Direkt zum Hauptbereich

Die Föderation der Kriegsversehrten in Nord- und Ostsyrien


Zehntausende Kämpferinnen und Kämpfer sind im Widerstand gegen den IS und den türkischen Staat in Nordostsyrien verwundet worden, Tausende haben bleibende Schäden erlitten. 2020 wurde die Föderation der Kriegsversehrten Nord- und Ostsyriens gegründet.

Die Geschichte der kriegsversehrten Frauen und Männer in Nord- und Ostsyrien beginnt mit der Revolution 2012. Zu Beginn bildeten sich dezentrale lose Vereinigungen auf Kantonsebene, aber mit der zunehmenden Anzahl verletzter Kämpfer:innen entstand die Dringlichkeit einer zentralen Organisationsform. Auf einem Kongress im Juni 2019 wurde die Gründung einer Föderation beschlossen und im Januar 2020 umgesetzt.

In der Anfangsphase gab es lediglich je ein Komitee in den Städten Hesekê und Kobanê und das Zentrum war damals wie heute in Qamişlo. Nach und nach wurden weitere Komitees in Efrîn, Aleppo, Girê Spî, Raqqa, Tabqa, Minbic und als letztes in Deir ez-Zor gegründet.

Der organisatorische Aufbau wurde durch die Angriffskriege und Besatzungen der Türkei erschwert und der ursprüngliche Zeitplan konnte nicht eingehalten werden. Fünf Vereinigungen bilden das Gerüst der Föderation: Berdelen Jiyana Azad (Opfer für das freie Leben) für den Kanton Qamişlo, Tirejen Rojê (Sonnenstrahlen) im Kanton Hesekê, Parazvanên me (Unsere Beschützer) im Gebiet Raqqa, Siwarên Kobanê (Reiter Kobanês) für das Gebiet Firat und Ronahî ya Efrîn (Das Sonnenlicht von Efrîn) im Gebiet Şehba, weil Efrîn selbst besetzt ist.

Alle diese Vereinigungen haben ihre eigenen Satzungen, die sich entsprechend der kulturellen und gesellschaftlichen Verschiedenheiten der Gebiete unterscheiden. In den Gebieten Şedadê, Deir ez-Zor, Tabqa, Aleppo und Minbic gibt es Komitees, die aufgrund der aktuellen Sicherheitslage noch nicht als Vereinigungen gegründet werden konnten.

Innerhalb der Vereinigungen, genauso wie auf der Ebene der Föderation, gibt es Kommissionen für Medien, Diplomatie, Gesundheit, Wirtschaft-Finanzen und Bildung. Auf Föderationsebene gibt es zusätzlich die Disziplinarkommission, die sich um interne Probleme und um Fragen der Gerechtigkeit kümmert.

Die Medienkommission ist für Presse- und Archivarbeiten zuständig. Das Archiv sammelt die Daten aller Mitglieder. Die Pressearbeit umfasst einerseits die Verwaltung der offiziellen Website und zum anderen die Produktion und Veröffentlichung von Videos und Büchern über das Leben der kriegsversehrten Frauen und Männer.

Die Bildungskommission ist für die Akademie verantwortlich. In dieser Akademie werden im Jahr mehrere mehrmonatige ideologische Bildungsprogramme durchgeführt. In der Wirtschafts- und Finanzkommission werden neue Projekte für die einzelne Vereinigungen und für die Föderation geplant und verwirklicht, wie zum Beispiel ein neuer Verein, ein Garten für den Verein, Fahrzeuge und ähnliches. Die Wirtschaftskommission arbeitet eng mit der Gesundheitskommission zusammen, die für die Gesundheit und Rehabilitation zuständig ist, ein wichtiges Thema für die Mitglieder.

Ein wichtiges Ziel der Föderation ist, alle im Krieg verletzten Menschen unter einem Dach in Sachen Gesundheit und Bildung zu organisieren und ihre Reintegration in die Gesellschaft zu fördern. Aber ebenso wichtig ist der Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, um auf die politische und gesellschaftliche Situation aufmerksam zu machen, auch international.

Vor allem im Bereich der Gesundheitsversorgung steht die Föderation vor großen Herausforderungen. Das Embargo durch die Türkei, das syrische Regime und die Regierungspartei PDK in Südkurdistan erschweren die notwendige medizinische Versorgung erheblich. Notwendige, teilweise lebensrettende Behandlungen können nicht durchgeführt werden.

Internationale Unterstützung ist bisher ausgeblieben. Appelle an und Versprechen von internationalen Organisationen sind bisher ins Leere gelaufen. Unterstützt wird die Arbeit der Föderation auch im Gesundheitsbereich von den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der Selbstverwaltung. Auch die psychische Kraft der Kriegsversehrten, ihr Wissen um die Bedeutung ihres Kampfes für ihre Gesellschaft und die starke Solidarität untereinander sind wichtige Faktoren für die erfolgreiche Arbeit in der Föderation. Es braucht beides: Die materielle Unterstützung von außen und die innere Kraft, die durch Selbstorganisierung und Solidarität entsteht.

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bericht aus dem türkisch kontrollierten Teil Nordsyriens: Selbstorganisiert bauen statt absaufen im Winter

15 Beatmungsgeräte nach Rojava geliefert