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Hesekê: Solidaritätskonferenz für Frauen in Suweida

 


In Hesekê kamen Vertreterinnen von Frauenorganisationen aus Nord- und Ostsyrien zusammen, um ihre Solidarität mit den von Gewalt betroffenen Frauen in Suweida zu bekunden – und fordern internationale Maßnahmen gegen die Übergriffe.

Frauen aus Nordostsyrien stärken Suweidas Frauen den Rücken
 
ANF / HESEKÊ, 5. August.

Unter dem Motto „Gemeinsam gegen das Massaker – Solidarität mit den Frauen von Suweida“ haben Frauenbewegungen und zivilgesellschaftliche Organisationen aus Nord- und Ostsyrien eine Arbeitstagung in Hesekê veranstaltet. Ziel der Konferenz war es, auf die eskalierende Gewalt gegen Frauen in der südsyrischen Provinz Suweida aufmerksam zu machen und konkrete Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln.

Rund 65 Teilnehmerinnen nahmen an dem Treffen teil, darunter Vertreterinnen von Kongra Star, der Union der Suryoye-Frauen, dem Netzwerk der Kommandantinnen für Frieden, dem Şawîska-Kollektiv, verschiedenen politischen Parteien, Frauenräten sowie zivilgesellschaftlichen Einrichtungen aus der gesamten Region.

Die Tagung war Teil einer Aktionsreihe, die am 30. Juli von der „Plattform für gemeinsames Handeln“ der Frauenbewegungen ins Leben gerufen wurde. Auch unabhängige Aktivistinnen sowie Delegierte des Demokratischen Syrienrats (MSD), des arabischen Frauendachverbands Zenobiya und der Frauenkoordination Nord- und Ostsyriens beteiligten sich.


Gewalt, politische Ausgrenzung und Widerstand

In der ersten Sitzung des Treffens analysierten die Teilnehmerinnen die allgemeine Lage von Frauen in Syrien. Canda Mihemed, stellvertretende Ko-Vorsitzende des MSD, bezeichnete die Situation als „zutiefst alarmierend“. Frauen seien überproportional von den Folgen der politischen Krise betroffen – durch Gewalt, Marginalisierung und den Ausschluss von Entscheidungsprozessen.

„Trotz aller Versprechen wurde das alte System nicht abgelöst, sondern reproduziert. Die Übergangsregierung hat versagt – vor allem in ihrer Verantwortung, die Zivilbevölkerung zu schützen. Besonders die Angriffe auf Suweida sind Ausdruck einer gezielten Vernachlässigung“, erklärte Mihemed.

Die zweite Sitzung widmete sich konkret den Geschehnissen in Suweida. Nur al-Hanafi, Koordinatorin von Zenobiya, berichtete von systematischen Übergriffen gegen Frauen in der Region. Seit Beginn der Gewalt Mitte Juli sei es zu zahlreichen Entführungen, gezielten Tötungen und Vertreibungen gekommen.

„Frauen wurden bewusst zur Zielscheibe gemacht – nicht nur als Opfer, sondern als Instrument zur Einschüchterung ganzer Gemeinschaften“, so al-Hanafi.

Ein vorgelesener Audiogruß von Frauen aus Suweida wurde mit großer Anteilnahme aufgenommen. Die Botschaft würdigte die Solidarität aus Nordostsyrien und rief zur Stärkung gemeinsamer Widerstandsstrategien auf.

Gemeinsame Erklärung: Zwölf Forderungen

Am Ende des Treffens verabschiedeten die Teilnehmerinnen eine gemeinsame Erklärung mit einem zwölf Punkte umfassenden Forderungskatalog. Darin rufen sie unter anderem:

▪ zur internationalen Verurteilung der Massaker in Suweida auf,

▪ zur sofortigen Beendigung der Gewalt gegen Zivilist:innen auf,

▪ zur Aufhebung der Blockade und Öffnung humanitärer Korridore,

▪ zur Entsendung unabhängiger Untersuchungskommissionen,

▪ zur strafrechtlichen Verfolgung der Täter:innen,

▪ zur Einrichtung eines überregionalen Unterstützungsnetzwerks zwischen Frauen aus Suweida und Nordostsyrien,

▪ zur Durchführung gemeinsamer Presse- und Informationskampagnen,

▪ sowie zur aktiven Rolle von Frauen in humanitären, rechtlichen und organisatorischen Prozessen.

Zugleich betonten die Organisatorinnen die Notwendigkeit, Frauen in Suweida zur Selbstorganisierung und zum Schutz vor weiterer Gewalt zu ermutigen. Die kulturelle, sprachliche und soziale Diversität des Landes dürfe nicht durch Gewalt und Vertreibung zerstört werden, hieß es in der Erklärung.

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