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Fluchtwelle in Rojava: Über 300 Familien erreichen Dêrik

 


In Dêrik im nordöstlichen Zipfel von Rojava sind in den vergangenen 24 Stunden über 300 Familien gestrandet, die vor den Angriffen der sogenannten syrischen Armee aus Aleppo, Raqqa und Tabqa geflohen sind.

Größere Vertreibungswellen erwartet
 
#ANF / DÊRIK, 19. Jan. 2026.

Mehr als 300 Familien sind innerhalb von 24 Stunden in die nordostsyrische Stadt Dêrik geflüchtet. Die Menschen stammen aus den Regionen Raqqa, Tabqa sowie den mehrheitlich kurdisch bewohnten Stadtteilen Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo, die aktuell Ziel massiver Angriffe durch Truppen und Milizen der syrischen Übergangsregierung sind. Diese operieren unter direkter Unterstützung der Türkei.

Untergebracht sind die Vertriebenen in Schulen, Moscheen und im Camp Newroz. Die Autonomieverwaltung vor Ort bemüht sich, grundlegende Versorgung sicherzustellen – mit Lebensmitteln, Matratzen, Wasser und medizinischer Hilfe. Doch die Bedingungen sind extrem prekär. „Wir sind zum vierten Mal vertrieben worden. Jedes Mal ist es schlimmer. Es gibt keinen sicheren Ort für uns“, sagt Silêman Hisên Mihemed, ein aus Efrîn stammender Familienvater, der nun mit seiner Familie im Camp Newroz angekommen ist.

Mit der aktuellen Eskalation wiederholt sich ein bekanntes Muster: bewaffnete Vertreibung, gezielte Destabilisierung, humanitäre Krise. Die Angriffe in Şêxmeqsûd und Eşrefiyê – Stadtteile, die bis zu einer vor etwa zwei Wochen aufgenommenen „Militäroperation“ der sogenannten syrischen Armee selbstverwaltet wurden – sind Teil einer umfassenden Strategie zur Entvölkerung kurdischer Gebiete und zur Zerschlagung der Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien.

Silêman Hisên Mihemed

Trotz des Ernstes der Lage bleibt die internationale Reaktion bisher aus. „Das Schweigen der Welt ist beunruhigend“, sagt Mihemed. Lokale Hilfsorganisationen und kommunale Strukturen versuchen unter Hochdruck, Unterkünfte und Versorgung bereitzustellen – ein Wettlauf gegen die Zeit angesichts weiter steigender Ankunftszahlen. Nach Angaben aus der Region sind weitere Fluchtbewegungen zu erwarten, solange die Angriffe auf Rojava anhalten.

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