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Reaktion auf Embargo in Aleppo: Asayîş räumt Regierungsgebäude in Qamişlo


Als Reaktion auf die Verschärfung des Embargos gegen die kurdischen Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo haben Sicherheitskräfte der Autonomieverwaltung in Qamişlo mehrere Verwaltungsgebäude der damaszener Regierung besetzt.

Als Reaktion auf die Verschärfung des Embargos gegen kurdische Stadtteile in Aleppo haben Sicherheitskräfte der nordostsyrischen Autonomieverwaltung (Asayîş) in Qamişlo mehrere Verwaltungsgebäude der damaszener Regierung besetzt. Übernommen wurde die Finanzdirektion des syrischen Regimes, das landwirtschaftliche Genossenschaftsgebäude, die staatliche Getreidegesellschaft, ein Kulturzentrum und das Postamt. Die Übernahme verlief friedlich, da den syrischen Staatsbediensteten im Vorfeld geraten wurde, sich fernzuhalten, meldete das Rojava Information Center.

Am Donnerstagvormittag haben Asayîş-Einheiten damit begonnen, das sogenannte Sicherheitsquadrat im Norden von Qamişlo zu umstellen. Inzwischen ist die Räumung des Geländes abgeschlossen. Bereits seit Freitag steht eine vom Regime betriebene Großbäckerei in der Stadt unter Kontrolle der Asayîş. Darüber hinaus verhindern von Sicherheitskräften in den vergangenen Tagen errichtete Kontrollpunkte, dass Grundgüter wie Brot, Milch und Treibstoff in die vom Regime kontrollierten Gebiete in Qamişlo gelangen.

Hintergrund der Aktion ist das vor einigen Wochen verschärfte Embargo gegen Şêxmeqsûd und Eşrefiyê. Die mehrheitlich von Kurdinnen und Kurden bewohnten Bezirke im Gouvernement Aleppo beherbergen nach den jüngsten Zahlen der Selbstverwaltung rund 200.000 Menschen, darunter mehrere zehntausend Vertriebene aus Efrîn. Doch seit inzwischen drei Jahren leidet die Bevölkerung unter einer Blockade des Regimes, weil sie sich an den basisdemokratischen Selbstverwaltungs- und Selbstverteidigungsstrukturen Nord- und Ostsyriens orientiert. Die Durchfuhr von Mehl, dem wichtigstes Grundnahrungsmittel überhaupt, und anderen Lebensmitteln sowie Brennstoffen ist verboten.

Checkpoint des Regimes bei Şêxmeqsûd

Über alternative Wege gelang es Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in der Vergangenheit immer wieder, das Embargo zu brechen. Doch seit einigen Wochen sind die Depots leer, die Bevölkerung sieht sich einer humanitären Krise gegenüber. Den Checkpoint in die kurdischen Viertel lässt Damaskus von der 4. Division der syrischen Armee kontrollieren. Am 13. März kam es dort zu einer Schießerei zwischen Militärs und Sicherheitskräften der Asayîş, bei der ein Regimesoldat ums Leben kam. Zuvor war ein mit Zucker beladener LKW daran gehindert worden, in Şêxmeqsûd einzufahren. Seitdem ist kein einziges Fahrzeug, das Mehl, Brot oder Treibstoff transportierte, durchgelassen worden. Das Embargo betrifft auch den an Aleppo grenzenden Kanton Şehba im Niemandsland zu Efrîn, wo ebenfalls hunderttausende Menschen leben.

Demonstration am 9. April durch Şêxmeqsûd und Eşrefiyê: „Nein zur Politik der Aushungerung“

Zwar sind Verhandlungen zwischen der Autonomieverwaltung und der damaszener Regierung im Gange, damit das Embargo gegen die kurdischen Bezirke in Aleppo aufgehoben wird. Bisher sind jedoch keine Ergebnisse aus diesen Gesprächen hervorgegangen. In Şêxmeqsûd und Eşrefiyê kommt es derweil seit Tagen zu Protesten. Die Menschen werfen Damaskus eine „Politik der Aushungerung“ vor und warnen wegen der sich abzeichnenden Hungerkrise vor dem „Horrorszenario eines Massensterbens“.

 

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