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QSD-Generalkommandant Abdi: YPJ für uns die "rote Linie"


Der Generalkommandant der QSD, Mazlum Abdi, hat 2026 als Wendepunkt für das multiethnische Bündnis bezeichnet. In einem TV-Interview äußerte er sich zu Gesprächen mit Damaskus, der Integration der QSD und der Rückkehr von Vertriebenen.

Rückkehrpläne für Geflüchtete aus Efrîn, Girê Spî und Serêkaniyê
 
ANF / REDAKTION, 20. Dez. 2025.

Der Oberkommandierende der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD), Mazlum Abdi, sieht im Jahr 2026 einen strategischen Wendepunkt für sein Bündnis. In einem Interview mit dem Sender Aryen TV sprach Abdi über laufende Gespräche mit der syrischen Übergangsregierung, den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), die angestrebte Integration der QSD in die staatlichen Streitkräfte sowie über Pläne zur Rückführung vertriebener Menschen in die von der Türkei besetzten Gebiete.

Dialog mit Damaskus, IS-Bedrohung, Integration

Die QSD führen Abdi zufolge weiterhin einen „langsamen, aber anhaltenden“ Dialog mit der Regierung in Damaskus. Beteiligt seien sowohl syrische Vertreter auf verschiedenen Ebenen als auch die US-Armee und das US-Außenministerium. Ziel sei eine politische und militärische Neuordnung Syriens. Die Gespräche fänden auch im Rahmen des sogenannten 10.-März-Abkommens statt, das eine Deeskalation zwischen Regierung und QSD sowie Perspektiven für eine gemeinsame Struktur vorsieht. Die darin vereinbarte Waffenruhe sei ein wesentlicher Fortschritt, so Abdi.

Der Generalkommandant der QSD betonte jedoch, dass innerhalb des syrischen Machtapparats nach wie vor Akteure existierten, die eine politische Lösung ablehnten – insbesondere Gruppen, die in der Vergangenheit mit der Türkei zusammengearbeitet und etwa an der Besetzung von Efrîn (Afrin) oder Azaz mitgewirkt hätten. Diese Kräfte versuchten nun, den Dialogprozess zu untergraben.

Gemeinsamer Neuaufbau statt militärischer Unterordnung

Zur Frage der möglichen Integration der QSD in die syrischen Streitkräfte sagte Abdi: „Das darf keine einseitige Eingliederung, sondern muss ein gemeinsamer Aufbau sein.“ Die QSD seien eine gut strukturierte Formation und sollten innerhalb des Verteidigungsministeriums ein aktiver Bestandteil einer neu formierten nationalen Armee sein. Besonders hob Abdi die Rolle der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) hervor. Diese seien im Kampf gegen den IS und bei gesellschaftlichen Umbrüchen von zentraler Bedeutung gewesen. Eine Integration der YPJ in die nationale Armee müsse als eigenständige Formation erfolgen. „Das ist unsere rote Linie“, so Abdi.

Gemeinsame Operationen gegen den IS vorgeschlagen

Mit Blick auf die Sicherheitslage in Syrien warnte Abdi vor einer wachsenden Bedrohung durch den sogenannten IS, insbesondere westlich des Euphrats. Die QSD haben deshalb die Bildung einer gemeinsamen Einsatztruppe vorgeschlagen – unter Beteiligung der syrischen Regierung, der internationalen Anti-IS-Koalition und der QSD.

Auch der Angriff auf US-Soldaten nahe Palmyra sei ein Beleg dafür, dass der IS weiterhin operativ sei. Im berüchtigten Flüchtlingslager al-Hol sei rund die Hälfte der IS-Angehörigen inzwischen juristisch erfasst worden. Für die übrigen Fälle laufe die Koordination mit der syrischen Regierung und dem Irak. Die Rückführung ausländischer IS-Söldner und ihrer Angehörigen bleibe hingegen eine Herausforderung, die vom Verhalten der Herkunftsländer abhänge.

Rückkehrpläne für Geflüchtete aus Efrîn, Girê Spî und Serêkaniyê

Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews war die Lage der Vertriebenen aus ehemals selbstverwalteten Regionen wie Efrîn, Girê Spî (Tall Abyad) und Serêkaniyê (Ras al-Ain), die heute unter türkisch-dschihadistischer Besetzung stehen. Abdi kündigte an, es gebe einen Plan zur schrittweisen und geordneten Rückführung dieser Bevölkerung, der Damaskus, der Türkei und internationalen Akteuren abgestimmt werden müsste.

Ausblick auf 2026

Zum Abschluss des Gesprächs sagte Abdi, dass 2026 für die QSD ein „neuer Anfang“ sein werde. „Wir haben konkrete Pläne und die Entschlossenheit, sie umzusetzen. Das kommende Jahr wird wichtige Erfolge bringen“, so der Oberkommandant des Bündnisses.

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