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Einsatz deutscher Raketentechnologie beim Angriff auf Zap (Nordirak)


Der türkische Staat setzt bei seinem Angriffskrieg auf die südkurdische Zap-Region auf deutsche Waffentechnologie. Die von Killerdrohnen eingesetzten Luft-Boden-Raketen MAM-L stammen aus deutscher Lizenzproduktion.

Deutsche Technologie spielt beim türkischen Großangriff auf die Medya-Verteidigungsgebiete eine strategische Rolle. Videos des türkischen Verteidigungsministeriums belegen, dass von türkischen Killerdrohnen „intelligente“ Luft-Boden-Raketen vom Typ MAM-L abgefeuert werden. Auf der Website „savunma sanayi“ der türkischen Kriegsindustrie wird der Einsatz von MAM-L-Raketen in der Invasionsoperation in den Medya-Verteidigungsgebieten gelobt. Diese Raketen wurden bereits zuvor für extralegale Hinrichtungen und Massaker eingesetzt. So wurden Ende Juni 2020 in Kobanê die drei Aktivistinnen Zehra Berkel, Hebûn Mele Xelîl und Amina Waysî Opfer einer extralegalen Hinrichtung durch eine mit MAM-L-Raketen ausgestattete türkische Kampfdrohne.

Deutsch-türkische Ko-Produktion

Die Entwicklung dieser Waffentechnologie stellt ein Beispiel der Kooperation zwischen Deutschland und dem türkischen Faschismus dar. So sehr die türkische Armee auch aus nationalistischen Motiven heraus behauptet, es handele sich bei den Raketen um Produkte des Armeekonzerns Roketsan, so stammen doch entscheidende Teile der MAM-L und vor allem der Bauplan vom deutschen Rüstungskonzern TDW. Für die Bayraktar-TB-2-Drohne wurden die LRAT und MRAT-Raketen mit Hilfe von TDW weiterentwickelt. Auch viele Teile der Drohne selbst stammen aus deutscher Produktion. Namensgeber der Drohne ist Selçuk Bayraktar, Konzerngründer und Schwiegersohn des türkischen Regimechefs Erdoğan. Die TB2 ist dabei wichtiger Eckstein im neoosmanischen Imperialismus des AKP/MHP-Regimes und wurde in Libyen und gegen Armenien eingesetzt.

Lizenz und Technologie aus Deutschland

Die MAM-L-Raketen tragen etwa 22 Kilogramm und haben bereits für unzählige zivile Tote in Kurdistan, Libyen, Jemen, Armenien und zuletzt sogar in Äthiopien gesorgt. TDW, eine deutsche Tochtergesellschaft von MBDA, einem in Europa ansässigen Raketensystementwickler mit französischen und italienischen Partnern, kooperiert seit 2010 mit dem türkischen Staat bei der Entwicklung von Raketen.

TDW verkaufte bis 2018 Gefechtsköpfe für LRAT- und MRAT-Raketen an das türkische Militär. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine im September 2018 gestellte Anfrage der Linksfraktion ist zwischen Januar und Juni des Jahres die Genehmigung für zwei Rüstungsabkommen zwischen dem türkischen Staat und dem „intelligente Raketen“ produzierenden Konzern TDW erteilt worden. Beide Abkommen sollen einen Umfang von 290.000 Euro haben. Anschließend wurden diese Raketen von TDW umgestaltet, um von Drohnen getragen zu werden. Darüber hinaus wurden Lizenzen für die Produktion der MAM-L-Raketen verkauft.

Mit der Bezahlung der Lizenzgebühr kann der türkische Staat die Raketen mit der Technologie von TDW nach eigenem Ermessen produzieren. Damit können deutsche Firmen leicht und ohne die Kontrolle der Bundesregierung Geld verdienen. Das Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit (BITS) weist in seinem Report über die Waffen- und Munitionsexporte unter deutscher Verantwortung ebenfalls auf TDW hin. In dem Bericht ist die Rede von dem Beitrag in Deutschland produzierter und entworfener Waffen zum Tod von vielen Menschen weltweit, wobei insbesondere die Firma TDW dabei eine wichtige Rolle spiele. Die von dieser Firma entwickelten Lenkraketen besitzen bunkerbrechende Eigenschaften und würden daher den Tod von noch mehr Menschen herbeiführen.

Abkürzung“ aus Deutschland

2020 untersuchte das Magazin „Monitor“ nach extralegalen Hinrichtungen durch MAM-L-Raketen in Rojava und Südkurdistan den deutschen Beitrag zu diesen Lenkwaffen. In dem Beitrag stellte Brian Castner, Waffenexperte von Amnesty International, zur Modifikation der Raketen für Drohnen fest: „Die Technologie, die Materialien und alle die Arbeitsschritte zu entwickeln, braucht einfach Zeit. Solche Technologietransfers geben eine Art Anleitung. Die Türkei kann damit sehen, wie deutsche Ingenieure verschiedene Probleme gelöst haben. Es ist eine Art Abkürzung.“ Monitor weiter: „Die ‚Abkürzung‘ kam vom deutschen Gefechtskopf-Spezialisten TDW. Er wird explizit als Lieferant genannt und wirbt auch in einer firmeneigenen Präsentation damit, dass man Gefechtsköpfe für die Türkei produziert habe. Die Bundesregierung listet seit 2010 eine Reihe von Genehmigungen für Entwicklung und Technologie auf, bis ins Jahr 2018 hinein. Geringe Stückzahlen, aber regelmäßig.“ Offenbar sollten die Stückzahlen ausreichen, damit die Türkei die Gefechtsköpfe selbst nachbauen kann.

Waffen mit NATO-Code auf Armenien

Der Einsatz von türkischer Drohnentechnologie ist mit dem türkischen Angriffskrieg auf die armenische Region Arzach (Berg-Karabach) erneut auf die Tagesordnung gekommen. Dabei tauchten Bilder von Trümmern von Drohnen und nicht detonierten MAM-L-Raketen auf. Auf den Bildern sind Teile zu sehen, welche demnach von TDW und der französischen Firma ASB Aerospatiale produziert worden waren. Die Abschussvorrichtungen für die MAM-L-Raketen stammen aus Frankreich und trugen einen NATO-Code.

 

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