YPJ in Syrien: Frauen müssen überall Verteidigungsstrukturen aufbauen
Angesichts eskalierender Gewalt gegen Frauen in Südsyrien fordert YPJ-Kommandantin Viyan Adar den Aufbau von Frauenselbstverteidigungskräften. Ohne eigene Strukturen seien Frauen weltweit täglicher Unterdrückung und Gefahr ausgesetzt, warnt sie.
Angesichts zunehmender Gewalt gegen Frauen in Südsyrien und insbesondere in der drusischen Provinz Suweida hat die Kommandantin der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ), Viyan Adar, den Aufbau eigenständiger Frauenselbstverteidigungskräfte gefordert. Die Übergriffe hätten ein „brutales Ausmaß“ erreicht, erklärte Adar gegenüber ANF und betonte die Notwendigkeit, dass Frauen sich überall organisieren und schützen müssten.
„Wenn Frauen keine eigenen Verteidigungs- und Organisationsstrukturen aufbauen, geraten sie tagtäglich in noch größere Gefahr“, sagte Adar. Ein Leben unter permanenter Bedrohung lehne man entschieden ab. Die YPJ stehe solidarisch an der Seite aller unterdrückten Frauen, besonders in Suweida und dem Süden Syriens.
Adar kritisierte zudem die politische Entwicklung nach dem Zerfall des
Baath-Regimes. Die seitdem eingesetzten Machtstrukturen hätten
insbesondere für Frauen keine Sicherheit geschaffen: „Das syrische Volk
war nicht überrascht – eine Denkweise, die sich auf Al-Qaida und andere
dschihadistische Milizen stützt, hat nie Vertrauen geschaffen, schon gar
nicht bei Frauen.“
Frauen müssen eigene Schutzstrukturen aufbauen
Die Kommandantin warnte davor, die Angriffe auf Frauen als Einzelfälle zu betrachten. Sie seien Ausdruck eines strukturellen Problems und richteten sich letztlich gegen die gesamte Gesellschaft. „Alle Frauen in Syrien sollten in ihren Städten eigene Verteidigungseinheiten gründen. Es geht nicht um Zahlen, sondern um das Prinzip: Selbstverteidigung ist ein Recht“, so Adar weiter.
Als Beispiel nannte sie die Drusin Fawziya Fakhir al-Din aus Suweida, die bei den Massakern im Juli bei der Verteidigung ihres Dorfes ums Leben kam. Solche Taten zeigten, dass Frauen bereit seien, für ihre Würde und Sicherheit einzutreten. Auch in Nord- und Ostsyrien gebe es viele ähnliche Beispiele.
Widerstand als globale Aufgabe
Viyan Adar rief Frauen weltweit auf, sich gegen patriarchale Unterdrückung zu organisieren. Repressionen gegen Frauen gebe es überall – nur die Methoden unterschieden sich. Deshalb sei ein kontinuierlicher Freiheitskampf notwendig.
Auch Männer seien in der Pflicht, sich an der Frauenbefreiungsbewegung zu beteiligen: „Es geht um die Zukunft. Der Schutz beginnt im eigenen Haus, im Dorf, auf der Straße.“
Abschließend sagte die YPJ-Kommandantin: „Wir glauben, dass die Frauen in Suweida und anderswo ihren Widerstand zeigen werden. Ohne Selbstverteidigung ist kein Leben möglich. Jede Frau sollte bereit sein, sich zu verteidigen – notfalls auch bewaffnet. Wir werden sie dabei nicht alleinlassen.“
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