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Istanbul: Frauenstadtguerilla greift Polizeistreife an


Eine Einheit des linken Frauenguerillabündnisses KBDH hat eine Polizeistreife in Eyüpsultan in Istanbul mit Schusswaffen angegriffen. In der Erklärung heißt es: „Sie werden sich nicht vor der Frauengerechtigkeit retten können.“

Eine Einheit des Guerillabündnisses Vereinte Revolutionsbewegung der Frauen (KBDH) unter dem Namen „Aynur-Ada-Miliz“ hat in der Nacht des 7. Novembers auf eine Polizeistreife im Viertel Eyüpsultan in Istanbul geschossen. In einer Erklärung kritisiert die Einheit die Polizei als „Hort der Vergewaltiger, der Übergriffe und der Folter“ und geißelt gleichzeitig die massive Repression gegen alle „demokratischen und revolutionären Kräfte“ an. Insbesondere die Methode der „geheimen Zeugen“, meist Personen aus dem Sicherheitsapparat, die gefälschte Aussagen über zu kriminalisierende Oppositionelle verfassen, wurde von der Frauenmiliz thematisiert.

Vergewaltiger wie Musa Orhan werden sich nicht verstecken können“

In der Erklärung heißt es weiter: „Diejenigen, die mit Komplotten, Drohungen, Verschwörungen und falschen Geständnissen versuchen, Revolutionär*innen zu inhaftieren, sollen wissen, dass sich ihre Anhänger, korrupte Polizeichefs und Vergewaltiger wie Musa Orhan nicht vor der Frauengerechtigkeit verstecken können.“

In diesem Rahmen bezog sich die Frauenmiliz auch auf den Fall des Vergewaltigers und Faschisten, den Unteroffizier der Militärpolizei Musa Orhan, der die 18-jährige Kurdin Ipek Er mehrfach vergewaltigte. Ipek Er hatte am 16. Juli in Qubîn (Beşiri) bei Êlih versucht, sich das Leben zu nehmen. In einem Abschiedsbrief hatte sie mitgeteilt, dass sie von Musa Orhan über mehrere Tage gefangen gehalten, unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht wurde. Am 18. August ist sie an den Folgen ihres Suizidversuchs im Krankenhaus verstorben. Der Täter, ein bekennender Anhänger der rechtsextremen „Grauen Wölfe“, war kurz festgenommen worden, wurde jedoch wegen fehlender Fluchtgefahr wieder laufengelassen. Die Vergewaltigung ist durch eine gerichtsmedizinische Untersuchung bestätigt worden. Nach massiven Protesten wurde Musa Orhan am 19. August erneut festgenommen. Eine Woche später wurde er per Gerichtsentscheid wieder auf freien Fuß gesetzt.

Aynur Ada: Im Kampf in Rojava gefallen

Die Frauenmiliz widmete ihre Aktion Aynur Ada (Göze Altunöz) von der Partei der Revolutionären Kommunarden / Vereinte Freiheitskräfte (DKP/BÖG). Sie ist am 6. November 2019 zusammen mit Yasin Aydin (Imran Firtina) als Kämpferin des Internationalistischen Freiheitsbataillons an der Front vor Til Temir gefallen.

Göze Altunöz ist 1994 in Edirne geboren und war nach DKP-Angaben bereits als Schülerin politisch aktiv. Sie nahm am Gezi-Aufstand in Istanbul teil und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der DKP/BÖG. Auch bei der Gründung der Vereinigten Revolutionsbewegung der Frauen (türk. Kadınların Birleşik Devrim Hareketi) spielte sie eine aktive Rolle. Sie kämpfte in Minbic gegen den IS und zuletzt in Til Temir gegen die türkische Armee und ihre islamistischen Proxys.

 

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