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Weitere Giftgasanschläge auf Mädchenschulen in Iran


Die Vergiftungswelle von Schülerinnen in Iran und Ostkurdistan ebbt nicht ab. Erneut wurden Giftgasanschläge auf Mädchenschulen verübt, unter anderem in Mahabad, Sine und Izeh. In Isfahan setzte das Regime Tränengas gegen Demonstrierende ein.

Die Welle von systematischen Vergiftungen von Schülerinnen in Iran und Rojhilat ebbt nicht ab. Erneut wurden Giftgasanschläge auf Mädchenschulen verübt, berichten Aktivist:innen und Reporter:innen vor Ort. In der ostkurdischen Stadt Sine (Sanandadsch) gab es nach Angaben des Journalisten Ammar Goli am Samstag gleich zwei Anschläge. Dutzende Schülerinnen einer technischen Mädchenschule sowie eines Gymnasiums klagten über Übelkeit, brennende Augen und Ohnmacht, nachdem sie einen seltsamen Geruch von faulen Mandarinen wahrgenommen hatten. Mindestens fünfzehn von ihnen mussten nach Angaben von Goli in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Früher am Tag sei bereits in Mahabad ein Giftgasanschlag auf ein Mädchengymnasium verübt worden. Die Schülerinnen berichteten, es habe in ihren Klassenzimmern plötzlich nach Mandarinen gerochen. Auch dort mussten mehrere Betroffene den Angaben nach mit Vergiftungserscheinungen in Kliniken gebracht werden. Die genaue Anzahl ist unklar.

In verschiedenen Städten des Landes gingen am Samstag viele Menschen auf die Straße, um gegen die Giftgasanschläge auf Mädchenschulen zu protestieren. In der zentraliranischen Stadt Schahinschahr in der Provinz Isfahan etwa versammelten sich Eltern, Studierende und Angehörige der „Jin, Jiyan, Azadî“-Revolte beispielsweise vor dem Gebäude der Bildungsverwaltung und riefen „Wir wollen kein kindermordendes Regime“, berichtete das Onlineportal 1500tasvir. Das Regime ging mit Tränengas gegen die Demonstrierenden vor, wie auf Videos zu sehen ist. Währenddessen gab es laut 1500tasvir einen weiteren Anschlag mit chemischem Gas auf eine Schule in Izeh, einer Stadt in der Südwestprovinz Chuzestan.

Erste Berichte gab es im November

Die ersten Vergiftungsfälle an Schulen wurden bereits im November gemeldet – fast ausschließlich an Einrichtungen für Mädchen, an denen Schülerinnen in den vergangenen Monaten besonders vehement gegen das Regime protestiert hatten. Ganze Busse mit vergifteten Mädchen hielten vor den Notaufnahmen, insgesamt waren Schulen in 28 der 31 Provinzen des Landes betroffen. Die Schülerinnen klagten über Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Atemnot bis hin zur Ohnmacht, nachdem sie einen seltsamen Geruch von faulen Eiern oder Mandarinen. wahrgenommen hatten.

Bis zu 7.000 Mädchen seien bei mehr als 200 Anschlägen vergiftet worden, berichtete kürzlich die „Human Rights Activists News Agency“ (HRANA) mit Sitz in den USA. Die Islamische Republik, die über einen hochgerüsteten Sicherheitsapparat verfügt, bleibt merkwürdig untätig. Bisher gibt es keine Verhaftungen. Präsident Ebrahim Raisi behauptete unlängst, „ausländische Feinde der iranischen Republik“ seien verantwortlich für die Anschläge. Gesundheitsminister Bahram Einollahi teilte schon vor Wochen mit, es sei nicht seine Aufgabe herauszufinden, wo das „milde Gas“ herkomme und ob es absichtlich in die Klassenräume gebracht werde.

Erstes Todesopfer: 16-jähriger Kurde aus Kamyaran

Menschenrechtsgruppen sehen sich angesichts dieser Äußerungen bestärkt in ihrer Annahme, dass das Regime selbst bei den Anschlägen am Werk ist. Es gibt in Iran keine außerstaatliche Gruppe, die in der Lage wäre, über Monate hinweg eine Anschlagsserie in diesem weitreichenden Ausmaß zu verüben und trotzdem unentdeckt zu bleiben. Vor einer Woche forderte die Anschlagsserie ihr erstes Todesopfer: Karo Pashabadi, ein 16-jähriger kurdischer Junge, der gebürtig aus Kamyaran stammte und bei einem Giftgasanschlag am 15. März auf seine Teheraner Schule verletzt wurde.

 

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