Hemdî: Selbstbestimmte Rückkehr nach Efrîn und eigene Verteidigung
Siltana Hemdî vom Justizrat von Efrîn erklärt gegenüber ANF: „Wir vertrauen nicht auf eine andere Armee, sondern auf unsere eigenen Kinder.“ Eine sichere Rückkehr nach Efrîn sei nur möglich, wenn die lokale Bevölkerung ihre eigene Verteidigung aufbaue.
Siltana Hemdî, Mitglied des Justizrats von Efrîn (Afrin), hat mit ANF über die aktuelle Situation und Rückkehrperspektiven in die türkisch besetzte Region gesprochen. Sie hat hierbei vor allem die momentan seitens der Türkei verstärkt betriebenen Verbrechen insbesondere gegen das Wohneigentum und das Land der Zivilbevölkerung, welche gegen internationales Recht verstoßen, sowie Gewaltverbrechen als elementare Aspekte benannt.
Der türkische Staat hat Efrîn 2018 durch seine Stellvertretermilizen besetzt und Hunderttausende Zivilist:innen zur Flucht gezwungen, leitete Hemdî ein. Seit diesem Tage hielten die Menschen in der Region an der Hoffnung fest, „eines Tages nach Efrîn zurückzukehren“. Hierfür gebe es aktuell jedoch keine reale Möglichkeit: „Morde, Entführungen, Plünderungen und die Beschlagnahmung von Häusern und Eigentum der Bevölkerung von Efrîn haben ohne Unterbrechung angehalten und dauern bis heute an. Nach dem ersten Angriff auf die Region Efrîn sind die Menschen nach Şehba und in weitere Gebiete der Autonomen Verwaltung gezogen.“
Plünderung auf allen Ebenen
Hemdî fuhr fort: „Wir wollen jetzt eine sichere Rückkehr. Viele Familien sind nach Efrîn zurückgekehrt, aber sie leben in Angst. In Efrîn wird das Eigentum der Menschen beschlagnahmt, und die Opfer können keine Gerechtigkeit einfordern. Die Besatzer und ihre Milizen begehen nicht nur Verbrechen gegen Menschen, sie fällen und verbrennen auch die Bäume und die natürliche Umwelt von Efrîn und erzwingen einen demografischen Wandel.
All dies geschieht vor den Augen der Welt, doch niemand reagiert. Diese Angriffe auf die Natur sind auch ein ökologisches Massaker. Die sogenannten menschenrechtsverteidigenden Staaten zeigen aufgrund ihrer eigenen Interessen keine Reaktion. Jede:r muss jetzt Stellung gegen den besetzenden türkischen Staat beziehen.“
Versuch, die Geschichte Efrîns auszulöschen
Tausende von Familien lebten unter kalten und eisigen Wetterbedingungen in Zelten und Notunterkünften erklärte das Justizratsmitglied. Sie stellt klar: „Die Efrîn-Frage muss jetzt gelöst werden“ und fordert sichere Rückkehrmöglichkeiten. „Im Moment ist eine Rückkehr nicht möglich, denn solange die Milizen dort sind, können die Menschen nicht in ihre Heimat und ihre Häuser zurückkehren. Die Menschen sind immer noch mit der Realität konfrontiert, getötet und gefoltert zu werden.“
„Derzeit werden Olivenbäume gestohlen, Fabriken, die den Menschen in Efrîn gehören, geplündert und die Häuser der Menschen untereinander verkauft. Dieses Land gehört uns, nicht ihnen. Sie haben auch die Geschichte Efrîns zerstört und historische Stätten demoliert“, beschrieb Hemdî das Ausmaß der Plünderungen.
Selbstbestimmt und mit eigener Verteidigung
Für Siltana Hemdî steht eines fest, vermeintlichen Schutz von außen braucht es nicht: „Wir wollen eine Rückkehr, bei der wir unseren eigenen Weg gehen. Wir wollen mit unseren Kindern zurückkehren und von ihnen beschützt werden; es besteht keine Notwendigkeit für eine ausländische Armee, um Efrîn zu schützen. Wir wollen unser Land und unsere Stadt gemeinsam mit unseren Kindern schützen. Wir glauben, dass eine sichere Rückkehr bald stattfinden wird.“
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