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Bericht: Bis zu 18.000 Tote bei Protesten in Iran und Rojhilat


Laut neuen Recherchen könnten bei den landesweiten Protesten in Iran bis zu 18.000 Menschen getötet worden sein – weit mehr als bisher angenommen. Besonders hohe Opferzahlen gibt es in Rojhilat.

Besonders hohe Opferzahlen in Ostkurdistan
 
ANF / REDAKTION, 19. Jan. 2026.

Die Zahl der Todesopfer infolge der Proteste gegen das iranische Regime könnte deutlich höher liegen als bislang bekannt. Nach einem Bericht der Londoner Zeitung „The Sunday Times“ sollen zwischen 16.500 und 18.000 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Zahlen stützen sich demnach auf Angaben von medizinischem Personal aus 16 Notaufnahmen und acht spezialisierten Augenkliniken im ganzen Land.

Allein in der Noor-Augenklinik in Teheran seien rund 7.000 Augenverletzungen dokumentiert worden. Landesweit sollen zwischen 700 und 1.000 Personen ein Auge verloren haben – infolge gezielter Schüsse durch Regimekräfte. Die Gesamtzahl der Verletzten wird auf bis zu 360.000 geschätzt.

Erstmals hat nun auch Irans oberster Führer Ali Chamenei eingeräumt, dass es „Tausende Tote“ gegeben habe. Ein Regierungsvertreter, der anonym mit der Nachrichtenagentur Reuters sprach, nannte die Zahl von mindestens 5.000 Todesopfern, darunter rund 500 Angehörige des Sicherheitsapparats. Er machte „Terroristen und bewaffnete Randalierer“ für die Tötung „unschuldiger Iraner“ verantwortlich.

Besonders hohe Opferzahlen habe es laut dem Regierungsvertreter in den kurdischen Gebieten gegeben. Dort sei es zu den heftigsten Zusammenstößen gekommen. „Israel und bewaffnete Gruppen im Ausland“ hätten die Demonstrierenden unterstützt und ausgerüstet, sagte er weiter – ein Narrativ, das seit Jahren als Rechtfertigung für die Repression gegen Proteste und marginalisierte Bevölkerungsgruppen dient.

Internetsperre erschwert Aufklärung

Das in den USA ansässige Menschenrechtsnetzwerk HRANA meldete am Sonntagabend 3.919 bestätigte Todesfälle, während weitere 8.949 Fälle noch geprüft würden. Mindestens 24.669 Personen seien im Zuge der Proteste festgenommen worden. Die Angaben lassen sich derzeit nicht verifizieren. Am 8. Januar hatte das Regime den Zugang zum Internet blockiert, seither ist die Berichterstattung stark eingeschränkt. Aktivist:innen versuchen, über das Satelliten-Internet Starlink von SpaceX den Informationsfluss aufrechtzuerhalten.

Von ökonomischem Zorn zum politischen Aufstand

Auslöser der Proteste war die dramatische wirtschaftliche Lage in Iran mit Hyperinflation, Massenarmut und Korruption auf allen Ebenen. Doch aus anfänglicher Wut über Lebenshaltungskosten wurde rasch ein landesweiter politischer Aufstand gegen das autoritäre System der Islamischen Republik. Getragen werden die Proteste maßgeblich von Frauen, Jugendlichen, Studierenden und Minderheiten.

 

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