Hilfe für Nordsyrien – Jetzt mehr denn je


 
Gesellschaft für bedrohte Völker / 1.12.2022
 
Lieber Herr Speidel,
ich stamme selbst aus Nordsyrien. Meine Heimat Afrin wurde Anfang 2018 von der Türkei völkerrechtswidrig angriffen und besetzt. Seitdem haben mir meine dort lebenden Verwandten und Freunde berichtet, wie systematisch und brutal all das zerstört wird, was die Region ausgezeichnet hat. Vor der Invasion gab es religiöse und ethnische Vielfalt - damit ist es vorbei. Ich bin sehr besorgt darüber, dass er noch weitere Teile Nordsyriens besetzen könnte.
(Foto von Kamal und Dr. Abdulkarim Omar, Vertreter der Autonomen
Administration von Nord- und Ostsyrien (AANES) in Europa)
Am Montag haben uns Vertreter der Autonomen Selbstverwaltung Nordsyriens in Göttingen besucht und über die aktuelle Lage berichtet. Sämtliche Ethnien und Konfessionen – arabisch, kurdisch, assyrisch/aramäisch, armenisch, tscherkessisch, sunnitisch, christlich, alevitisch und yezidisch – sind an der Verwaltung beteiligt. Schon jetzt haben die täglichen Angriffe aus der Türkei mit Flugzeugen, Drohnen und Artillerie gravierende Auswirkungen. Sie richten sich häufig gegen zivile Infrastruktur. Regelmäßig schneidet die Türkei die Wasserversorgung der Region ab. Die wirtschaftliche Perspektivlosigkeit treibt junge Menschen in die Arme der Islamisten. Unsere Gesprächspartner berichten, dass mit einer neuen Invasion Erdogans 12.000 inhaftierte Kämpfer des „Islamischen Staates“ entfliehen könnten. In den letzten Wochen greift die Türkei gezielt Posten an, die gefangene IS-Kämpfer bewachen. Eine neue türkische Invasion würde die Bewachung der Gefangenen unmöglich machen. Tausende könnte fliehen, Gewalt und Chaos verbreiten oder versuchen, nach Europa zu gelangen.
Lassen Sie uns gemeinsam für die Rechte religiöser und ethnischer Minderheiten einsetzen! Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende!
Was will Erdogan? Er träumt davon, eine neue, islamische Republik Türkei zu schaffen. Sie soll sämtliche Gebiete von Aleppo (Syrien) bis Kirkuk (Irak), wo Kurden und andere Volksgruppen zu Hause sind, umfassen. Darum unterstützt er dort islamistische Organisationen und schickt Söldner und Kriegsgerät. Die Autonome Selbstverwaltung braucht dringend politische und humanitäre Unterstützung. Aber auch die deutsche Regierung lehnt direkte Gespräche mit ihrer Verwaltung ab. Das muss sich ändern!
 
Sie können sich darauf verlassen, dass wir weiterhin Druck auf unsere Politiker*innen machen werden, endlich diejenigen zu unterstützen, die sich vor Ort gegen Erdogans Islamismus einsetzen und tagtäglich, religiöse und ethnische Minderheiten schützen.
 
Mit herzlichen Grüßen
Kamal Sido, Nahost-Referent der GfbV

 

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