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Trotz Vertreibung aus Efrîn - selbst organisiertes Leben!

Zwei Jahre danach: Der Efrîn-Widerstand geht weiter

Vor zwei Jahren begann die türkische Invasion in Efrîn. Nach 58 Tagen Widerstand gegen die zweitgrößte NATO-Armee wurde der Rückzug beschlossen, Hunderttausende Menschen flüchteten nach Şehba. Der Kampf gegen die Besatzer geht auch heute noch weiter. 




Vor zwei Jahren, am 20. Januar 2018, griff der türkische Staat Efrîn an. Die Invasion stieß auf den Widerstand der Verteidigungseinheiten YPG/YPJ und der Bevölkerung der im Nordwesten Syriens gelegenen Region. Die Türkei bombardierte Wohngebiete und tötete Hunderte Zivilisten, darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche. Im ersten Monat der Besatzungsoperation kamen 176 Menschen aus der Zivilbevölkerung ums Leben, im zweiten Monat 232. Über 1000 Menschen wurden verletzt.
Evakuierungsbeschluss
Jeden Tag starben Menschen und die Weltmächte schwiegen. Am 16. März 2018 entschieden die Autonomieverwaltung und die YPG-Kommandantur von Efrîn, die Zivilbevölkerung zu evakuieren, um weitere Massaker zu verhindern. Zwei Tage später erklärte die Autonomieverwaltung auf einer Pressekonferenz in Şehba, dass der Widerstand trotz des Rückzugs weitergeht und die zweite Etappe des Kampfes um Efrîn angebrochen ist.
Die zweite Etappe des Widerstands
Hunderttausende Menschen mussten aufgrund der türkischen Besatzung aus ihrer Heimat fliehen. Die meisten gingen nach Şehba und Şêrawa. Şehba war zuvor ein Kriegsgebiet, viele Gebäude waren zerstört und weite Flächen vermint. Die aus Efrîn vertriebenen Menschen gaben ihren Widerstand trotz der schwierigen Lebensbedingungen in Şehba nicht auf. Sie reorganisierten sich schnell und wurden dabei von der Autonomieverwaltung unterstützt. Aus allen Teilen Kurdistans und aus Europa wurde selbstorganisierte Hilfe geleistet. Zunächst fand eine Mobilisierung in Rojava statt, um den grundlegenden Bedarf zu gewährleisten. Innerhalb kurzer Zeit wurden mehrere Zeltstädte aufgebaut, in die ein Großteil der aus Efrîn geflüchteten Menschen einzog.
Fünf Camps in Şehba
Das erste gegründete Camp bekam den Namen „Berxwedan“ (Widerstand). Es folgten Serdem, Efrîn und Veger. Auch in dem bereits 2016 gegründeten Şehba-Camp wurden Flüchtlinge untergebracht. In den selbstverwalteten Zeltstädten wurde ein System aus Kommunen und Räten etabliert. Die Kinder und Jugendlichen wurden in Zeltschulen unterrichtet.
In Berxwedan leben 2650 Menschen in 775 Zelten. Es gibt 14 Kommunen, die in einem gemeinsamen Rat organisiert sind. In Serdem leben 3100 Personen in 760 Zelten, die ihr Zusammenleben in elf Kommunen und einem Rat organisieren. Das Camp Veger liegt im Dorf Ziyaret in Şêrewa. Dort stehen 140 Zelte.
175.000 Menschen aus Efrîn
In Şehba und Şêrawa leben jetzt ungefähr 175.000 Menschen aus Efrîn. Neben den Camps haben sie sich auf Til Rifat, Fafin und Ehrez verteilt, in Şêrewa auf die Dörfer Aqîbe, Ziyaret und Dircemîl. In Şehba wurden Schulen und ein Krankenhaus sowie mobile Gesundheitsstationen eingerichtet.
Insgesamt gibt es in Şehba jetzt 66 Schulen, in denen 16.474 Schülerinnen und Schüler von 906 Lehrer*innen unterrichtet werden.
Angriffe auf Şehba
Die Menschen aus Efrîn führen in Şehba einen Überlebenskampf. Gleichzeitig haben sie auch ihren Widerstand gegen die Besatzung ihrer Heimat nicht aufgegeben. Sie veranstalten Protestaktionen und halten an ihrer Basisorganisierung fest. Der türkische Staat setzt seine Angriffe auf sie fort. Vor allem in Til Rifat, Sixunekê und Aqibê schlagen ständig Artilleriegeschosse ein. Bisher wurden 103 solcher Angriffe gezählt. Dabei kamen 41 Zivilist*innen ums Leben, 78 weitere wurden schwer verletzt.
„Zorn der Oliven“ und HRE
Die Jugend von Efrîn hat von Anfang an geschworen, ihre Heimat von der Besatzung zu befreien. Dieser Kampf hält bis heute an. Zunächst wurde das „Operationszentrum Zorn der Oliven“ gegründet, das unentwegt Angriffe auf die Besatzungstruppen durchführte. Am 21. Dezember 2018 gründeten sich die Befreiungskräfte Efrîns (HRE). Die HRE haben 2019 insgesamt 253 Aktionen gegen die Besatzer unternommen, bei denen 621 Soldaten, Dschihadisten und MIT-Angehörige getötet und 455 verletzt wurden.

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