Selbstorganisierte Nachtwachen gegen Drogenhandel in Wan
In Wans Viertel Xaçort organisieren Anwohner:innen nächtliche Wachen gegen den zunehmenden Drogenhandel. Nachdem Beschwerden wirkungslos blieben, schützen sie ihre Straßen selbst und rufen weitere Stadtteile dazu auf, sich der Initiative anzuschließen.
Der zunehmende Drogenhandel sorgt in vielen Städten Kurdistans für wachsende Besorgnis. Nach Angaben zivilgesellschaftlicher Initiativen sinkt das Einstiegsalter beim Drogenkonsum seit Jahren, während sich der Handel insbesondere in Städten wie Colemêrg (tr. Hakkari), Sêrt (Siirt), Wan (Van) und Amed (Diyarbakır) immer weiter ausbreitet. In Wans Viertel Xaçort im Bezirk Rêya Armûşê (Ipekyolu) haben Bewohner:innen nun begonnen, ihre Straßen selbst zu schützen.
Nachdem wiederholte Beschwerden bei den zuständigen Stellen ohne Konsequenzen geblieben sind, organisiert die Bevölkerung seit einigen Tagen nächtliche Wachen. Frauen, Jugendliche und ältere Bewohner:innen halten bis in die späten Abendstunden an den Eingängen ihrer Straßen Wache. Am Viertel wurden Transparente mit den Aufschriften „Nein zu Drogen“ und „Die Namen der Drogenverkäufer werden öffentlich gemacht“ aufgehängt.
„Unsere Jugendlichen sind unsere Zukunft“
Für Makbule Bartu ist der Drogenhandel längst zu einer existenziellen Bedrohung für das Viertel geworden. Die Nachtwachen seien entstanden, um Kinder und Jugendliche vor den Folgen der zunehmenden Verbreitung von Drogen zu schützen. „Drogen schaden unserem gesamten Viertel. Wir haben Angst um unsere Kinder und Jugendlichen und wollen nicht zulassen, dass sie in diesen Sumpf geraten. Seit 20 Jahren lebe ich hier – ein solches Problem hat es früher nicht gegeben. Unser Viertel war immer für seinen Zusammenhalt bekannt. Heute versuchen sie, an jeder Straßenecke Drogen zu verkaufen. Das akzeptieren wir nicht.“ Bartu ruft auch die Bewohner:innen anderer Stadtteile dazu auf, sich gegen den Drogenhandel zu organisieren. „Wir müssen zuerst unsere Haustüren, dann unsere Straßen und schließlich unsere Viertel schützen. Unsere Jugendlichen sind unsere Zukunft, deshalb verteidigen wir unsere Zukunft.“

Beschwerden ohne Folgen
Auch Ayten Salgür berichtet, dass sich die Bewohner:innen seit rund zwei Jahren gegen den Drogenhandel einsetzen. Zahlreiche Gespräche und Appelle an staatliche Stellen und Institutionen seien jedoch erfolglos geblieben. Deshalb habe die Nachbarschaft gemeinsam beschlossen, selbst Nachtwachen einzurichten. „Wir haben lange geredet und viele Aufrufe gemacht. Doch Worte reichen nicht mehr aus. Deshalb sitzen wir bis spät in die Nacht vor unseren Häusern und halten Wache.“ Nach ihren Angaben sei Wan inzwischen zu einem Zentrum des Drogenhandels geworden. Ziel der Initiative sei es, die weitere Ausbreitung zu verhindern und Kinder wie Jugendliche zu schützen.

Bandenkriminalität im Viertel
Salgür betont, dass die Bewohner:innen den Dialog gesucht hätten, bevor sie sich zu den Nachtwachen entschlossen. Doch der offene Verkauf von Drogen habe schließlich zum gemeinsamen Handeln gezwungen. „Wir wissen, wer hier verkauft. Die Geschäfte fanden offen vor unseren Augen statt – nicht nur mit Jugendlichen, sondern auch mit Kindern. Wir wollen dieses Problem auf menschliche und demokratische Weise lösen. Auch diejenigen, die Drogen verkaufen, sollen aus diesem Kreislauf herauskommen. Aber wir werden nicht zulassen, dass unser Viertel mit Drogen und Kriminalität in Verbindung gebracht wird. Keiner Bande werden wir hier Raum geben.“
Die Bewohner:innen kündigten an, die Nachtwachen fortzusetzen. Ihr Ziel sei es, Kindern und Jugendlichen ein sicheres Lebensumfeld zu erhalten und den Drogenhandel aus ihrem Viertel zu verdrängen.
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