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„Die Welt muss Verantwortung für den Kampf gegen den IS übernehmen“


Die YPJ-Kommandantin Dilbirîn Kobanê gehört zu den Koordinator:innen der Operation gegen den IS im nordsyrischen Camp Hol und weist darauf hin, dass das Lager eine tickende Zeitbombe für die ganze Welt darstellt.

Seit über zwei Wochen durchsuchen die Sicherheitskräfte von Nord- und Ostsyrien das Flüchtlings- und Internierungslager Hol in der Nähe von Hesekê nach Mitgliedern der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Bei der von der Kommandantur der inneren Sicherheitskräfte (Asayîş) koordinierten und den Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) unterstützten Operation sind bisher fünf Frauen aus IS-Gefangenschaft befreit worden. Über 150 mutmaßliche IS-Mitglieder wurden festgenommen, darunter auch Dutzende Frauen. Die Sicherheitskräfte haben unzählige Waffen sichergestellt und unterirdische Bunker entdeckt. Zwei QSD-Kämpfer kamen ums Leben, als sie einen Fluchtversuch einer siebenköpfigen IS-Zelle verhinderten.

Die YPJ-Kommandantin Dilbirîn Kobanê gehört zu den Koordinator:innen der Operation und hat sich gegenüber ANF zu der aktuellen Lage geäußert. Sie weist darauf hin, dass Camp Hol eine tickende Zeitbombe für die ganze Welt ist, aber niemand dafür Verantwortung übernimmt. Die erste Phase der Operation sei im vergangenen Jahr unter dem Kommando von Jiyan Tolhildan gestartet worden, betont Dilbirîn Kobanê. Jiyan Tolhildan wurde im Juli zusammen mit Roj Xabûr und Barîn Botan in einem gezielten Killerdrohnenangriff von der Türkei ermordet.

Der erste Schritt wurde unter dem Kommando von Jiyan Tolhildan gesetzt“

„Die erste Phase der humanitären Sicherheitsoperation wurde eingeleitet, weil IS-Zellen in der Region immer aktiver wurden und Chaos verbreiteten. Mit der Operation wurden sehr wichtige Ergebnisse erzielt, es wurden viele Zellen aufgedeckt. Der IS wollte sich nach seiner militärischen Zerschlagung im Frühjahr 2019 in al-Bagouz neu organisieren und das Camp für seine Zwecke nutzen. Deshalb musste etwas getan werden, und der erste Schritt wurde unter dem Kommando von Jiyan Tolhildan gesetzt. Die zweite Phase der Operation konnte nur mit großer Verzögerung beginnen, weil der türkische Staat die Region angreift. Das Camp wird seit langer Zeit beobachtet und die Gefahr wurde immer größer, weil der IS sich dort nicht nur reorganisiert, sondern auch anderweitig tätig ist. Deshalb musste die Operation fortgesetzt werden. Die Existenz des Lagers ist eine Bedrohung nicht nur für unsere Region, sondern für die ganze Welt. Der IS hält dort Schulungen ab und verbreitet sein Gedankengut. Deshalb müssen wir unsere humanitäre Pflicht erfüllen. Die Revolution von Rojava ist eine Revolution der Menschlichkeit und wir sehen uns in der Verantwortung, alle Gefahren zu beseitigen“, so die YPJ-Kommandantin.

Die Welt muss sich zu dem Wiederaufbau des IS verhalten“

Zum Verlauf der Operation teilt Dilbirîn Kobanê mit: „Es konnten für Morde und andere Straftaten verantwortliche IS-Mitglieder verhaftet werden. Ein Ziel der Operation ist der Abbau von Zelten, die vom IS für Schulungen, Scharia-Gerichte und als Planungs- und Folterzentren genutzt werden. Die IS-Zellen verstecken ihre Waffen in unterirdischen Bunkern und Tunnelanlagen. Dort wurden auch Leichen und gefolterte Menschen gefunden. Ein weiterer wichtiger Grund für die Operation ist die stattfindende Indoktrinierung von Kindern. Die Situation im Camp ist allgemein bekannt und bedeutet eine Gefahr für die ganze Welt, aber die ganze Last liegt auf Rojava. Um die Gefahr zu mindern, müssen alle Verantwortung übernehmen. Aber die ganze Welt sieht einfach nur zu.

Der IS wird durch den türkischen Staat gestärkt. Die türkischen Angriffe haben zu weiteren Massakern in der Region geführt und den Beginn der Operation verzögert. Der IS organisiert sich nicht nur in Camp Hol, er ist in der Region aktiv und verübt Anschläge. Die im Camp begangenen Morde werden dokumentiert und öffentlich gemacht. Deshalb sagen wir, dass alle die ihnen zufallende Aufgabe erfüllen müssen. Es geht nicht nur um Rojava, es geht um eine weltweite Gefahr. Deshalb müssen sich auch die Völker der Welt dazu verhalten.“

 

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