Heyva Sor a Kurd warnt vor Gesundheitskrise unter Vertriebenen in Qamişlo
In Qamişlo und Umland haben rund 12.000 Familien Zuflucht vor den syrischen Truppen und Milizen gefunden. Ohne rasche Hilfe drohen in den behelfsmäßigen Unterkünften gesundheitliche Risiken und Versorgungskollaps, warnt der Kurdische Rote Halbmond.
Die Ko-Vorsitzende von Heyva Sor a Kurd (Kurdischer Roter Halbmond), Hediye Abdullah, hat angesichts der massiven Fluchtbewegungen in Nordostsyrien vor einer drohenden humanitären Krise gewarnt. Allein in und um Qamişlo seien derzeit rund12.000 Familien untergebracht, die in den vergangenen Wochen im Zuge der Angriffe der syrischen Armee und ihrer Milizen zur Flucht gezwungen wurden.
Abdullah betonte gegenüber ANF, dass sich ihre Organisation seit Beginn der Fluchtbewegungen auf medizinische Hilfe und Notfallversorgung konzentriere. Das betreffe sowohl Ambulanzdienste als auch den Aufbau mobiler Kliniken. Alle regionalen Zentren von Heyva Sor a Kurd seien in hoher Einsatzbereitschaft – inmitten eines der schwierigsten Winter der vergangenen Jahre. „Trotz der Dimension der Krise haben wir reagiert. Die Menschen brauchten sofort Hilfe und wir waren da. Auch wenn das Ausmaß alles überstieg, was wir bisher erlebt haben.“
Zwischen Kälte, Chaos und Hilfsbereitschaft
Viele der geflüchteten Familien fanden zunächst Unterkunft bei Verwandten oder in provisorisch geöffneten Wohnungen. Die spontane Aufnahme habe die Hilfskoordination allerdings erheblich erschwert, so Abdullah. Erst nach und nach konnten Hilfsgüter gezielt verteilt werden, darunter Matratzen, Decken, Hygieneartikel und insbesondere Säuglingsnahrung.
Mit dem Zustrom ins Zentrum von Qamişlo habe sich der Fokus der Arbeit
schnell verlagert. Am 12.-März-Stadion wurde eine mobile Klinik
eingerichtet, um der Konzentration von Geflüchteten an diesem Ort
gerecht zu werden. Ärzt:innen, Sanitäter:innen und Ehrenamtliche seien
teilweise unter Schneefall, Regen und in bitterer Kälte rund um die Uhr
im Einsatz gewesen. „Es ist nicht einfach, in diesen Bedingungen
medizinische Hilfe zu leisten. Aber die Not war größer als das Wetter
schlecht war.“
Hilfe aus der Gesellschaft und aus der Diaspora
Besonders in den ersten Tagen sei Heyva Sor a Kurd allein auf dem Feld gewesen, erklärte Abdullah. Erst nach dem vierten Tag seien erste zivilgesellschaftliche Organisationen mit begrenzten Kapazitäten hinzugekommen. Dennoch habe sich sehr schnell eine Welle der Solidarität entfaltet, vor allem aus der kurdischen Diaspora weltweit. In Südkurdistan wurden zahlreiche Kampagnen initiiert, auch Heyva Sor a Kurdistanê e.V. habe massive Unterstützung geleistet. Insgesamt seien bisher rund 300.000 US-Dollar an Hilfen an die Strukturen in Rojava übermittelt worden. Mit diesen Mitteln konnten Medikamente und medizinisches Gerät an über 30 Gesundheitszentren und sechs Krankenhäuser verteilt werden. Auch im Volkskrankenhaus von Qamişlo wurde mit externer Hilfe wieder Zugang zu Ultraschall, Röntgen und Echografie ermöglicht.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen