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Le Monde: Trauerfeiern für Gefallene spiegeln verändertes politisches Klima

 


„Le Monde“ berichtet über die Trauerfeiern für gefallene Guerillakämpfer:innen in der Türkei. Dass öffentlich ihrer gedacht werden kann, wertet die französische Zeitung als sichtbare Folge des veränderten politischen Klimas im Friedensprozess.

Vor drei Jahren wären solche Bilder nicht geduldet worden
 
ANF / REDAKTION, 31. Aug. 2026.

Die französische Tageszeitung Le Monde hat sich ausführlich mit den Trauerfeiern und Gedenkveranstaltungen für gefallene Guerillakämpfer:innen befasst, die in den vergangenen Tagen in Kurdistan und der Türkei stattgefunden haben. Die Zeitung sieht darin nicht nur die Geschichte von Familien, die nach Jahren Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen erhalten, sondern auch einen sichtbaren Ausdruck der gesellschaftlichen Veränderungen im Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft.

In der Reportage von Céline Pierre-Magnani wird darauf verwiesen, dass die kurdische Befreiungsbewegung seit dem 21. August die Identitäten von rund 100 Guerillakämpfer:innen bekanntgegeben hat, die in vergangenen Jahren ums Leben gekommen waren. Daraufhin nahmen Familien unter anderem in Amed (tr. Diyarbakır), Wan (Van) und Istanbul Beileidsbekundungen entgegen.

‚Vor drei Jahren wären solche Bilder nicht geduldet worden‘

Ausführlich schildert Le Monde die Trauerfeier für Hakan Şaşik im Istanbuler Bezirk Arnavutköy. Şaşik hatte sich dem Bericht zufolge 2014 der Guerilla angeschlossen. Rund zwölf Jahre lang hatte seine Familie keine Nachricht über sein Schicksal erhalten. Erst durch die jüngsten Bekanntgaben erfuhr sie, dass Şaşik am 6. Oktober 2020 ums Leben gekommen war.

Besondere Aufmerksamkeit richtet die Zeitung auf die öffentlich aufgestellten Bilder von Guerillakämpfer:innen und Porträts des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan. Noch vor wenigen Jahren wären solche Bilder in der Türkei kaum offen möglich gewesen. Vor drei Jahren, so die Einschätzung von Le Monde, hätten die türkischen Behörden eine derartige Szenerie nicht geduldet.

Dass die Trauerfeiern heute öffentlich stattfinden können, bringt die Zeitung mit dem veränderten politischen Klima seit Ende 2024 und der neuen Phase in Verbindung, die mit Abdullah Öcalans Friedensaufruf eingeleitet wurde.

Familien erhalten nach Jahren Gewissheit

Die Reportage zeichnet zugleich die Geschichte der Familie Şaşik nach. Hakan Şaşiks Bruder berichtet von Razzien des türkischen Militärs im Elternhaus in Qers (Kars) während ihrer Kindheit. Sein Bruder sei von den Ungerechtigkeiten geprägt worden, die er in seinem Umfeld erlebt habe.

Über solche Familiengeschichten macht Le Monde auch die menschlichen Folgen des jahrzehntelangen Krieges in Kurdistan sichtbar. Viele Familien hätten über Jahre keine Nachricht von ihren Kindern oder anderen Angehörigen erhalten und erführen erst durch die jetzt veröffentlichten Namen, was mit ihnen geschehen sei.

Die Trauerfeiern werden damit zugleich zu Orten, an denen die Folgen der jahrzehntelangen bewaffneten Auseinandersetzungen für Familien und die kurdische Gesellschaft öffentlich sichtbar werden.

Vom bewaffneten Kampf zur politischen Auseinandersetzung

Le Monde ordnet diese Entwicklung in die breitere Debatte über die neue Phase bei der Lösung der kurdischen Frage ein. Mit Öcalans Aufruf und dem Übergang vom bewaffneten Kampf zur demokratischen politischen Auseinandersetzung habe für die kurdische Bewegung eine neue Epoche begonnen. Zu Wort kommt in der Reportage unter anderem Nedim Yılmaz, der 33 Jahre inhaftiert war. Auch Einschätzungen des Ko-Vorsitzenden der DEM-Partei, Tuncer Bakırhan, zum gegenwärtigen Prozess werden wiedergegeben.

Für die DEM-Partei und andere Teile der kurdischen Bewegung bestehe eine zentrale Herausforderung der neuen Phase darin, den Kampf um gleiche Rechte auf rechtlicher Grundlage und mit den Mitteln demokratischer Politik fortzuführen. Zugleich verweist Le Monde auf die Situation von Rechtsstaatlichkeit und Grundfreiheiten in der Türkei. Ob dieser Wandel unter den bestehenden Bedingungen gelingen könne, gehöre zu den entscheidenden Fragen der kommenden Zeit.

Die französische Zeitung hatte sich bereits zuvor mit dem Prozess zur Lösung der kurdischen Frage beschäftigt. In einer Analyse vom 11. August über das vom türkischen Parlament verabschiedete Rahmengesetz hatte Le Monde darauf hingewiesen, dass dieses die kurdische Frage allein nicht löse. Die Regelung betreffe vor allem die Niederlegung der Waffen und die damit verbundenen rechtlichen Verfahren. Zentrale Fragen hinsichtlich der politischen Forderungen der Kurd:innen und der Situation Öcalans seien dagegen weiterhin ungeklärt, hatte es geheißen.

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