Direkt zum Hauptbereich

Aleppo: Gesundheitsrat warnt vor humanitärer Katastrophe in belagerten Stadtteilen

 


In den kurdisch geprägten Stadtteilen von Aleppo droht laut dem örtlichem Gesundheitsrat der Kollaps des Gesundheitssystems. Grund ist der andauernde Belagerungszustand durch die syrische Übergangsregierung.

Kliniken in Notbetrieb
 
ANF / ALEPPO, 4. Jan. 2026.

Der Gesundheitsrat der nördlich gelegenen Stadtteile Şêxmeqsûd, Eşrefiyê und Beni Zeyd in Aleppo hat eindringlich vor einem Zusammenbruch des lokalen Gesundheitssystems gewarnt. In einer öffentlichen Erklärung am Sonntag beklagten Vertreter:innen des Rates einen anhaltenden Belagerungszustand, der den Zugang zu lebenswichtigen Gütern wie Treibstoff, Medikamenten und Elektrizität vollständig unterbunden habe.

Die Erklärung wurde vor dem Xalid-Fecir-Krankenhaus in Şêxmeqsûd von der Lehrerin Zozan Dihar und der stellvertretenden Ko-Vorsitzenden Feryal Aref im Beisein zahlreicher Beschäftigter des Gesundheitssektors aus den betroffenen Vierteln verlesen.

Gesundheitsversorgung droht vollständig zu kollabieren

Bewaffnete Gruppen, die dem Verteidigungsministerium der syrischen Übergangsregierung zugeordnet werden, blockieren seit Wochen alle Zufahrtsstraßen und Übergänge zu den drei Stadtteilen. Die Versorgung mit Diesel, Benzin, Gas und Medikamenten sei im Zuge dessen vollständig zum Erliegen gekommen. Auch die Stromversorgung sei weitgehend ausgefallen.

Zozan Dihar

Die Auswirkungen auf das öffentliche Leben und die medizinische Infrastruktur seien verheerend. Besonders betroffen sei das Xalid-Fecir-Krankenhaus als einzige größere medizinische Einrichtung in der Region. Mangels Strom und Heizöl hätten dort mehrere zentrale Abteilungen den Betrieb einstellen müssen, darunter auch die Neugeborenen-Intensivstation. Die Lebensgefahr für schwerkranke Patient:innen, Frühgeborene und chronisch Kranke steige täglich, hieß es.

Kalte Temperaturen verschärfen die Lage

Die Situation wird durch die winterlichen Temperaturen zusätzlich verschärft. Der Gesundheitsrat warnt vor zunehmenden Atemwegserkrankungen, insbesondere bei Kindern und älteren Menschen. Viele Haushalte griffen aus Mangel an Heizmitteln auf gefährliche Notlösungen zurück, was das Risiko von Vergiftungen und Bränden erhöhe. Die Versorgung mit sauberem Wasser, Bildung und Hygiene sei stark eingeschränkt. Tausende Schulkinder könnten derzeit keine regulären Bildungseinrichtungen besuchen.

Vorwurf der Kollektivbestrafung

In seiner Erklärung machte der Gesundheitsrat die zuständigen Institutionen der Übergangsregierung sowie den Provinzrat von Aleppo direkt für die Verschärfung der Lage verantwortlich. Das Vorgehen komme einer kollektiven Bestrafung gegenüber der Zivilbevölkerung gleich und sei als Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht sowie die internationalen Menschenrechtsabkommen zu werten. Die Sprecher:innen forderten die sofortige Aufhebung des Belagerungszustands, uneingeschränkten Zugang für Hilfsgüter und die Einhaltung internationaler Normen. Die Blockade stelle nicht nur eine humanitäre Krise dar, sondern gefährde auch die Stabilität der Region.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Iran: Onkel von Jina Mahsa Amini zu Haftstrafe verurteilt

medico international: Gezielte Tötung

Female YPJ fighter in Syria allegedly murdered by relatives in ‘honor’ killing