Rückkehr nach Serêkaniyê von Angriffen überschattet
Erstmals seit der türkischen Invasion von 2019 sind mehrere Hundert vertriebene Familien nach Serêkaniyê zurückgekehrt. Kurz nach ihrer Ankunft wurden sie von Besatzern ihrer Häuser angegriffen. Mehrere Tatverdächtige wurden inzwischen festgenommen.
Fast sieben Jahre nach der türkisch-dschihadistischen Invasion in Serêkaniyê (Ras al-Ain) sind erstmals vertriebene Bewohner:innen in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Rückkehr der ersten Familien wurde jedoch unmittelbar nach ihrer Ankunft von Angriffen bewaffneter Personen überschattet, die während der Besatzung ihre Häuser übernommen hatten.
Nach Angaben des Komitees der Vertriebenen aus Serêkaniyê erreichten rund 410 Familien am Montag ihre Heimatstadt. Die Rückkehr erfolgt im Rahmen des Abkommens zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der syrischen Übergangsregierung in Damaskus vom 29. Januar, das eine schrittweise Rückkehr der seit der Invasion von 2019 vertriebenen Bevölkerung vorsieht.
Erste Rückkehr seit der Besatzung
Ausgangspunkt des ersten Konvois war der Sammelplatz gegenüber dem Vertriebenenlager Waşokanî in der Gemeinde Tiwêna bei Hesekê. Ursprünglich sollten 647 Familien in ihre Heimat zurückkehren. Aufgrund logistischer Probleme konnten zunächst jedoch nur rund 400 Familien an der ersten Rückkehr teilnehmen. Das Komitee teilte mit, dass die Registrierung weiterer Rückkehrwilliger in Dêrik, Dirbêsiyê, Til Temir, Amûdê, Qamişlo und Hesekê fortgesetzt wird.
Bewaffnete greifen Rückkehrer:innen an
Nach ihrer Ankunft wurden mehrere Familien nach Angaben des Vertriebenenkomitees von bewaffneten Personen angegriffen, die ihre Häuser während der Besatzung übernommen hatten. Videos aus Serêkaniyê zeigen unter anderem beschädigte Fahrzeuge der Rückkehrer:innen. Das Komitee verurteilte die Angriffe und rief die Bevölkerung in Hesekê und Qamişlo zu Protesten auf. Zugleich forderte es, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die sichere Rückkehr aller Vertriebenen zu gewährleisten.
Proteste in mehreren Städten
Noch am frühen Abend gingen Menschen in Qamişlo, Hesekê und Til Temir auf die Straße. Bei Kundgebungen verlangten sie Schutz für die zurückgekehrten Familien sowie die Garantie einer sicheren und würdevollen Rückkehr aller Vertriebenen nach Serêkaniyê. Auch das Komitee der Vertriebenen erneuerte seine Forderung nach umfassenden Sicherheitsgarantien für die Rückkehrer:innen.
Mazlum Abdi verurteilt Angriffe
QSD-Oberkommandierender Mazlum Abdi erklärte, die Rückkehr sei in Abstimmung mit dem syrischen Staat erfolgt. Die Angriffe auf die Zivilbevölkerung verurteilte er scharf. Über X teilte Abdi mit, die zuständigen Stellen arbeiteten daran, die zurückgekehrten Familien zu schützen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, die Rechte aller Bewohner:innen zu gewährleisten und die Stabilität in der Region zu sichern.
Tatverdächtige festgenommen
Der stellvertretende Kommandeur der Inneren Sicherheitskräfte in Hesekê, Mehmûd Xelîl, erklärte, die Angriffe hätten das Ziel gehabt, die Sicherheitslage zu destabilisieren, die Rückkehr der Vertriebenen zu verhindern und den laufenden Integrationsprozess zu sabotieren. Nach seinen Angaben wurden mehrere mutmaßlich Beteiligte inzwischen festgenommen. Gegen weitere Verdächtige liefen Fahndungs- und Ermittlungsmaßnahmen. Bis zur vollständigen Stabilisierung der Lage seien die Rückkehrkonvois nach Serêkaniyê vorübergehend ausgesetzt worden. Sobald die Sicherheit der Rückkehrer:innen gewährleistet sei, würden die Fahrten wieder aufgenommen.
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