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Syrische Übergangsregierung schließt Camp Hol


Die syrische Übergangsregierung hat die Schließung des Lagers Hol bekannt gegeben, Bewohner:innen wurden umgesiedelt. Die Räumung dürfte weniger eine Lösung des IS-Problems als eine mögliche Umverteilung des Risikos sein.

Sorge vor „Verlagerung des Risikos“
 
ANF / REDAKTION, 23. Feb. 2026.

Die syrische Übergangsregierung hat die Schließung des Lagers Hol bekannt gegeben. „Die syrischen und nicht-syrischen Familien wurden umgesiedelt“, berichtete der von Damaskus mit der Verwaltung des Lagers nahe Hesekê beauftragte Beamte Fadi al-Kassem. Derzeit würden letzte Kontrollen der Zelte im Lager durchgeführt, erklärte al-Kassem.

Die Bewohner:innen, die „Hilfe für ihre Wiedereingliederung“ in die Gesellschaft benötigten, seien in ein Lager in Akhtarin bei Azaz und an andere Orte gebracht worden. Konkrete Angaben zu Transportwegen, aufnehmenden Behörden oder zur rechtlichen Behandlung der Betroffenen machte der Beamte nicht. Auch Details zu Kontrollmechanismen oder Reintegrationsprogrammen wurden nicht veröffentlicht.

Camp Hol wurde Anfang 1991 während des Zweiten Golfkriegs vom UNHCR für irakische Flüchtlinge errichtet. Nachdem es zwischenzeitlich geschlossen war, wurde das Camp im Zuge des Irakkrieges 2003 wiedereröffnet. Nach der Zerschlagung der Territorialherrschaft der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) durch die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) im März 2019 wurde das Lager hauptsächlich zur Unterbringung von Familienangehörigen von IS-Söldnern genutzt.

Wegen der Offensive syrischer Truppen und ihrer Milizen gegen die nordostsyrische Selbstverwaltung zogen sich die QSD im Januar aus Hol zurück. Das neue Regime übernahm daraufhin die Kontrolle über das Lager. Zuletzt lag die Zahl der Bevölkerung dort bei etwa 24.000 Menschen, hauptsächlich Frauen und Kinder. Zu den Insass:innen zählten etwa 15.000 syrische Staatsangehörige, einige Tausend Iraker:innen und mehr als 6.000 Ausländer:innen aus rund 40 anderen Ländern. Unklar bleibt insbesondere deren Verbleib.

Zeitgleich mit der Bekanntgabe der Schließung kursierten Aufnahmen, die Brände in Teilen des nahezu geräumten Lagers zeigen. Zelte und Einrichtungen standen in Flammen.

Sorge vor Verlagerung des Risikos

Hol galt lange als tickende Zeitbombe, da das Lager als Zentrum der Reorganisierung des IS-Terrornetzwerks galt und hauptsächlich Frauen und Kindern beherbergte, die zuvor in Gebieten unter Kontrolle der Dschihadisten lebten. Die Räumung dürfte weniger eine Lösung des Problems als eine mögliche Umverteilung des Risikos sein. Mit der Auflösung des geografisch begrenzten Raums könnte die Herausforderung nun in verschiedene Regionen Syriens verlagert werden – in ein Umfeld, das ohnehin unter wirtschaftlicher Not, politischer Fragmentierung und Sicherheitslücken leidet.

Zentrale Fragen bleiben unbeantwortet: Welche individuellen Gefährdungsanalysen wurden von Damaskus vorgenommen? Welche Programme zur Deradikalisierung existieren? Und wie soll verhindert werden, dass sich extremistische Netzwerke in neuen Kontexten reorganisieren? Solange diese Punkte ungeklärt sind, bleibt die Schließung von Hol weniger ein Abschluss als vielmehr der Beginn einer neuen, schwer kalkulierbaren Phase.

 

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