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Stêrk Gulo: Syriens Frauen im 1. Jahr der HTS-Herrschaft

 



Unter der dschihadistischen HTS-Herrschaft habe die religiös motivierte Gewalt und die Ausgrenzung von Frauen in Syrien zugenommen, sagt Journalistin Stêrk Gulo. Gleichzeitig betrachtet sie die Frauenrevolution als eine weltweit einzigartige Erfahrung.

Die Folgen eines Jahres HTS-Herrschaft
 
DAXISTAN ROZA / HESEKÊ, 2. Jan. 2026.

Seit der Machtübernahme von „Hayat Tahrir al-Sham“ (HTS) im Dezember 2024 in Damaskus sind schwerwiegende Verletzungen der Frauenrechte in Syrien zu beobachten. Unabhängige Quellen berichten, dass in den von HTS kontrollierten Gebieten und in den vom türkischen Staat besetzten Regionen Massaker, Entführungen, psychische und physische Gewalt gegen Frauen sowie religiös motivierte Gewalt zugenommen haben. Mindestens 650 Frauen sollen getötet worden sein, darunter auch Schwangere.

Diese Vorkommnisse zeigten sich in zahlreichen Städten und Regionen von Aleppo bis Damaskus und von Latakia bis Suweida. Die fundamentalistische, gegen Frauen gerichtete HTS-Ideologie zeigt, dass diese neue Regierung des Landes faktisch auf den Grundsätzen der Scharia basiert. In den Gebieten der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) konnte hingegen auf Grundlage der Selbstverteidigung und Organisation der Frauen ein sicheres Leben weitergeführt werden.

Stêrk Gulo, die seit vielen Jahren als Journalistin in Syrien und der DAANES tätig ist, bewertete für ANF die Situation der Frauen im ersten Jahr der HTS-Herrschaft.


„Wir befinden uns nun am Ende des Jahres 2025. Es ist im Laufe des Jahres deutlich geworden, dass der Sturz des Baath-Regimes und die Machtübernahme durch Ahmed al-Scharaa alias Abu Muhammad al-Dschaulani im Rahmen einiger weniger Allianzen stattgefunden hat“, begann Gulo ihre Ausführungen. Weiter erklärte sie: „Für Syrien insgesamt hat die Ankunft von HTS in Damaskus viele politische Veränderungen mit sich gebracht. Einerseits war Syrien vorher als politisches System unter der Herrschaft der Baath-Partei vereint, einheitlich organisiert und zentralisiert. Es gab keine Abweichungen von den Gesetzen und Vorschriften, es gab kein unabhängiges Parlament, keine unabhängige parlamentarische Versammlung, es gab nur eine Partei und auf dieser Partei fußte die Macht des Regimes.“

Religiöse statt staatliche Ausrichtung

Die Journalistin betonte an dieser Stelle, dass der regionale Kontext „im Rahmen eines Krieges um die Hegemonie“ einbezogen werden müsse und die Entwicklungen in Syrien nicht losgelöst davon betrachtet werden könnten. Auch müsse bedacht werden, dass HTS bis vor einigen Wochen noch international als Terrororganisation gelistet wurde. „Syrien steht nun einem kritischen und tiefgreifenden Prozess gegenüber. In den 62 Jahren unter der Herrschaft der Baath-Partei gab es keinen religiös motivierten Krieg und auch keine größeren Kriege zwischen den verschiedenen Stämmen der Region.

Mit der Machtübernahme von al-Scharaa haben sich allerdings viele Dinge von einer anderen Seite gezeigt. Ein Aspekt ist, dass viele Länder in der Region, wie etwa Libanon und Irak, bis heute unter religiösen Konflikten und schweren Krisen leiden. Und Syrien ist nun auch von solchen Auseinandersetzungen betroffen. Es ist sichtbar geworden, dass die Ideologie von HTS nicht nur fundamentalistisch geprägt ist, sondern auch eine zentralistische Struktur widerspiegelt, die nicht auf den Gesetzen des staatlich orientierten Systems basiert.

Vielzahl von Menschenrechtsverletzungen an Frauen und Kindern

Seit der Machtübernahme durch HTS kam es zu Massakern großen Ausmaßes, deren erste Opfer Frauen und Kinder waren. In Homs, Hama und Latakia wurden Alawit:innen, in Suweida Drus:innen angegriffen, wobei auch Frauen und Kinder getötet wurden. Bis heute ist das Schicksal Dutzender alawitischer Frauen unbekannt. Obwohl viele Medien und Menschenrechtsorganisationen versuchen, das Ausmaß dieser Massaker aufzudecken, ist es nach wie vor nicht möglich, verlässliche und eindeutige Daten zu erhalten.“

Gulo erklärte in dem Bezug, dass die Betrachtung der Daten zu Gewalt gegen Frauen in Syrien in drei verschiedenen Einflussgebieten aufschlussreich seien: „Erstens die Statistiken der Gebiete unter der Kontrolle von HTS, also Damaskus, Homs, Hama, Latakia und ein Teil von Aleppo. In diesen Gebieten ergeben sich die höchsten Zahlen, und sie betreffen die gestiegene Mordrate unter Frauen und Kindern, sowie Entführungen dieser. Gleichzeitig sind zweitens die Statistiken in den vom türkischen Staat besetzten Gebieten, darunter Efrîn, Azaz, Idlib, al-Bab, Minbic und Cerablus, ähnlich.

Bislang zeigen die uns vorliegenden Statistiken, dass in diesen Gebieten die Zahl der getöteten, gefolterten und entführten Frauen fast genauso hoch ist, wie in den anderen Regionen. Vergleicht man diese Zahl jedoch mit der für Nord- und Ostsyrien, so ist sie nicht dieselbe. Daran wird deutlich, dass diese Verbrechen tatsächlich konkret gegen Frauen gerichtet sind und Verletzungen von grundlegenden Menschenrechten darstellen.“ In den Gebieten der DAANES gelten rechtliche Rahmenbedingungen, die es in anderen Teilen Syriens nicht gibt, und es gibt ein Netzwerk von Schutzinstitutionen. Die Zahlen geschlechtsspezifischer Gewalt liegen dementsprechend signifikant unter dem Landesdurchschnitt.

Die Rolle von Frauen in der neuen Regierung und ihr Widerstand

Ein weiteres von der Journalistin betrachtetes Feld ist die Beteiligung von und Annäherung an Frauen auf Regierungsebene. Gulo erinnert an dieser Stelle insbesondere daran, dass Frauenmörder in persona Teil der HTS-Regierung sind. Namentlich erwähnte sie Abu Hatem Shaqra, der verantwortliche Kommandeur der Miliz „Ahrar al-Sharqiya“, der die brutale Ermordung von Hevrîn Xelef anordnete und heute Divisionskommandant in den von Damaskus aufgestellten syrischen Streitkräften ist.

„Als wir uns die Bilder des neuen Parlaments ansahen, stellten wir fest, dass es ausschließlich aus Männern bestand. Dies löste in der Öffentlichkeit eine große Debatte aus. Im 21. Jahrhundert passt ein Regierungsmodell, das Frauen vollständig ausschließt, nicht zur sozialen Struktur Syriens. Denn Syrien ist ein Land, in dem viele Völker, Religionen und Kulturen zusammenleben und Frauen eine starke Position im gesellschaftlichen Leben einnehmen.

Frauensolidarität im ganzen Land

Beachten wir Folgendes: Die gesamte Region ist von unterschiedlichen Religionen und Glaubensrichtungen geprägt und Frauen aller Nationalitäten sind Teil davon. In Nord- und Ostsyrien wiederum haben sich in den letzten 13 Jahren Frauen dank der Rojava-Revolution organisiert, was erhebliche Auswirkungen auf ganz Syrien hatte. Als also das Massaker an den Alawit:innen und den drusischen Frauen in der Küstenregion begann, wollten viele Frauen die Menschen dort verteidigen.

Ihre Inspiration zogen sie aus den Erfahrungen von Nord- und Ostsyrien. Denn die Geschichte der Gründung der YPJ und der Selbstorganisation von Frauen war weltweit beispiellos. Sie organisierten sich unabhängig als Frauen und in allen Bereichen der Selbstverteidigung – unter dem Kommando von Frauen. Wenn wir uns genau erinnern, begann die Niederschlagung des IS mit dem Widerstand in Kobanê. Arîn Mîrkan wurde zu einem globalen Symbol dafür, dass Frauen den IS besiegen können. Als der Rückzug des IS als Konsequenz darauf erfolgte, wurden syrische Frauen davon stark inspiriert.“

Ob Tişrîn, die Küstenregionen oder Suweida: Widerstand der Frauen

Gulo wies weiter darauf hin, dass Frauen unabhängig von der Region leitende Aufgaben übernehmen und große Risiken eingingen: „Genau wie in Nord- und Ostsyrien, wo viele Frauen durch ihr selbstloses Handeln hervortraten, war dies auch in den Küstenregionen Syriens der Fall. Eine Mutter schrie in dem Moment, in dem ihr Kind vor ihren eigenen Augen getötet wurde, das Wort ‚Feşer‘ dem Mörder entgegen.“ Dies ist ein spezifischer regionaler Ausruf. Er drückt in diesem dramatischen Kontext aus, dass trotz des Verlusts ihres Kindes ihr Stolz und Widerstandsgeist nicht bricht.

„Diese Mutter wurde damit zu einem Symbol standhaften Mutes und wird als „Çinara Beravê“ bezeichnet [Platane der Küste, was Standhaftigkeit und tiefe Verwurzelung symbolisiert]. Sie ist ein Beispiel für den enormen Kampf der alawitischen und drusischen Frauen gegen die chauvinistische Mentalität, die heute versucht, ganz Syrien zu bestimmen.

Gemeinsamer Widerstandsgeist

Es gibt noch ein weiteres Beispiel, das ich erwähnen möchte. Als sich Frauen aus Raqqa am Widerstand um den Tişrîn-Staudamm gegen die Angriffe des türkischen Staates beteiligten, wurde Karam Shahabi, Koordinationsmitglied von Zenobiya, dem Dachverband arabischer Frauen, vor den Augen der Welt durch einen Drohnenangriff ermordet, während sie vor Ort eine Presseerklärung verlas. Sie wurde dadurch zu einem starken Symbol des Widerstands für alle Frauen, und besonders für arabische Frauen.

Der Tişrîn-Widerstand vereinte Hunderte von arabischen, kurdischen, christlichen und assyrischen Frauen im Geist eines gemeinsamen Widerstands gegen die Angriffe des türkischen Staates. Wie zuvor bei den Widerständen in Şêxmeqsûd und Eşrefiyê standen auch beim Tişrîn-Staudamm die Frauen an vorderster Front. Kinder, ältere Menschen und Frauen begaben sich gemeinsam zum Staudamm und zeigten damit, dass sie das syrische Territorium insgesamt verteidigen. In dieser Phase waren die Einheiten der YPJ eine wichtige Stütze des Widerstands.

Wenn Frauen kämpfen, werden sie Erfolg haben.

Im Kampf gegen den IS und die türkische Besatzung haben die YPJ den Widerstand der Frauen organisiert und wirksam werden lassen. Sie haben dafür gesorgt, dass Frauen die Notwendigkeit von Selbstverteidigung spüren. Warum? Weil die Bilanz der Massaker und Entführungen von Frauen deutlich gezeigt hat, wie schwerwiegend die Folgen von Schutzlosigkeit sind.“

Mit dieser Bemerkung verwies Stêrk Gulo auch auf das Schicksal der ezidischen Frauen angesichts der IS-Angriffe und bezeichnete dies als eines der schmerzlichsten Beispiele für Schutzlosigkeit. „Aus diesem Grund ist die Organisation von Frauen in einer Region wie dem Nahen Osten, in der tiefgreifende Kriege geführt werden, zu einer lebenswichtigen Notwendigkeit geworden. Nur so kann Gerechtigkeit geschaffen werden, können Frauen geschützt und ein Leben in Freiheit aufgebaut werden. Auf dieser Grundlage haben viele Frauenbewegungen in Nord- und Ostsyrien das von HTS aufgezwungene System abgelehnt und sich dagegen gestellt. Konkret gründeten sie ihre eigene Organisation, um die gegen Frauen gerichteten Gesetze zu verhindern. Die Rechte der Frauen müssen in jeder Hinsicht denen der Männer gleichwertig sein und einen eigenen Stellenwert haben.

Die HTS-Gesetze erkennen Rechte von Frauen nicht an

Die von HTS verkündeten Gesetze erkennen die Rechte der Frauen nicht an und ignorieren sogar das Sorgerecht der Mutter für ihre Kinder. Diese Haltung steht im Widerspruch zu allen internationalen Frauenrechtsabkommen. Wie kann mit einer Mentalität, die die Rechte der Frauen so sehr ablehnt und nicht akzeptiert, ein demokratisches Syrien aufgebaut werden? Um heute ein demokratisches Syrien aufzubauen, müssen alle demokratischen Kräfte, die diese Revolution verwirklichen können, an diesem Kampf beteiligt sein. Das ist äußerst wichtig“, betonte Gulo.

Widerstand ist Leben

Mit dem Hinweis, dass Frauen in den türkisch besetzten Gebieten Syriens Widerstand gegen dieselbe Mentalität leisteten, fuhr die Journalistin fort: „Wie wir immer wieder sehen, rebellieren Frauen in den meisten dieser Gebiete gegen dieses System und leisten Widerstand. Ob in Gefängnissen oder gegen die Folter, der sie täglich ausgesetzt sind, Frauen leisten Widerstand. Wir wollen, dass die ganze Welt Folgendes hört: Heute können Frauen nirgendwo überleben, wo es keine Frauenorganisationen gibt. Die stärksten Beispiele dafür sehen wir in Nord- und Ostsyrien.

Heute haben armenische, assyrische, syrische, kurdische und arabische Frauen ihre eigenen Organisationen, die in einem gemeinsamen Verbund agieren. Wenn man genau hinschaut, wird deutlich, dass auch in den Reihen der YPJ Frauen aus vielen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zusammenkommen. Daher kann man sagen, dass eines der Ziele von HTS darin besteht, diese Einheit zu zerstören. In den nach dem Abkommen vom 10. März verabschiedeten Kooperationen spielten Frauen eine entscheidende Rolle. Wir stellen uns aber die Frage: Wie wird HTS die Frauen, die den beteiligten Gruppen angehören, akzeptieren und respektieren?“

Kleine Schritte der Veränderungen durch Kraft der Frauen

Wie die Journalistin angab, setzte bei der Unterzeichnung des Abkommens vom 1. April zwischen der Übergangsregierung und den Volksräten der Selbstverwaltung in den kurdischen Stadtteilen Aleppos eine Frau die erste Unterschrift. Hierin erkenne sie einen Schritt gegen die vorherrschende Mentalität und ordnete weiter ein:

„Ein Schritt wurde getan. Auch in der Verhandlungsdelegation, die nach Damaskus reiste, nahmen Frauen eine führende Rolle ein. Damit Syrien inklusiv sein kann, muss es über eine pluralistische und demokratische Struktur verfügen. Das Beharren auf einer männlich dominierten Denkweise würde bedeuten, die Fehler des gestürzten Baath-Regimes zu wiederholen. Konfessionelle Spaltung und die Ausgrenzung von Frauen zersplittern die Gesellschaft. Wenn aber Frauen eine Vorreiterrolle übernehmen, wird die Gesellschaft ihren Taten folgen.

Die Existenz der Gemeinschaft

Tatsächlich führt die Existenz von Gemeinschaften heute zur Existenz von Systemen. Eine Gemeinschaft baut ihr eigenes System auf. Das haben wir in den letzten 13 Jahren in Nord- und Ostsyrien konkret gesehen. Hätte ein anderes Land so schwere und umfassende Angriffe wie Nord- und Ostsyrien erlebt, wäre es höchstwahrscheinlich zerstört worden.

Als das Baath-Regime stürzte, dachten alle, dass auch Nord- und Ostsyrien zusammenbrechen und Krieg ausbrechen würde. Aber das ist nicht geschehen. Natürlich gab es große Schwierigkeiten. Tausende von Frauen mussten fliehen; heute hat sich aber ein Großteil dieser Frauen wieder in Nord- und Ostsyrien niedergelassen.

Bewusstsein über Notwendigkeit von Selbstverteidigung

Während in Ländern wie Jemen, Somalia und Sudan Massaker an Frauen stattfinden, konnten Frauen in Nord- und Ostsyrien ein relativ sicheres Leben führen. Einer der Hauptgründe dafür ist das Bewusstsein über die Notwendigkeit von Selbstverteidigung und Verbündung bei den Frauen. Insbesondere in diesem Jahr hat sich das nochmal gezeigt.

Tatsächlich war es dieser Geist, der es den Frauen in Nord- und Ostsyrien ermöglicht hat, sich zu behaupten. Es war dieses Bewusstsein, das sie befähigte, sich in Kommunen zu organisieren. Frauen leben sozial. Sie verkörpern den Geist des Sozialismus, da sie sich gegen Zentralisierung stellen. So ist ihr Leben geprägt. Wenn sich ihnen eine Gelegenheit zur Organisation bietet, ergreifen sie diese.

Die YPJ bestehen auf Unabhängigkeit im syrischen Kontext

Aus diesem Grund war eine der Grundbedingungen der YPJ in den Vereinbarungen, die im Rahmen des Abkommens vom 10. März und danach mit der Verhandlungsdelegation in Damaskus getroffen wurden, dass sie als eigene Einheiten weiter bestehen würden. Auch Rohilat Efrîn von der YPJ-Generalkommandantur erklärte, dass die YPJ auch innerhalb des syrischen Kontextes weiterhin als unabhängige Brigade organisiert bleiben werde. Ein vergleichbares Beispiel gibt es weltweit derzeit nicht. Zwar gibt es Frauen in Armeen, aber sie werden den allgemeinen Einheiten zugeteilt. Er wird davon ausgegangen, dass sie selbstständig nicht dazu in der Lage wären. Die YPJ sind das erste Beispiel dieser Art.

Frauen organisieren sich auf allen Ebenen

Auch die Gründung von Kommunen, die den Kern der entstehenden demokratischen Gesellschaft bilden, ist ein wichtiger Schritt. Frauen haben in diesem Kontext zahlreiche eigene Bewegungen ins Leben gerufen, angefangen bei den Kommunen bis hin zum eigenen Frauenverband, der seine Verbundenheit mit den Frauen in den zahlreichen anderen Parteien und Institutionen in Syrien erklärt hat, wie beispielsweise der syrischen Frauenbewegung und der Frauenbewegung innerhalb der Zukunftspartei Syriens. Sie haben viele Allianzen gebildet, sowohl gegen das patriarchale System als auch um den politischen Willen aller Frauen zu vertreten.“

Forderung nach der Freiheit Abdullah Öcalans

Stêrk Gulo ging schließlich auf einen weiteren Aspekt der Frauenfrage ein: „Eines der prägendsten Ereignisse des Jahres war der Wunsch und die Forderung kurdischer Frauen nach einer nationalen Vereinigung. Zu diesem Zweck fand eine wichtige Konferenz statt. Es ging um die Existenz und die Einheit der Frauen, insbesondere der Frauen in Nord- und Ostsyrien, sowie um die Einheit der kurdischen Frauen und den Schutz ihrer Rechte. In diesem Sinne wurde viel geleistet. Bis heute trägt diese Arbeit dazu bei, die Freiheit der Frauen zu schützen.

Arabische, armenische, aramäische und chaldäische Frauen forderten mit den kurdischen Frauen auch die Freiheit von Abdullah Öcalan. Diese Tendenz ist heute auch unter den alawitischen und drusischen Frauen zu spüren. Eine Reihe dieser Frauen, die gezwungen waren, aus ihrer Heimat zu fliehen und die daher nach Nord- und Ostsyrien kamen, engagieren sich nun in den verschiedenen Organisationen vor Ort. Sie sind froh, diese breite Plattform gefunden zu haben, die es ihnen ermöglicht, sich Gehör zu verschaffen und in der sie für ihre Existenz eintreten können.

Erfolge des Jahres 2025 für Frauen in Syrien

Einer der wichtigsten Schritte im Kampf der Frauen im Jahr 2025 war die Weiterbildung. Angeführt von Kongra Star wurden fast 30 Prozent der Männer in Seminaren gebildet und diese Seminare wurden ausschließlich von Frauen geleitet. Außerdem wurden im Laufe des Jahres in Damaskus Anstrengungen unternommen, Gesetze in verschiedenen Bereichen zu erlassen und das Leben der Frauen auf diese Weise zu erleichtern. Diese Bestrebungen wurden von vielen Frauen positiv aufgenommen und sich dementsprechend anhand der Einigkeit darüber zusammengeschlossen, dass Frauen grundsätzlich frei sind und frei handeln können. Der Kampf darum dauert natürlich bis heute an.

Ein weiteres Thema, das vor allem von Frauen in Nord- und Ostsyrien vorangetrieben wird, ist, dass das Verfassungsrecht für Frauen im Einklang mit dem Gesellschaftsvertrag der DAANES umgesetzt und darauf aufbauend ein Frauenrecht geschaffen werden kann. Nicht nur in Nord- und Ostsyrien, sondern für ganz Syrien kann dies als Vorbild dienen. Auf dieser Grundlage kann ein neues Syrien aufgebaut werden. Die führenden Kräfte darin sind ohne Zweifel die Frauenbewegung, Organisationen wie Kongra Star, YPJ, die Zukunftspartei Syriens und die Frauenbewegung Syriens, die alle ein dezentralisiertes, demokratisches Syrien anstreben.

Zukünftige Perspektiven für Frauen in ganz Syrien

Damit Frauen sich innerhalb eines gesellschaftlichen Systems vertreten sehen können, braucht es solche Perspektiven nicht nur für Nord- und Ostsyrien, sondern für ganz Syrien. Aus diesem Grund werden die Treffen mit Damaskus fortgesetzt. In diesen Gesprächen sind Frauen stark vertreten. Eine Verfassung ermöglicht es Frauen, ihre Rechte zu schützen; eine ihrer grundlegenden Bedingungen ist, dass sie sich unabhängig organisieren können. Dafür wird ein hartnäckiger Kampf geführt. Daher liegt heute auch ein großes Potenzial und eine große Verantwortung bei allen Frauen, ihre Rechte in den Verhandlungen zu sichern.

Wir sind nun im Jahreswechsel. Das vergangene Jahr war auch geprägt von großen widerständigen Momenten von Journalistinnen. Zuallererst gedenken wir Cihan Bilgin und all unseren gefallenen Genossinnen. In diesem Kampf ist es auch unsere Verantwortung, 2026 zu einer Grundlage, einer Stimme und einem Ausdruck der Frauen zu machen, um zu zeigen, wie Frauen durch ihren Kampf zu einer Farbe in Nord- und Ostsyrien und in ganz Syrien geworden sind. Ich selbst hoffe, dass Frauen durch ihren Kampf eine Zukunft für Syrien, ein freies Land und eine freie Region vorbereiten können. Genau wie beim Widerstand am Tişrîn-Damm werden die Frauen auch 2026 im Sinne des revolutionären Volkskriegs Widerstand leisten, um eine demokratische Gesellschaft aufzubauen.“

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