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Rojava: Zwei Millionen Menschen nach Angriffen ohne Strom



Nach türkischen Luftangriffen sind in der Autonomieregion Nord- und Ostsyrien rund zwei Millionen Menschen ohne Strom. Die Zerstörung der Energieversorgung beeinträchtigt auch die Trinkwasserversorgung .

Mit neuen Attacken auf die Energieinfrastruktur eskaliert die Türkei ihren hybriden Krieg in der Autonomieregion Nord- und Ostsyrien. Nach Drohnenangriffen am Wochenende sind die Städte Kobanê und Ain Issa, rund 700 umliegende Dörfer sowie fast der gesamte Kanton Cizîrê ohne Strom, teilte Ziyad Rustem vom Energieressort der Demokratischen Selbstverwaltung am Montagnachmittag mit. Die Versorgung wiederherzustellen, dürfte dauern: Es gehe nicht um Tage oder Wochen, vielmehr würden mehrere Monate nicht ausgeschlossen. Rund zwei Millionen Menschen seien derzeit von der Stromversorgung abgeschnitten, so Rustem.

Seit Freitag greift die Türkei mit Drohnen, Raketen und Kampfflugzeugen Kraftwerke, Stromleitungen sowie Gas- und Ölfelder in der nordostsyrischen Autonomieregion an. Auch Dörfer, Dienstleistungseinrichtungen und Fabriken werden bombardiert. Das Ziel des türkischen Staates sei es, dass Menschen erfrieren, sagte Rustem. Das betreffe im Kanton Cizîrê vor allem die Bevölkerung in Dêrik, Qamişlo, Çilaxa, Til Koçer, Tirbespiyê, Til Hemîs, Amûdê, Dirbêsiyê und Til Temir. Diese Städte seien nahezu vollständig ohne Strom.

Die Zerstörung der Stromversorgung durch die Türkei beeinträchtigt auch die Trinkwasserversorgung Nord- und Ostsyriens. Kaum ein Wasserwerk in der Region ist auf einen längeren Stromausfall vorbereitet; erforderliche Pumpen können nicht überall mit Notstromaggregaten betrieben werden, da sie schlicht bei vorherigen Angriffen der türkischen Armee zerstört wurden. Die aktuelle Luftangriffswelle auf die Infrastruktur der Autonomieregion ist die dritte seit letztem Oktober und die vierte seit November 2022.

Khaled Davrisch, Repräsentant der Selbstverwaltung in Deutschland, erklärte am Montag in Berlin: „Anders als in der Berichterstattung dargestellt, zielt die Türkei nicht auf militärische Stellungen. Sie greift gezielt zivile Infrastruktur an. Die Region ist bereits jetzt in einer humanitären Krise. Wenn sich die Situation verschärft, führt das zu weiteren Fluchtbewegungen aus Syrien.“ Nach bisherigem Stand wurden infolge der jüngsten Angriffe sechs Menschen verletzt, darunter zwei Kinder im Alter von drei und vier Jahren und ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur ANHA.

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