei ihr lediglich gesagt worden, sie solle zu ihrer eigenen Familie gehen. Nach ihrer Trennung habe Kara erstmals wieder Hoffnung geschöpft. „Ich bin sehr glücklich und erleichtert. Ich bin ihn los“, soll sie ihrer Familie gesagt haben. Zwei Monate später wurde sie getötet.

Für Şehriban Kara steht der Tod ihrer Schwester deshalb auch für das Versagen der staatlichen Schutzmechanismen. „Niemand hat etwas getan“, sagte sie. Ihre Schwester habe über Jahre von Gewalt und Todesdrohungen berichtet. Besonders bitter sei, dass der Tatverdächtige weiterhin nicht gefasst sei: „Meine Schwester ist tot, und dieser Mann läuft frei herum. Frauen werden ermordet und niemand kümmert sich darum. Ich will Gerechtigkeit. Es reicht.“

Vier Feminizide seit Jahresbeginn in Amed

Mit dem Tod von Sultan Kara ist nach Angaben von Frauenorganisationen bereits die vierte Frau seit Jahresbeginn in Amed durch einen Feminizid getötet worden. Drei weitere Frauen kamen unter ungeklärten beziehungsweise verdächtigen Umständen ums Leben. Der Fall von Sultan Kara reiht sich damit in eine bekannte Konstellation geschlechtsspezifischer Gewalt ein: Die Trennung von einem gewalttätigen Partner gehört für Frauen zu den besonders gefährlichen Phasen. Kara hatte sich entschieden zu gehen, die Scheidung eingereicht und Schutz beantragt. Zwei Monate später wurde sie ermordet.

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