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Türkisches Militär verstärkt Belagerung von Kobanê

Die Belagerung von Kobanê verschärft sich. Während die westkurdische Stadt seit drei Wochen unter Versorgungsengpässen bei Strom, Wasser und medizinischer Hilfe leidet, finden entlang der Grenze türkische Grabungen und Truppenbewegungen statt.

Grabungen und Truppenbewegungen
 
ANF / RIHA, 6. Feb. 2026.

Die seit Wochen andauernde Belagerung der westkurdischen Stadt Kobanê durch HTS-nahe Milizen und das türkische Militär hält entgegen dem Integrations- und Waffenstillstandsabkommen zwischen der syrischen Übergangsregierung und den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) weiter an. Parallel dazu ist am türkischen Grenzübergang Mürşitpınar in der gegenüber von Kobanê gelegenen nordkurdischen Stadt Pirsûs (tr. Suruç) seit inzwischen neun Tagen verstärkte Militäraktivität zu beobachten: Unter Aufsicht türkischer Soldaten werden Gräben entlang der Grenzmauer ausgehoben, begleitet von einer deutlichen militärischen Aufrüstung.

Fünf neue militärische Stellungen errichtet

Bagger und andere Maschinen entfernen systematisch Erdreich direkt neben der Mauer, das anschließend als Wall aufgehäuft wird. Die Arbeiten waren kurzzeitig wegen heftiger Regenfälle unterbrochen, wurden am heutigen Freitag jedoch wieder aufgenommen. Entlang der Strecke von Pirsûs bis zum Grenzübergang wurden laut lokalen Quellen mindestens fünf neue militärische Stellungen errichtet. Dorfbevölkerungen berichten von Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Ausweiskontrollen und teils komplett blockierten Übergängen in unmittelbarer Nähe zur Grenze.

Infrastruktur in Kobanê zusammengebrochen

In Kobanê selbst spitzt sich die humanitäre Krise unterdessen weiter zu. Seit rund drei Wochen sind nach Angaben der zuständigen Kantonsverwaltung Wasser, Strom und Internet vollständig unterbrochen. Auch die medizinische Versorgung ist weitgehend kollabiert, Hilfslieferungen erreichen die Stadt nur sehr eingeschränkt. „Wir leben seit dem 18. Januar unter einer erdrückenden Belagerung, in der sämtliche lebensnotwendige Infrastruktur gekappt wurde“, hieß es in einer Mitteilung der Wasserbehörde Kobanês vom Mittwoch.

Repräsentant in Deutschland fordert internationale Intervention

Zudem ist die Stadt durch blockierte Zufahrtswege und Kontrollpunkte faktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Schätzungen zufolge befinden sich Tausende Binnenvertriebene in der Stadt, viele von ihnen unter akutem Versorgungsdruck. Khaled Davrisch, Repräsentant der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien in Deutschland, fordert die sofortige Öffnung humanitärer Korridore: „Die internationale Gemeinschaft darf nicht länger wegsehen. Es braucht jetzt klaren Druck auf alle beteiligten Akteure, um den humanitären Zugang nach Kobanê sicherzustellen und die Belagerung zu beenden.“

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