Kongra Star drängt auf Anerkennung der YPJ als Teil der syrischen Armee
Nach dem Start der Kampagne „Wir sind alle YPJ“ erhöht Kongra Star den Druck auf die syrische Übergangsregierung. Gefordert wird die offizielle Integration der Frauenverteidigungseinheiten in die Armee. Bisher scheitert dies vor allem an der Anerkennung.
Nach dem Start der Kampagne „Wir sind alle YPJ“ hat die Koordination des Frauendachverbands Kongra Star ihre Forderung nach einer offiziellen Anerkennung der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) bekräftigt. Ziel ist die formelle Integration der YPJ in die Strukturen des syrischen Verteidigungsministeriums.
Kongra Star unterstützt die am 26. April ausgerufene Kampagne und sieht in ihr einen wichtigen Schritt, um den politischen und militärischen Status der YPJ langfristig zu sichern. Die Frauenorganisationen in Nord- und Ostsyrien drängen darauf, dass die Einheiten nicht nur faktisch, sondern auch institutionell anerkannt werden. Xunav Xelîl, Mitglied der Koordination von Kongra Star in Kobanê, unterstreicht die zentrale Rolle der YPJ: „Die YPJ sind die Identität, die Stärke und der Wille aller Frauen – und wir werden unsere eigene Stärke verteidigen.“
Integration stockt trotz erster Schritte
Zwar waren nach dem Abkommen vom 29. Januar zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der syrischen Übergangsregierung erste Schritte in Richtung Integration eingeleitet worden. Nach Angaben Xelîls sei der Prozess jedoch ins Stocken geraten. „Es gibt Hindernisse auf administrativer Ebene, da die Regierung Frauen im Militär grundsätzlich nicht akzeptiert“, sagt Xelîl. Diese Differenzen könnten jedoch durch Dialog und Verhandlungen überwunden werden.
Xunav Xelîl
Als zentrales Problem benennt die Aktivistin die fehlende offizielle Anerkennung der YPJ. Zwar habe die Regierung die QSD als Struktur akzeptiert, die Frauenverteidigungseinheiten seien jedoch weiterhin davon ausgenommen. „Die YPJ sind Teil der QSD und müssen entsprechend auch als Bestandteil der syrischen Verteidigungskräfte anerkannt werden“, so Xelîl.
Frauen im Militär nicht vorgesehen
Nach Einschätzung von Kongra Star hängt die Blockade auch mit der Haltung der Übergangsregierung gegenüber Frauen im Militär zusammen. Da es in deren eigenen Strukturen keine Fraueneinheiten gibt, werden auch die YPJ nicht als regulärer Bestandteil akzeptiert. Xelîl betont jedoch die gesellschaftliche Bedeutung der Einheiten: „Die YPJ repräsentieren alle Frauen. Sie haben Frauen ermöglicht, ihre Rechte zu verteidigen und sich aus Unterdrückung und Gewalt zu befreien.“ Dennoch werde ihre Existenz im Rahmen des Integrationsprozesses bislang nicht anerkannt.
Kampagne soll Druck erhöhen
Vor diesem Hintergrund will Kongra Star die laufende Kampagne weiter vorantreiben. Ziel sei es, den politischen Druck zu erhöhen und die Anerkennung der YPJ als Teil der syrischen Verteidigungsstrukturen durchzusetzen. Die Organisation kündigt an, ihre Aktivitäten in diesem Zusammenhang auszuweiten. „Wir werden unseren Widerstand verstärken und uns dafür einsetzen, dass die YPJ ihren Platz im Verteidigungsministerium einnehmen“, erklärt Xelîl.
Weitere Forderungen: Gefangene und Gefallene
Neben der institutionellen Anerkennung der YPJ formulieren die Frauenorganisationen weitere Forderungen. Dazu gehört die Freilassung verschleppter Kämpferinnen sowie die Übergabe der Leichname gefallener YPJ-Mitglieder an ihre Familien. Xelîl verweist dabei auch auf die militärische Rolle der Frauenverteidigungseinheiten, insbesondere im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). „Die YPJ haben in Kobanê den Terror besiegt. Deshalb müssen sie als Teil der syrischen Armee anerkannt werden“, sagt sie. Abschließend bekräftigt Kongra Star seine Unterstützung für die Kampagne und ruft dazu auf, die Forderung nach offizieller Anerkennung der YPJ weiter zu verstärken.
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