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Berlin: Konferenz zur medizinischen Hilfe für Rojava


Die Berliner Vertretung der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien hat eine Konferenz zur medizinischen Hilfe für die Region durchgeführt.

Die medizinische Lage in Nord- und Ostsyrien ist aufgrund des Embargos und der Angriffe auf die Region hochproblematisch. Um die medizinische Hilfe für die Region zu diskutieren, fand am Montag unter dem Titel „Notfall Gesundheit“ die erste Konferenz zur medizinischen Versorgung in der Autonomieregion ein. Eingeladen hatte die Vertretung der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien in Berlin.


Die Eröffnungsrede hielt Abdulkarim Omar via Videozuschaltung. Omar ist der Vertreter des Büros für Außenbeziehungen der Selbstverwaltung. Er warnte, dass das Recht auf Leben in Rojava weiterhin bedroht sei, und unterstrich die Bedeutung humanitärer Hilfe.

Sechs Millionen Menschen sind bedroht“

Anschließend ergriff Dr. Ciwan Mustafa, der Ko-Vorsitzende des Büros für Gesundheit der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, das Wort. Er berichtete über die andauernden Probleme der Gesundheitsversorgung in Rojava und erklärte: „Wir müssen ein neues Gesundheitssystem aufbauen, um der lebensbedrohlichen Situation für rund sechs Millionen Menschen in der Region zu begegnen. Der Binnenflüchtlingsstatus von unzähligen Menschen, die durch Krieg vertrieben wurden, wird nicht anerkannt. Mehr als 17.000 Menschen sind in Rojava an Cholera erkrankt. Wir führen nicht nur einen militärischen Verteidigungskrieg, sondern auch einen Krieg um die Gesundheit.“

Mustafa erläuterte, dass es Probleme bei der Bereitstellung ausreichenden medizinischen Personals und bei der medizinischen Versorgung gebe und dass auch die medizinischen Fakultäten in Rojava bei der Ausbildung unterstützt werden müssten.

Drohnenangriffe sind Rache für den Sieg von Kobanê“

Dr. Basrawi Ali, der als Arzt in Kobanê praktiziert, ergriff anschließend das Wort und wies auf den Mangel an medizinischer Ausrüstung in der gesamten Region Rojava hin. Er berichtete von den Drohnenangriffen auf die Autonomieregion und sagte: „Sie (der türkische Staat) rächen sich an der Zivilbevölkerung, weil sie Kobanê nicht eingenommen haben. Sie töten die Leben, die in monatelanger Arbeit zu retten versuchen, mit Drohnen innerhalb von Sekunden.“ Ali wies auch auf die Situation chronisch Kranker hin: „Auch wenn wir Diabetesmedikamente von Unternehmen in den selbstverwalteten Gebieten in Rojava unter schwierigen Bedingungen beschaffen, reicht das nicht aus. Da die Zahl der Patienten zunimmt, steigt auch der Bedarf, so dass es zu Engpässen bei der medizinischen Versorgung kommt.“

Abir Hassaf von der Universität Rojava berichtete über die Ausbildung: „Im sechsten Bildungsjahr der medizinischen Ausbildung hatten wir bisher 330 Studierende. Nach sechs Jahren Ausbildung erhalten sie ihren Abschluss für Allgemeinmedizin. Ärztinnen und Ärzte, die sich für eine Spezialisierung entscheiden, setzen ihre Ausbildung fort.“

Die Anthropologin Şermin Güven wies in ihrer Rede auf der Konferenz auf die Wasser- und Stromprobleme in den Krankenhäusern hin und betonte, dass angesichts des jüngsten Anstiegs der Cholera eingehende Untersuchungen durchgeführt werden müssten.

Zum Abschluss berichtete Dr. Elisa Stein über die Arbeiten der Frauenstiftung (WJAS) in Nord- und Ostsyrien und wies auf die Wichtigkeit der geschlechterspezifischen Versorgung hin. Im Gesundheitsbereich legt die Stiftung neben der direkten Patientenversorgung einen Fokus auf Prävention und Ausbildung. Zusammen mit der Städtepartnerschaft Friedrichshain-Kreuzberg – Dêrik e.V. betreibt sie eine Mobile Klinik in Dêrik, in der eine medizinische Basisversorgung für Frauen und Kinder angeboten wird.

Die Städtepartnerschaft und die Stiftung stoßen immer wieder auf eine Ablehnung von Anträgen für öffentliche Förderungen, mit der Begründung, dass das die Selbstverwaltung nicht anerkannt werde und eine Kooperation mit Organisationen in Syrien von der Bundesregierung nicht unterstützt werden könne.

 

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