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Istanbul: Newroz als Willensbekundung

 


Das Newroz in Istanbul wurde 2026 zur politischen Willensbekundung. Rund eine Million, vor allem junge Menschen, bekannten sich sichtbar zu Abdullah Öcalans Paradigma und unterstrichen ihren Anspruch auf Einheit und Demokratie.

Kommentar: Hunderttausende bekennen sich zu Öcalans Paradigma
 
ANF / ISTANBUL, 23. März 2026.

Was einst in geschlossenen Räumen begann, verlagerte sich ab den 1990er Jahren zunehmend auf die Straßen und Plätze und wurde zu einem sichtbaren politischen Ausdruck kurdischer Existenz. Auch in Zeiten von Verboten wurde Newroz weiter begangen: in Vierteln, auf Straßen und unter hohem Risiko. Die Feiern wurden so zu einem kontinuierlichen Moment des Widerstands und der Selbstbehauptung.

Das Newroz 2026 knüpft an diese Geschichte an – und markiert zugleich einen neuen Abschnitt. Ein Jahr nach dem Aufruf vom 27. Februar 2025 des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan und dem damit verbundenen neuen Paradigma wurde auf dem Newroz-Platz sichtbar, wie breit diese Perspektive gesellschaftlich getragen wird.

Und genau das zeigte sich mit aller Deutlichkeit.

Die diesjährigen Newroz-Feiern wurden in der Türkei und in Kurdistan von deutlich größeren Menschenmengen getragen als in den vergangenen Jahren. Auch in Istanbul richtete sich der Blick im Vorfeld auf die Frage, wie stark die gesellschaftliche Resonanz ausfallen würde.

Die Antwort lieferte der 22. März.

Auffällig war insbesondere die Präsenz junger Menschen. Ein großer Teil der Teilnehmenden war zwischen 16 und 22 Jahre alt. Damit wurde sichtbar, dass sich nicht nur bestehende Strukturen halten, sondern dass sich eine neue Generation aktiv in die politische Perspektive einordnet. Die vielfach gerufene Parole „Wir haben jung begonnen, wir werden jung siegen“ zeigte sich hier nicht als bloße Parole, sondern als gelebte Realität.

Zugleich prägte die sichtbare Bezugnahme auf Abdullah Öcalan das Bild des Tages. Seine Porträts wurden durch die Menge getragen, seine Worte auf Transparenten gezeigt. Als seine Stimme über die Lautsprecher erklang, verstummte die Menge, Tänze wurden unterbrochen. Nach dem Ende seiner Botschaft folgten minutenlange Sprechchöre: „Bijî Serok Apo“. Diese Szenen machten deutlich, dass die seit Jahrzehnten betriebene Isolationspolitik ihr Ziel nicht erreicht hat. Im Gegenteil: Die Bindung an Öcalan und sein Paradigma wurde offen und kollektiv zum Ausdruck gebracht.

Auch die gemeinsame Präsenz der Ala Rengîn-Fahnen und Öcalan-Porträts wurde als Ausdruck eines politischen Anspruchs auf Einheit verstanden. Damit machten zahlreiche Teilnehmende deutlich, dass sie den Aufruf Abdullah Öcalans zur nationalen Einheit unterstützen und sich zugleich von Stimmen abgrenzen, die diesen Kurs in Frage stellen.

Insgesamt wirkte das Newroz 2026 in Istanbul wie eine klare Positionsbestimmung. Millionen Menschen machten sichtbar, dass sie sich zu Öcalans Paradigma bekennen und diesen politischen Rahmen als Grundlage für die Zukunft betrachten.

Beim Verlassen des Geländes hielten die Rufe „Bijî Serok Apo“ und „Jin, Jiyan, Azadî“ an. Trotz Provokationen blieb die Haltung geschlossen. Für viele Teilnehmende war dieser Tag vor allem eines: ein öffentliches Bekenntnis zu einer gemeinsamen politischen Perspektive und zu deren Fortführung.

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