Kollektive Verteidigung in Rojava
Im Rahmen einer allgemeinen Mobilmachung organisiert sich die Bevölkerung Nordostsyriens gegen Angriffe auf das Projekt Rojava. Spontan errichtete Verteidigungsposten und Nachbarschaftskomitees prägen weiterhin das Bild vieler Städte.
Seit dem 6. Januar hält die Bevölkerung Rojavas einer großangelegten militärischen Offensive stand. Die Angriffe werden von einer Allianz aus Truppen der syrischen Übergangsregierung, diversen Dschihadistenmilizen und dem türkischen Staat getragen. Inmitten dieser anhaltenden Eskalation organisiert sich die Gesellschaft Rojavas weiterhin selbst – mit Entschlossenheit und im Geist kollektiver Verantwortung.
Seit Wochen halten die Menschen in Rojava nun ununterbrochen Wache: In Stadtvierteln, Dörfern und an Zufahrtsstraßen wurden Kontrollpunkte errichtet, Komitees gebildet und kollektive Verteidigungsstrukturen aktiviert. Die Organisierung erfolgt über kommunale Strukturen, die bereits in den Jahren zuvor im Rahmen der Demokratischen Selbstverwaltung etabliert wurden. Frauen spielen dabei eine führende Rolle.

Gesellschaftliche Verteidigung als kollektive Praxis
Die gesamte Gesellschaft – insbesondere Frauen, Jugendliche und ältere Menschen – beteiligt sich aktiv an der Verteidigung ihrer Lebensgrundlagen. In vielen Orten sichern die Menschen eigenständig ihre Nachbarschaften gegen Eindringlinge ab. Auch gegen die psychologischen Angriffe, etwa durch gezielte Desinformation und propagandistische Kampagnen in sozialen Medien, leisten die Menschen Widerstand.

Zugleich kümmern sich die lokalen Komitees auch um Binnenvertriebene: Viele Familien aus Efrîn, Serekaniyê, Girê Spî, Raqqa und Tabqa mussten bereits in früheren Kriegsphasen ihre Heimat verlassen. Nun sorgen organisierte Strukturen in den Aufnahmestädten dafür, dass sie mit Lebensmitteln, Heizmaterial und Unterkunft versorgt werden, oft unter schwierigen Bedingungen und inmitten der aktuellen Bedrohungslage.

Widerstand für die Errungenschaften der Revolution
Immer wieder bekräftigt die Bevölkerung ihren Willen, die Werte und Errungenschaften der Rojava-Revolution zu verteidigen. Dazu zählen Selbstverwaltung, Frauenbefreiung, ein demokratischer Umgang mit Vielfalt und der Aufbau lokaler Ökonomie. „Wir werden nicht zulassen, dass Banden unsere Städte betreten“, ist immer wieder zu hören. Die Menschen sehen sich als aktive Verteidiger:innen eines Projekts, das jenseits staatlicher Repression auf soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und kollektive Organisation setzt.

Trotz widriger Bedingungen bleibt die Entschlossenheit spürbar: Die Bevölkerung von Rojava stellt sich nicht nur militärischer Gewalt entgegen, sondern auch allen Versuchen, die Gesellschaft durch Blockaden, Belagerung und Angst zu zermürben. Der Geist des zivilgesellschaftlichen Widerstands lebt: auf den Straßen, an den Kontrollpunkten und in den Häusern der Basis.
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