Yûsif (PYD): Damaskus fordert Kapitulation – Wir setzen auf Widerstand
Die Gespräche zwischen QSD-Generalkommandant Mazlum Abdi und Damaskus sind gescheitert. Das Islamistenregime fordert die vollständige Aufgabe der Selbstverwaltung und eine Rückkehr zur Ordnung vor 2011. Die Kurd:innen lehnen ab.
Die Gespräche zwischen dem Oberkommandierenden der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD), Mazlum Abdi, und dem selbsternannten syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa sind gescheitert. Das bestätigte die PYD-Politikerin Foza Yûsif am Montagabend gegenüber dem kurdischen Sender Rûdaw. Laut Yûsif forderte Damaskus nichts weniger als die vollständige Kapitulation der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES). „Die syrische Seite will, dass wir alles aufgeben. Sie wollen die Situation auf den Stand vor 2011 zurücksetzen. Unsere Existenz wird nicht anerkannt.“
Totale Unterwerfung verlangt
Yûsif zufolge seien die Forderungen des Islamistenregimes in Damaskus unmissverständlich: Die Auflösung aller Selbstverwaltungsstrukturen, die Übergabe sämtlicher Institutionen, Waffen, Bildungseinrichtungen und Ölquellen – „und das sofort“. „Sie verlangen, dass wir Hesekê räumen, in Kobanê die Waffen niederlegen, unsere Schulen schließen und unsere eigene Gesellschaftsordnung aufgeben“, erklärte Yusif. „Das ist eine offene Kapitulationsaufforderung. Wir werden das nicht akzeptieren.“ Die Gespräche zwischen Abdi und al-Scharaa seien daher ohne Ergebnis beendet worden. Der QSD-Generalkommandant habe Damaskus inzwischen verlassen und werde in Rojava eine Lagebewertung vornehmen.
Damaskus treibende Kraft hinter Gewalt
Yûsif betonte zudem, dass das am Sonntag von al-Scharaa präsentierte, angebliche „Integrations- und Waffenstillstandsabkommen“ mit den QSD „in der Realität ohnehin nicht umgesetzt“ wurde – es gebe weiterhin Gefechte in fast allen Regionen. Gleichzeitig wies sie die Darstellung des Al-Scharaa-Regimes zurück, wonach „ausländische PKK-Mitglieder in den Reihen der QSD“ einer Vereinbarung der Selbstverwaltung mit Damaskus im Wege stünden. „Diese Behauptungen entbehren jeglicher Grundlage. Es ist die syrische Regierung selbst, die auf Eskalation setzt. In Wahrheit ist sie es, die Ausländer in ihren Reihen hat – in Aleppo war es ein Dschihadist aus Ägypten, der den Leichnam einer Asayîş-Kämpferin aus einem Gebäude warf. Sie will mit dem IS gemeinsam Rache nehmen, sie hat in mehreren Gefängnissen IS-Söldner freigelassen“, sagte Yûsif. „Und dann wird die PKK als Vorwand benutzt, um die eigenen Verbrechen zu legitimieren.“
Kampf um Existenz
Die kurdische Politikerin machte deutlich, dass die QSD und die Selbstverwaltung keine Eskalation wünschten, sich aber auf eine lange Auseinandersetzung einstellten: „Wenn die Angriffe in dieser Form weitergehen, bleibt uns nur der Widerstand. Sie erkennen unsere Identität, unsere Errungenschaften, unsere Existenz nicht an. Das Regime sagt sinngemäß: Ihr müsst uns so akzeptieren, wie wir euch unterdrücken. Aber das tun wir nicht.“ Die Übergangsregierung, so Yûsif weiter, sei die treibende Kraft hinter der Gewalt: „In Damaskus wurde die Entscheidung getroffen, die Kurd:innen zu vernichten. Das zeigt sich heute überall.“
Arabische Stämme spielten destruktive Rolle
Besonders kritisch bewertete Yûsif die Rolle arabischer Stämme in den jüngsten Kämpfen im Osten Syriens. „In Regionen wie Deir ez-Zor und Raqqa, wo mehrheitlich Araber:innen leben, haben die Stämme eine sehr negative Rolle gespielt, und diese Entwicklung hat die Fronten geschwächt“, sagte sie. Die QSD haben sich aus Teilen dieser Gebiete zurückgezogen, auch um zivile Opfer zu vermeiden. „Doch nun sind wir wieder mitten unter unserem Volk. Die kurdische Bevölkerung steht an einem Scheideweg: Entweder sie wird frei leben – oder sie wird die Sklaverei akzeptieren. Wir aber werden bis zum letzten Atemzug für unsere Würde kämpfen.“
Kommentare
Kommentar veröffentlichen