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Stammesverband der Jubur appelliert an junge Araber

Die Türkei benutzt für ihren Angriff junge Menschen, die aus Syrien in die Türkei migriert sind, erklärt Fawaz Zuba al-Mirhem vom Stammesverband der Jubur und ruft die Araber dazu auf, nicht auf die Machenschaften des türkischen Staates hereinzufallen. 

Fawaz Zuba al-Mirhem ist Präsident des Stammesverbands der Jubur und hat sich gegenüber ANF zu der türkischen Besatzungsoperation in Nord- und Ostsyrien geäußert. Sein Stamm werde außer den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) keine andere militärische Kraft in der Region tolerieren, erklärte er.
Der Stammesverband der Jubur lebt in Syrien in den Regionen Deir ez-Zor, Raqqa, Hesekê, Şedadê, Hol, Til Berak und Qamişlo, ihm gehören die größten arabischen Stämme in dem Gebiet an. In Syrien hat er 1,5 Millionen Angehörige, im Irak 8,5, im Jemen 400.000, in Jordanien 500.000, in Saudi-Arabien 850.000 und in Bahrein 150.000. Insgesamt wird von rund zwölf Millionen Menschen ausgegangen.
Fawaz Zuba al-Mirhem macht den türkischen Staat und seine Vorgänger für eine jahrhundertelange Besatzungspolitik verantwortlich: „Der Stammesverband der Jubur besteht aus Dutzenden Stämmen und lebt seit Jahrhunderten in dieser Gegend. In Syrien gehören dem Verband 22 Stämme an. Auch in Jordanien, dem Irak, Saudi-Arabien, Jemen und Bahrein gibt es Stämme, die zu unserem Verband gehören. Dass der türkische Staat es jetzt auf unsere Gebiete abgesehen hat, ist nichts Neues, das geschah bereits mit der Entstehung des Osmanischen Reichs. Die Türkei verhält sich immer noch so, als ob das Gebiet anderer Länder ihr gehören würde. Sie behält sich vor, vor allem die Armenier, Eziden und Kurden zu vertreiben und ihr Land zu beschlagnahmen.
Grenzsicherheit als Vorwand für Besatzung
Jetzt hat der türkische Staat zusammen mit zwei weiteren großen Ländern die an der syrischen Grenze lebenden Kurden vertrieben. Bis zum türkischen Angriff auf die Region haben hier alle Bevölkerungsgruppen Syriens einvernehmlich zusammengelebt. Die Türkei hat bereits weite Gebiete für ihre vermeintliche Sicherheitszone besetzt. Fünf Städte Syriens befinden sich unter türkischer Besatzung. Die Grenzsicherheit ist nur ein Vorwand für die Besatzung.
Dschihadistische Gruppen ändern ständig ihre Namen
Der türkische Staat hat die Region mit islamistischen Organisationen wie dem IS, der al-Nusra und der FSA angegriffen. Diese Gruppierungen bekommen ständig neue Namen. Zu Anfang haben sie sich als Al-Nusra-Front in der Gegend zwischen Deir ez-Zor und Hesekê breit gemacht. Dann wurden sie zum IS. Das alles findet unter türkischer Aufsicht statt. Es wird behauptet, dass diese Banden aus der Region stammen und ein Recht darauf haben, hier zu leben. Der türkische Staat benutzt sie für seine eigenen Interessen und ändert dauernd ihre Namen.
Demokratische Kräfte Syriens: Multinationaler Verband
Am Anfang sind diese Gruppierungen noch von wenigen Einheiten der YPG und YPJ bekämpft worden. Die Verteidigungseinheiten wurden jedoch schnell größer und vor einigen Jahren sind die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) als ein Verband gegründet worden, in dem alle Bevölkerungsgruppen vertreten sind und der deshalb als multinationale Kraft betrachtet wird. Die QSD haben gegen den IS gekämpft und das Land Schritt für Schritt von den Islamisten befreit. Dafür wurde ein hoher Preis gezahlt. Wir haben 12.000 Gefallene und Zehntausende Verletzte. Dieser Kampf wurde immer größer und wir haben das Land befreit.
Weitreichende Besatzungspläne
Die angebliche ‚Sicherheitszone‘ hatte am Anfang eine Reichweite von fünf Kilometern, später ist sie auf 35 Kilometer ausgeweitet worden. Der türkische Staat hat diese Gebiete für seinen eigenen Profit unter dem Vorwand der ‚Grenzsicherheit‘ erneut besetzt. Von uns aus hat kein einziger Angriff auf die Türkei stattgefunden. Die Türkei will ein von Nordsyrien bis zum Irak reichendes Gebiet besetzen, denn hier gibt es Bodenschätze wie Erdöl. Sie betrachtet diese Gegend als ihr eigenes Territorium. Es handelt sich jedoch um die Besetzung von Teilen eines anderen Landes.
In die Türkei migrierte Syrer werden benutzt
Die Türkei benutzt für ihren Angriff junge Menschen, die aus Syrien in die Türkei migriert sind. Sie hat sie alle betrogen und um sich gesammelt. Wenn diese Menschen aus freiem Willen zurückkehren möchten, heißen wir sie willkommen und leben mit ihnen zusammen. Das geht jedoch nicht mit einer Invasion. Es geht nicht, wenn Kinder und Frauen getötet werden und es zu Folter und Plünderung kommt. Unsere Kultur sieht vor, dass ein Brot in zwei Stücke geteilt und unseren Geschwistern gegeben wird. Alles andere können wir nicht akzeptieren.
Syrische Regierung muss sich positionieren
Wir akzeptieren auch keine ausländischen Kräfte in unserem Land, weder die USA und Russland noch die Türkei. Die QSD sind unsere eigenen Kinder und unsere eigenen Kräfte. Sie schützen unser Land. Wir akzeptieren nur die QSD, alle anderen Kräfte müssen aus dem Gebiet abziehen. Die syrische Regierung muss sich viel eindeutiger gegen die Besatzungsangriffe der Türkei positionieren.
Wir werden unseren Boden selbst gegen die Angriffe verteidigen. Nach anderen Kräften besteht kein Bedarf. Sie müssen unsere Gebiete verlassen. Wir werden unser Land mit allen Bevölkerungsgruppen Syriens gemeinsam schützen. Wer nach Syrien zurückkehren möchte, ist willkommen. Diese Leute, die aus Idlib, Hama und Humus in die vermeintliche ‚Sicherheitszone‘ gebracht werden, werden wir jedoch niemals akzeptieren. Wir lehnen eine Zersplitterung Syriens ab. Es gibt nur ein Syrien. Wir wollen ein demokratisches Modell für alle Bevölkerungsgruppen aufbauen. Dieses Modell ist nicht auf Syrien begrenzt, es kann auch in den Nachbarländern als Beispiel für Demokratie und die Rechte aller Völker genommen werden. Die QSD und die Autonomieverwaltung haben eine Lücke gefüllt und die Region geschützt. Das kann unmöglich ignoriert werden.
Botschaft an protürkische Araber
In Syrien ist für alle Platz. In dem Kampf, der in dieser Region geführt wurde, sind auch viele Araber gefallen. Meine eigenen Verwandten sind im Kampf gegen den IS gefallen. Wir können es nicht zulassen, dass sich Kräfte in der Region niederlassen, die den Islamisten den Weg ebnen. Ich möchte etwas zu den Angreifern auf uns sagen, insbesondere zu den Arabern, die auf den türkischen Staat bauen. Sie sollten wissen, dass der türkische Staat nicht ewig bleiben wird. Eines Tages werdet ihr in euer eigenes Land und zu seinen Menschen zurückkehren. Es ist nicht der türkische Staat, der euch verteidigt und sich eurer annimmt, wir sind es. Ich hoffe, dass ihnen diese Realität bewusst wird. Wir leben geschwisterlich in diesem Land. Diesen Leuten sollte klar sein, dass sie von der Türkei bloß benutzt werden. Lasst euch nicht vom türkischen Staat in die Irre führen.“

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