NRLS-Bericht: 1.200 Zivilist:innen bei Angriffen auf Kurd:innen getötet
Laut einem Bericht des NRLS sind bei den Angriffen von Truppen und Milizen der syrischen Übergangsregierung und des türkischen Staates auf die kurdische Bevölkerung in Nordostsyrien mindestens 1.200 Zivilist:innen getötet worden.
Bei den Angriffen von Truppen und Milizen der syrischen Übergangsregierung und des türkischen Staates auf die kurdische Bevölkerung in Nordostsyrien sind nach Angaben des Zentrums für strategische Studien Rojava (Navenda Rojava a Lêkolînên Stratejîk, NRLS) mindestens 1.200 Zivilist:innen getötet worden. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder. Das geht aus einem Bericht hervor, den das NRLS am Montagabend vorlegte.
Die Angriffe hatten am 6. Januar mit einer Offensive gegen die kurdischen Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo begonnen. In der Folge weitete sich die Aggression auf weite Teile der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) aus und griff auf Raqqa, Tabqa und Deir ez-Zor über. Der Bericht hält fest: „Obwohl sich die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) aus mehreren Städten zurückzogen, um eine großflächige Konfrontation zwischen kurdischer und arabischer Bevölkerung zu verhindern, hielten Angriffe auf Zivilist:innen an.“
Der Bericht des NRLS spricht von systematisch geführten Operationen mit gravierenden humanitären Folgen. Neben den Todesopfern seien mehr als 2.000 Zivilist:innen entführt worden. In 526 Fällen sei der Verbleib der Verschleppten unbekannt. Angehörige warteten unter großer Sorge auf Informationen. Zudem seien 270 Leichname getöteter Personen nicht an ihre Familien übergeben worden. Rund 1.000 Gefangene würden in Haftanstalten in Aleppo festgehalten. Es gebe Berichte über schwere Folter.
Hunderttausende vertrieben
Der Bericht verweist auch auf eine massive Vertreibungswelle. Infolge der Angriffe hatten Hunderttausende ihre Wohnorte verlassen müssen. Allein aus Aleppo seien mehr als 160.000 Menschen vertrieben worden. Aus den Regionen Raqqa und Tabqa hätten über 100.000 Personen Zuflucht in Gebieten unter Kontrolle der Autonomieverwaltung gesucht.
Kobanê unter Belagerung
Seit mehr als einem Monat steht zudem Kobanê unter Belagerung syrischer Regimetruppen und ihrer Milizen. „Die Lieferung von Medikamenten und lebensnotwendigen Gütern wird blockiert“, betont der Report. In Hesekê werde gezielt eine „Hungerpolitik“ angewandt, um die Bevölkerung zur Aufgabe zu zwingen, heißt es in dem Bericht. Das NRLS bewertet die Vorgänge nicht nur als schwere Menschenrechtsverletzungen, sondern als Versuch, die demokratisch-autonomen Strukturen in der Region systematisch zu zerschlagen.
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