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DEM-Partei mobilisiert für große Friedenskundgebung in Istanbul


Mit mobilen Friedensfahrzeugen, Kulturaktionen und Straßenforen bereitet sich die DEM Partei in Istanbul auf eine Großdemonstration zum 1. September vor. Ziel ist es, den gesellschaftlichen Friedensprozess sichtbarer und breiter abzustützen.

Friedensprozess auf die Straße tragen
 
ANF / ISTANBUL, 20. Aug. 2025.

Die Partei der Völker für Gleichheit und Demokratie (DEM) bereitet sich auf eine großangelegte Kundgebung zum Weltfriedenstag am 1. September in Istanbul vor. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Mobilisierung zur Demonstration selbst, sondern auch ein breites Begleitprogramm mit Kunstaktionen, mobilen Lautsprecherfahrzeugen, Straßenforen und dezentralen Treffen.

Wie der Ko-Vorsitzende des Istanbuler DEM-Verbands, Çınar Altan, gegenüber ANF erklärte, bildet die Kundgebung den Auftakt einer neuen Etappe im politischen Engagement der Partei. Zuvor hatte die DEM landesweit über 2.000 lokale Versammlungen durchgeführt, um ihre Perspektive auf den neuen Dialogprozess mit der Regierung darzulegen – im Lichte des Friedensaufrufs von Abdullah Öcalan.

Warten, beobachten – und dann handeln

Altan betonte, dass die zurückhaltende öffentliche Sichtbarkeit der Partei in den vergangenen Monaten keine strategische Zurückhaltung gewesen sei, sondern Ausdruck einer abwartenden Haltung innerhalb der kurdischen Bevölkerung. „Unsere Basis hat in der Vergangenheit einen hohen Preis gezahlt – das wirkt bis heute nach. Deshalb ist der Impuls, zunächst einmal zu beobachten, vollkommen nachvollziehbar“, so Altan.

Ziel sei jedoch nicht nur Sichtbarkeit, sondern politische Wirksamkeit: „Es geht nicht darum, ein eindrucksvolles Massenbild zu produzieren. Uns geht es um bewusste Beteiligung, um einen Ausdruck klar formulierter Forderungen.“

Çınar Altan

Von der Nachbarschaft zum zentralen Platz

Die Vorbereitungen für die Kundgebung sind in vollem Gange. In allen Istanbuler Bezirken sollen sogenannte „Friedensmobile“ unterwegs sein – Lautsprecherwagen, die gezielt in Parks, Nachbarschaften und auf öffentlichen Plätzen Halt machen. Geplant sind dort kleinere Diskussionsrunden, Straßenforen und kulturelle Veranstaltungen, mit denen die Inhalte des Friedensprozesses diskutiert und vermittelt werden sollen.

„Dieses Mal gehen wir zu den Menschen, nicht umgekehrt“, sagt Altan. „Wir wollen, dass auch Menschen außerhalb unseres unmittelbaren Unterstützerkreises erreicht werden – etwa türkische Arbeiter:innen oder Angehörige der alevitischen Community.“

An mindestens sechs Standorten in der Stadt sollen zudem größere Kulturveranstaltungen stattfinden. „All diese Aktionen sind auf den 1. September hin ausgerichtet, aber sie sind auch eigenständige Orte politischer Artikulation“, so Altan.

Frieden als gesamtgesellschaftliches Anliegen

Altan betonte, dass es nicht genüge, nur die eigene Basis zu mobilisieren: „Wenn ein:e türkische:r Arbeiter:in am 1. September zu unserer Kundgebung kommt und formulieren kann, was Frieden für sie/ihn bedeutet, ist das ein echter Fortschritt. Wenn ein:e Alevit:in öffentlich für Gleichberechtigung und Glaubensfreiheit eintritt, dann erweitert das die gesellschaftliche Bedeutung des Friedens.“

Gesellschaftlicher Druck auf politische Strukturen

Die Kundgebung sei auch im Hinblick auf die aktuelle politische Entwicklung relevant, insbesondere die im Parlament eingerichtete Kommission zur Lösung der kurdischen Frage. „Diese Kommission kann nur dann glaubwürdig arbeiten, wenn die Forderung nach Frieden aus der Gesellschaft kommt – breit, laut und organisiert“, sagte Altan. Die Großdemonstration sei daher auch als politische Botschaft an den Staat und die Institutionen zu verstehen.

Gleichzeitig kündigte Altan an, dass der 1. September nur der Anfang sein solle: „Was dort sichtbar wird, muss weitergetragen werden – in andere Städte, andere Milieus, andere Kämpfe. Es geht darum, Frieden als gesellschaftliches Projekt zu verankern.“

 

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