Erdbeben-Nothilfe: Das haben wir erreicht!

Unsere Partner*innen haben im vergangenen Jahr gezeigt: Auch kleine Initiativen können einen großen Unterschied machen! Mit ihrem herausragenden Einsatz haben sie der Zerstörung und anhaltenden Not getrotzt und den großen Playern gezeigt, wie es geht.

Unsere Partnerin Huda Khaity leitet eigentlich das Frauenzentrum in Idlib Stadt. Seit den Erdbeben ist sie federführend in der Nothilfekoordination in der Region.

Die schweren Erdbeben vor einem Jahr haben in Syrien ausgerechnet die Region am stärksten getroffen, die bereits davor weit über ihre Belastungsgrenze war. Die Auswirkungen waren verheerend und sind bis heute spürbar. Linderung gibt es kaum, die Menschen in Nordwestsyrien sind weitestgehend auf sich allein gestellt.

Ein zarter Hoffnungsschimmer sind unsere Partner*innen vor Ort. Sie haben im vergangenen Jahr Außergewöhnliches geleistet und mit ihrer Nothilfe das geschafft, was die Internationale Gemeinschaft nicht (ausreichend) vermochte:

Verteilung von Grundbedarfsgütern

Unsere Partner*innen haben Zehntausende Menschen mit Lebensmitteln, Zelten, Matratzen, Decken und Heizmaterialien versorgt. Besonders im Winter sind Decken und Brennmaterial elementar, um die eisigen Monate in den undichten Zelten zu überstehen.

Unsere Partner*innen koordinieren die Verteilung von Nothilfe in unterschiedlichen Regionen im Nordwesten Syriens.

Koordination und Instandsetzung

In den ersten Tagen nach den Erdbeben waren unsere Partner*innen unermüdlich im Einsatz. Sie unterstützten bei der Bergung von Überlebenden, organisierten Zelte und halfen beim Aufbau von Notcamps. Aufgrund ihrer Jahrelangen zivilgesellschaftliche Arbeit und tiefen Vernetzung in der Region, waren sie in der Lage eine tragende Rolle in der Koordination der Erstversorgungen zu übernehmen.

Unsere Partner von Hooz-Zentrum errichten beispielsweise ein Notcamp im besonders stark betroffenen Jenderis und bauten Sanitäranlagen für die Bewohner*innen auf.

Medizinische Versorgung

Die hygienischen Zustände in den Camps sind extrem schlecht, es gibt in der Regel keinen ausreichenden Zugang zu Wasser und geeigneten sanitären Einrichtungen – ein idealer Nährboden für die Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera. Um Infektionen vorzubeugen haben unsere Partnerinnen Hygienekits in 22 Camps verteilt und über Ansteckungswege aufgeklärt. Unsere Partner*innen beteiligten sich auch an der Notversorgung von Verwundeten, organisierten Krankentransporte und beschafften dringend benötigte Medikamente.

Eine Mitarbeiterin vom Women Support and Empowerment Center klärt über Cholera auf.

Am Tag der Erdbeben schloss die Türkei die Grenzübergänge nach Syrien für alle Personen. Ein Todesurteil für viele Krebspatient*innen und chronisch Erkrankte, die für ihre medizinische Behandlung regelmäßig in die Türkei kamen. Im Nordwesten Syriens haben sie keine Chance auf eine Behandlung, weil es an Chemo- und Strahlentherapie fehlt und generell viele Medikamente hier nicht zu bekommen oder zu teuer sind. Unsere Partner*innen organisierten deshalb für insgesamt 40 Krebspatient*innen die notwendige medizinische Versorgung in Idlib.

Psychosoziale Unterstützung für Frauen und Kindern

Das Leben im Krieg, dauerhaften Ausnahmezustand und in überfüllten Lagern wirkt sich auf die psychische Gesundheit aus. Die Zahl stressbedingter psychischer Erkrankungen ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach den Erdbeben um 2.000 gestiegen. Die Gefahr langanhaltende posttraumatische Belastungsstörungen zu entwickeln, ist bei Kindern und Frauen am höchsten, insbesondere bei jenen, die wochen- oder monatelang in Lagern leben müssen ohne eine Verbesserung ihrer Lebenssituation.

Deshalb haben alle unsere Partner*innen psychosozialen Unterstützungsangebote geschaffen, insbesondere in den Notcamps. In Gruppensitzungen werden Frauen, Kinder und Ältere getrennt therapeutisch begleitet. In speziellen Workshops erhielten Frauen grundlegendes Wissen zum Umgang mit traumatischen Erfahrungen sowohl bei Erwachsenen als auch bei ihren Kindern. Darüber hinaus wurden spielerische Methoden entwickelt, um den Kindern einfache Strategien zur Stärkung ihres mentalen Wohlbefindens zu vermitteln. Eine langfristige Therapie ist dabei sehr wichtig, denn die mentale Verarbeitung des Erlebten kann sehr lange dauern, gerade auch weil sie weiterhin unter desolaten Bedingungen leben.

Für Kinder ist das Erlebte oft schwer zu verarbeiten. Die psychosozialen Angebote unserer Partner*innen schaffen für sie einen Raum, um die Traumata mit spielerischen Methoden zu verarbeiten.

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