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YBŞ: Wir werden Şengal weiterhin verteidigen

 


Zum 11. Jahrestag des Genozids an den Ezid:innen bekräftigen die YBŞ ihre Rolle als legitime Selbstverteidigungskraft. Eine Entwaffnung sei ohne rechtliche und politische Garantien nicht denkbar – Şengal werde weiter verteidigt.

Ezidische Widerstandseinheiten
 
ANF / ŞENGAL, 2. Aug. 2025.

Zum elften Jahrestag des Völkermords vom 3. August 2014 haben die Widerstandseinheiten Şengals (YBŞ) ihre Rolle als legitime Selbstverteidigungskraft der ezidischen Gemeinschaft bekräftigt. In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung erinnert der Verband nicht nur an die Gewaltverbrechen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), sondern warnt auch vor Versuchen, die YBŞ ohne Garantien für die Sicherheit, Rechte und Selbstbestimmung der Ezid:innen zu entwaffnen.

„Die Angriffe vom 3. August waren nicht nur ein Massaker, sondern ein Genozid – durch die Vernichtung unserer Kultur, die Verschleppung unserer Frauen und Kinder, die Ermordung unserer Ältesten und den Versuch, unsere kollektive Willenskraft zu brechen“, heißt es in der Erklärung. Die internationale Gemeinschaft habe damals geschwiegen, während Nachbarstaaten sich durch ihr Wegsehen oder ihre Kooperation mit den Dschihadisten mitschuldig gemacht hätten.

„Doch aus dieser Zerstörung heraus ist neues Leben entstanden“, so die YBŞ weiter. Die Widerstandseinheiten seien nicht als temporäre Formation entstanden, sondern als dauerhafte, legitime Verteidigungsstruktur – „gegründet auf dem Blut der Gefallenen und den Tränen der Mütter“.

„Ohne Gerechtigkeit keine Entwaffnung“

Mit Blick auf die aktuellen politischen Forderungen aus Bagdad, Hewlêr (Erbil) und anderen Ländern nach einer Entwaffnung erklären die YBŞ: „Diese Stimmen sprechen von Frieden, doch sie schaffen neue Gefahren. Ohne juristische Aufarbeitung, ohne gesicherte politische und kulturelle Rechte kann es keine Aufgabe der Waffen geben. Unsere Waffen sind das Vermächtnis der Gefallenen und Ausdruck unseres Existenzrechts.“

Die YBŞ betonen, man berufe sich bei der eigenen Existenz auf das Prinzip der Selbstverteidigung. Das Mandat beziehe man aus den Erfahrungen des 3. August 2014 und der fehlenden Bereitschaft externer Kräfte, damals Verantwortung für den Schutz der Ezid:innen zu übernehmen.

Dank an Unterstützer:innen und Abdullah Öcalan

In der Erklärung verweisen die YBŞ auf die Rolle der kurdischen Guerilla, die auf Aufruf Abdullah Öcalans zum Schutz der ezidischen Gemeinschaft nach Şengal gegangen war und noch während des IS-Überfalls auf die Region zusammen mit Kämpfer:innen der YPG und YPJ einen Fluchtkorridor nach Rojava freikämpften – und so zehntausenden Ezid:innen das Leben retteten. „Ohne ihre entschlossene Unterstützung wären die Verluste ungleich größer gewesen“, heißt es. Namentlich erinnert wird an Zekî Şengalî (Ismail Özden), Egîd Civyan, Dijwar Şengal, Dilşêr Herekol und viele andere, die von den YBŞ als Symbole von Würde und Freiheit gewürdigt werden. Auch der Bezug auf den kurdischen Vordenker Öcalan ist zentral: Seine Gedanken seien eine ethische und politische Richtschnur, die in Şengal konkrete Form angenommen habe.

„Unsere Entschlossenheit ist stärker als jede Bedrohung“

Abschließend bekräftigen die YBŞ ihren Anspruch, Şengal aus eigener Kraft verteidigen und gestalten zu wollen: „Trotz aller Versuche, das Selbstverteidigungsprojekt von Şengal zu untergraben, vertrauen wir auf unsere eigene Stärke. Unsere Organisation ist widerstandsfähiger als jede Intrige, unsere Entschlossenheit größer als jede Bedrohung.“ Die Erklärung endet mit einem Versprechen: „Wir versprechen unserem Volk, unseren Gefallenen und den Müttern, die auf die Rückkehr ihrer Kinder warten, dass wir an unserem Weg festhalten. Wir werden Şengal mit unserem Leben verteidigen – für eine freie, gerechte Zukunft im Namen unserer Würde und unseres Willens.“

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