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Rojava: Tröpfchenbewässerung gegen Desertifikation

 


Die Landwirtschaft ist aufgrund ihres massiven Wasserverbrauchs eine der Hauptursachen für Desertifikation. In Nord- und Ostsyrien versucht man, dem Wüstenbildungsprozess durch Tröpfchenbewässerung Einhalt zu gebieten.


Nord- und Ostsyrien ist für die Fruchtbarkeit seiner Böden und die Reichhaltigkeit seiner Wasservorkommen bekannt. Aber aufgrund des menschengemachten Klimawandels, der anhaltenden Dürre, dem Krieg, der Benutzung von Wasser als Waffe durch den türkischen Staat und die Absenkung des Grundwasserspiegels durch exzessive Benutzung von Tiefbrunnen sind Landwirtschaft und Natur bedroht und es setzt ein Prozess der Desertifikation ein. Große landwirtschaftliche Flächen sind wegen des hohen Wasserbedarfs klassischer Bewässerungsmethoden nicht mehr zu bewirtschaften.

Solarenergie ist aufgrund des Embargos große Herausforderung

Um diesem Prozess entgegenzuhalten, steigen immer mehr Bäuer:innen und Landwirtschaftskooperativen auf moderne Methoden der Bewässerung um. Mohammed Said Ismail ist einer von ihnen. Er hat in einem Schritt die Pumpen, um seine Felder zu bewässern, von Diesel auf Solarenergie umgestellt. Diese Leistung darf nicht unterschätzt werden, da jede Solarzelle über die durch diverse Embargos geschlossenen Grenzen gebracht werden muss. Said Ismail bewirtschaftet seit 20 Jahren etwa sechs Hektar Land bei Amûdê. Da die Landwirtschaft weiterhin auf Tiefbrunnen angewiesen ist, wird versucht, die Menge des entnommenen Wassers auf das Nötigste zu reduzieren. Said Ismail greift dabei, wie viele andere auch, auf Tröpfchenbewässerung zurück.

Ismail unterstrich gegenüber der Nachrichtenagentur ANHA, dass das Tröpfchenbewässerungssystem im Hinblick auf den Schutz des Grundwassers, die Vermeidung von Kraftstoffverschwendung und den Schutz der Umwelt besser geeignet ist als die alten Methoden: „Die Verantwortlichen in der Region können neue strategische Pläne für die Landwirtschaft umsetzen. Sie können den Agrarsektor auch unterstützen, indem sie den Landwirtinnen und -wirten Geld für die Einführung neuer Bewässerungsmethoden leihen.“

Ahmed Ramadan al-Khalaf ist seit 25 Jahren Kleinbauer. Er verfügt über etwa 1500 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche, die er seit 25 Jahren bewirtschaftet. Auch er benutzt seit fünf Jahren Sonnenenergie für die Bewässerung.

Al-Khalaf betonte, er sei glücklich, dass er mit der Sonnenenergie keinen Treibstoff mehr verbrauche und keine Probleme mehr mit den Generatoren habe. Er konnte allerdings noch nicht auf Tröpfchenbewässerung umstellen. Ihm ist aber bewusst, dass die klassischen Bewässerungsmethoden viel zu viel Wasser verbrauchen.

Das alte Bewässerungssystem hat nur 50 Prozent Wirkungsgrad“

Der Landwirtschaftsingenieur und Umweltaktivist Mohammed Said erklärte: „Für die Bewässerung gibt es zwei Methoden: die seit der Erfindung der Landwirtschaft angewandte Methode und das neue moderne Bewässerungssystem. Bei den alten Methoden werden die Felder mit Wasser gefüllt, aber der Wirkungsgrad dieser Methode ist gering und beträgt nicht mehr als 50 Prozent. Bei dieser Methode wird eine große Menge Wasser verbraucht. Selbst die Wurzeln der Pflanzen können so viel Wasser nicht verwerten. Daher fließt das Wasser entweder ab oder verschwindet.“

Landwirtschaftsingenieur warnt vor Desertifikation

Said wies darauf hin, dass der Wasserfluss die Oberflächenschicht des Bodens auswasche und den Boden mit der Zeit schwäche: „Die Anwendung dieser Methode und die Vernachlässigung des Mineralstoffbedarfs des Bodens, die Düngung und die falschen Fruchtfolgen führen zu einem Rückgang der Wasserressourcen. In diesen Regionen wird es in absehbarer Zeit zur Wüstenbildung kommen.“

Weiter so“ gefährdet Ernährungssicherheit

Said warnte, dass ein „weiter so“ die Ernährungssicherheit gefährde, und erklärte, dass diese von der Wassersicherheit abhänge, dass Wasser das Lebenselixier der Landwirtschaft sei und dass die Verringerung der ober- und unterirdischen Wasserressourcen negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft und damit die Ernährungssicherheit nach sich zöge. Durch moderne Bewässerungsmethoden ließe sich der Wasserbedarf um etwa 40 Prozent senken und die Ernte steigern: „Diese Methode reduziert den übermäßigen Wasserverbrauch und verringert auch die Risiken der Wüstenbildung. Mit dieser Methode können die Wasservorkommen wieder wachsen, die Fruchtbarkeit der Böden und die Produktivität der Landwirtschaft kann verbessert werden. Gleichzeitig wird die Bodenfeuchtigkeit erhöht, und so Bodenerosion und Desertifikation verhindert."

Kampagne für Energie für Rojava: Spendet für Solardarity Rojava

Im Moment läuft eine internationale Spendenkampagne für umweltfreundliche Energiegewinnung in Rojava. Denn die Energieversorgung steht aufgrund der türkischen Angriffe generell vor dem Kollaps. Strom muss häufig dezentral mit lärm- und giftstoffausstoßenden Dieselgeneratoren produziert werden. Dies beeinträchtigt auch die von Pumpen abhängige Landwirtschaft massiv. Mit der Kampagne sollen eine Million Euro für eine dezentrale Solarenergieversorgung in Rojava gesammelt werden. So sollen kommunale Einrichtungen, Krankenhäuser, Schulen oder Frauenhäuser mit Strom versorgt werden. Die Spendenkampagne ist unter https://www.solardarity-rojava.org/ zu finden.

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