Analyse: Zwischen Stellvertretern und Strategien: Die fragile Ordnung in Syrien
Wie belastbar ist die neue Ordnung in Syrien? Journalist Aykan Sever analysiert die widersprüchlichen Interessen von USA, Türkei, Israel und HTS und warnt vor wachsender Unsicherheit, anhaltender Gewalt und einer realen Bedrohung für Rojava.
In seiner aktuellen Analyse zeichnet der Journalist und Autor Aykan Sever ein vielschichtiges Bild der sich wandelnden geopolitischen Ordnung in Syrien. Im Spannungsfeld zwischen den USA, der Türkei, Israel und regionalen Akteuren wie „Hayat Tahrir al-Sham“ (HTS) identifiziert er fragile Allianzen, strukturelle Bruchlinien und widersprüchliche Interessen. Zentral ist dabei die Kritik an der US-Strategie, die auf eine Neustrukturierung Syriens unter Einbindung von HTS zielt – ein Vorhaben, das aus Severs Sicht an inneren Widersprüchen scheitert. Verschärft wird die Lage durch das anhaltende Zerwürfnis zwischen Ankara und der israelischen Regierung, das sich zunehmend auf das syrische Kriegsgebiet überträgt. Auch die Bedrohungslage in Rojava sowie die Aufhebung der Caesar Acts verortet Sever als Faktoren, die die politische Unsicherheit in der Region weiter vertiefen.
„Sie betrachten Syrien als formbares Material“
Sever führt aus, dass Syrien von einer Vielzahl internationaler und regionaler Akteure als strategisches Konfliktfeld betrachtet werde – ein Umstand, der sich aus der geopolitischen Lage des Landes ergibt. Vom östlichen Mittelmeerraum bis zur geplanten Neugestaltung des Nahen Ostens spiele Syrien eine Schlüsselrolle, was jede Entwicklung im Land in einen mehrschichtigen Konkurrenzkampf um Einfluss verwandle: „Syrien wird als formbare Masse verstanden – und zwar von einer ganzen Reihe von Akteuren. Dazu zählen die Vereinten Nationen, die Europäische Union, ebenso wie Russland, die USA, die arabischen Staaten, die Türkei, Israel und Frankreich. Die strategische Bedeutung Syriens ist sowohl in Bezug auf die Kontrolle über den östlichen Mittelmeerraum als auch im Kontext einer möglichen geopolitischen Neuordnung des Nahen Ostens enorm. Syrien ist nicht nur Syrien; wie so oft gilt, dass kein Konflikt in einer Region ausschließlich auf sich selbst beschränkt bleibt.“
In diesem Zusammenhang betont Sever die Vielschichtigkeit der internationalen Einmischung. Jede beteiligte Macht versuche, ihre eigenen Interessen im syrischen Raum zu verankern. So habe die EU ihr Personal entsendet, um politischen Einfluss zu sichern, während sich auch die UN weiter bemühten, über diplomatische Kanäle Einfluss auf die Entwicklung in Syrien zu nehmen. Russland wiederum strebe Abkommen mit der HTS-Regierung an, um seine bestehende Position in der Region zu behaupten. Die zentrale Rolle jedoch spielten nach wie vor die Vereinigten Staaten.
US-Hegemonie und Nahost: Monroe-Doktrin 2.0
Aykan Sever zufolge verfolgt Donald Trump eine globale Ordnungsvorstellung, die die USA im Zentrum sieht und auf einer hegemonialen Neuinterpretation der Monroe-Doktrin basiert. Ziel sei es, unter amerikanischer Führung eine weltweite Vormachtstellung zu sichern – mit einem besonderen Fokus auf Europa. Doch die Realität erfordere zwangsläufig auch eine Ausweitung dieser Strategie auf den Nahen Osten: „Selbst wenn das Hauptaugenmerk auf Westeuropa und der EU liegt – wer dort hegemonial agieren will, kann sich dem Nahen Osten nicht entziehen.“
Wie Trump diesen Anspruch praktisch umzusetzen versucht, lasse sich auch an seinen Reaktionen auf aktuelle Ereignisse ablesen – etwa auf den tödlichen Angriff bei Palmyra, bei dem drei US-Amerikaner getötet wurden. Laut Sever offenbare sich hier eine strategische Simplifizierung: „Trump reagiert nicht mit komplexer Analyse, sondern reduziert das Geschehen auf bekannte Schlagworte, etwa indem er auf den Islamischen Staat (IS) verweist und damit das politische Umfeld ausblendet. Auch in Bezug auf Akteure wie Ahmed al-Scharaa, Erdoğan, Netanjahu oder Kronprinz Mohammed bin Salman zeigt sich dieses Denken: Für Trump sind sie alle machtvolle Figuren, die er als mögliche Stellvertreter in seinem geopolitischen Kalkül einsetzen will.“
Die USA, so Sever, setzten damit auf eine individualisierte Machtlogik – jenseits langfristiger Strategien oder institutioneller Verantwortung. Statt kohärenter Ordnungspolitik dominiere ein Denken in kurzfristigen, personalisierten Allianzen.
Aykan Sever | Foto: privat
Eine „NATO des Nahen Ostens“ als hegemoniale Utopie
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen geht Sever auf die mit den Abraham-Abkommen verbundenen Blockbildungen ein, die auf eine strukturelle Neugestaltung der Region zielen. Seiner Einschätzung nach handelt es sich dabei nicht nur um eine politische Allianz, sondern auch um den Versuch, ein sicherheitspolitisches Bündnissystem zu etablieren, in dem Israel eine zentrale Rolle einnehmen soll: „Im Rahmen der Abraham-Abkommen wird nicht nur ein politischer Block angestrebt, sondern explizit auch ein militärischer. Man kann von dem Versuch sprechen, eine Art ‚NATO des Nahen Ostens‘ zu konstruieren – mit Israel als Dreh- und Angelpunkt.“
Obwohl Sever die Machbarkeit eines solchen Projekts infrage stellt, verweist er auf die strategische Logik dahinter. Insbesondere die Kontrolle über Energie- und Versorgungskorridore sei im Kontext der neuen Monroe-Doktrin zentral. Regionen wie die Straße von Hormus, das Rote Meer oder die Verbindungen von Indien nach Europa gelten demnach als geopolitisch hochrelevant. Vor diesem Hintergrund erklärt Sever das Interesse der USA und ihrer Verbündeten, etwa im Jemen Kontrolle auszuüben und den Einfluss von Iran am Persischen Golf zurückzudrängen.
Die Grenzen der US-Strategie im Nahen Osten
Aykan Sever zufolge offenbart der Nahe Osten eine strukturelle Unbeherrschbarkeit, die jegliche Vorstellung vollständiger Kontrolle illusorisch erscheinen lässt. Wer nicht in der Lage sei, die Region als Ganzes zu dominieren, könne auch in keinem ihrer Teile nachhaltige Hegemonie ausüben. In diesem Licht sei das amerikanische Bestreben, den Nahen Osten nach eigenen Vorstellungen zu modellieren, zum Scheitern verurteilt – wie sich exemplarisch am Beispiel Syriens zeige: „Die US-Administration entwirft eine Wunschvorstellung des Nahen Ostens, doch ob sie diese realisieren kann, ist mehr als fraglich. Zumindest in Syrien sehen wir bereits, dass sie dazu nicht in der Lage ist. Der Versuch basiert auf mechanischen Kalkülen. Es herrscht die Illusion, dass imperiale Akteure über ausgefeilte Strategien verfügen, alles wissen und alles kontrollieren könnten. Doch das entspricht nicht der Realität.“
Ein zentrales Hindernis in diesem Kalkül sieht Sever in der strukturellen Unzulänglichkeit der selbsternannten Übergangsregierung aus HTS. Diese sei aufgrund ihrer ideologischen Ausrichtung nicht in der Lage, ein inklusives Gesellschaftsmodell für Syrien zu bieten – eine grundlegende Voraussetzung für jegliche Form von Stabilität. „Jede Beobachterin und jeder Beobachter vor Ort kann erkennen, dass das derzeitige Damaskus strukturell defizitär ist, insbesondere in Bezug auf Kontrolle und Inklusivität. Von Demokratie ganz zu schweigen – ein solcher Anspruch lässt sich in Trumps Syrien-Politik ohnehin nicht erkennen. Aber auch innerhalb eines sunnitisch-arabischen Rahmens, den HTS als Grundorientierung gewählt hat, bleibt kein Raum für die Einbindung von Minderheiten wie Alawit:innen, Drus:innen, Kurd:innen oder Armenier:innen. Eine von Anfang an exkludierende Haltung verhindert jegliche Integration.“
Sever verweist dabei auf ein Treffen zwischen dem selbsternannten syrischen Übergangspräsidenten al-Scharaa und Vertretern der alawitischen Gemeinschaft, das von letzteren im Nachgang als rein symbolisch und ohne Garantien für Sicherheit oder Existenzrechte eingestuft wurde. Auch die Lage der Drus:innen und Kurd:innen bleibe prekär – sie befänden sich weiterhin in einer verletzlichen, von Angriffen bedrohten Position. In dieser Konstellation sei die von den USA favorisierte Integration laut Sever kaum umsetzbar: „Die ideologische Grundhaltung – tief verwurzelt im dschihadistischen, schariabezogenen Denken – prägt weiterhin das politische Handeln von HTS. Daraus ergibt sich ein Staatsentwurf, der weder Inklusion zulässt noch von anderen akzeptiert werden kann. Man erwartet, dass sich alle diesem Modell unterwerfen, notfalls mit Zwang.“ Vor diesem Hintergrund sei es höchst unwahrscheinlich, dass die unter der Trump-Doktrin entworfene Ordnung in Syrien oder im weiteren Nahen Osten je Wirklichkeit werden könnte.
Unvereinbarkeit der US-Strategie mit der Struktur von HTS
Aykan Sever analysiert die anhaltenden Widersprüche zwischen dem, was die USA in Syrien aufzubauen versuchen, und der realen Struktur von HTS. Insbesondere hebt er hervor, weshalb das am 10. März unter amerikanischem Druck geschlossene Abkommen zwischen Damaskus und der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) mit großer Skepsis betrachtet wird. Die syrische Regierung, so Sever, befürchte einen Kontrollverlust über zentrale sicherheits- und verwaltungspolitische Bereiche, weshalb sie das Abkommen faktisch nicht umsetzen wolle. Die Reaktion der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) auf den Angriff in Palmyra dagegen markiert laut Sever einen Wendepunkt in der Positionierung gegenüber Washington. Die QSD hätten dabei zwei zentrale Botschaften vermittelt: „Erstens erinnerten sie die USA daran, dass sie ein verlässlicher Bündnispartner sind – was sich in einer kritischeren Berichterstattung über HTS in amerikanischen Medien niederschlug. Zweitens erklärten sie ihre Bereitschaft, im gesamten syrischen Staatsgebiet gegen den IS zu kämpfen.“
Diese strategische Neupositionierung sei zwar auch ein Versuch gewesen, die eigene politische Stellung zu festigen, habe jedoch nicht dazu geführt, dass Washington von seinem Kurs abgerückt sei. Die Signale aus der US-Administration deuteten vielmehr darauf hin, dass weiterhin auf HTS gesetzt werde – trotz aller internen wie externen Widersprüche: „Die amerikanische Linie bleibt HTS-zentriert. Nahezu alle relevanten internationalen Akteure, die ich eingangs genannt habe, verfolgen derzeit eine Syrienpolitik, in deren Mittelpunkt HTS steht.“ Mit dieser Einschätzung macht Sever deutlich, dass die tiefgreifenden strukturellen Unvereinbarkeiten zwischen der von den USA angestrebten Ordnung und der faktischen Verfasstheit von HTS weiterhin ignoriert oder unterschätzt werden – mit weitreichenden Folgen für die Stabilität und die sozialen Dynamiken in Syrien.
Israels rote Linien
Im Gegensatz zu anderen internationalen Akteuren nimmt Israel in der Syrienfrage eine klar abweichende Haltung ein. Aykan Sever zufolge verfolgt die Regierung von Benjamin Netanjahu eine Politik definierter roter Linien, die sowohl auf geostrategischen als auch auf sicherheitspolitischen Erwägungen beruhen. Drei Aspekte stehen dabei im Vordergrund: „Erstens möchte Israel nicht, dass al-Scharaa zu einer Marionette der Türkei wird. Eine dauerhafte türkische Präsenz entlang der syrischen Grenze oder in unmittelbarer Nähe zu von Israel kontrollierten Gebieten wird entschieden abgelehnt. Zweitens verfolgt Israel das Ziel, die drusische Gemeinschaft als Pufferstruktur zu erhalten, weshalb deren Sonderstatus gewahrt bleiben soll. Und drittens lehnt Israel die Etablierung eines Scharia-Staates in Syrien ab, der aus israelischer Sicht ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen würde.“
Die jüngsten Demonstrationen in Syrien, bei denen antiisraelische Parolen skandiert wurden, stehen nach Sever im Widerspruch zu früheren Haltungen innerhalb der HTS-nahen Milieus. Während etwa die Tötung von Hisbollah-Kommandeuren in der Vergangenheit von HTS-Anhängern gefeiert wurde, sei nun eine zunehmende Fragmentierung und ideologische Unschärfe innerhalb der Gruppe zu beobachten – ein Resultat ihrer heterogenen Zusammensetzung und historisch gewachsener Nähe zu Organisationen wie dem IS.
Ideologische Leerstelle im Westen: Warum der IS nicht verschwindet
Sever kritisiert in diesem Zusammenhang die oberflächliche Herangehensweise westlicher Staaten an den sogenannten Krieg gegen den Terror. Die politische Strategie gegenüber dem IS beschränke sich nach wie vor auf Kontrolle und militärische Maßnahmen, ohne die sozialen und ideologischen Wurzeln des Phänomens ernsthaft zu hinterfragen: „Der IS kann nicht allein durch militärische Mittel bekämpft werden, solange seine ideologische und gesellschaftliche Basis unangetastet bleibt. Westliche Akteure haben bislang weder die Entstehungsbedingungen analysiert noch eine kohärente Gegenstrategie entwickelt. Das politische Kalkül bleibt oberflächlich. Und genau das macht den IS langfristig überlebensfähig.“
Diese Kritik bettet Sever in eine grundsätzliche Analyse globaler sozialer Verwerfungen ein. Die strukturellen Defizite des Kapitalismus, insbesondere in Ländern mit hoher muslimischer Bevölkerung wie in Afrika, führten zu wachsender Perspektivlosigkeit, wirtschaftlichem Niedergang und einem Fehlen gesellschaftlicher Alternativen – ein Nährboden für radikale Ideologien: „In einer solchen Situation erscheint der Anschluss an eine militante Gruppe für viele Jugendliche als letzter Ausweg. Das ist keine individuelle, sondern eine kollektive Verantwortung und sie betrifft die internationale Gemeinschaft als Ganze. Doch die Realität zeigt, dass die tieferliegenden Ursachen nicht erkannt oder bewusst ignoriert werden. Die Vorstellung, dass kurzfristige Maßnahmen oder oberflächliche Politiklösungen die Probleme beheben könnten, ist ein fataler Irrtum.“
Die Türkei und der anhaltende Druck auf Rojava
Aykan Sever zufolge ist der Versuch, die Spannungen zwischen Israel und der Türkei zu entschärfen, maßgeblich an der Eskalation im Gazastreifen gescheitert. Die diplomatischen Gespräche – etwa das Treffen des Sonderbeauftragten der USA für Syrien, Tom Barrack, mit dem israelischen Premierminister Netanjahu und dem türkischen Außenminister Hakan Fidan – zielten auf eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen. Doch insbesondere die Möglichkeit eines türkischen Militäreinsatzes in Gaza blockiere diesen Prozess nachhaltig: „Es gibt Bemühungen um eine Annäherung zwischen Israel und der Türkei, doch der Gazastreifen bleibt ein unüberwindbares Hindernis. Bei einem Gipfel in Doha wurde die Türkei trotz breiter internationaler Beteiligung nicht eingeladen – ein deutliches Signal dafür, dass Israel Ankara als Störfaktor betrachtet. Insbesondere die Sorge, türkische Truppen könnten in Gaza verbleiben, sobald sie dort einmarschiert sind, verstärkt das israelische Misstrauen.“
Solange dieser grundsätzliche Dissens nicht überwunden ist, so Sever, werde sich die Gegnerschaft beider Staaten auch auf syrischem Boden fortsetzen. Die aggressive Haltung der Türkei gegenüber Rojava sei dabei ein permanenter Krisenherd mit erheblichem Eskalationspotenzial. Im Kern dieser Bedrohung liege die türkische Ablehnung jeglicher kurdischer Autonomie: „Aus Sicht des türkischen Staates darf es in Syrien keine kurdische Selbstverwaltung geben. Ziel ist es, die Region zu entwaffnen, zu entmachten und letztlich zur Kapitulation zu zwingen.“ Sever warnt vor der realen Gefahr eines Völkermords an der kurdischen Bevölkerung in Rojava. Zwar existiere dort eine gewisse politische und militärische Selbstorganisierung, doch die Bedrohungslage sei keineswegs gebannt: „Die Gefahr eines Genozids ist nicht vom Tisch. Sie ist nicht akut, aber sie ist spürbar als konstant mitschwingende Drohung. Ob es dazu kommt, ist ungewiss. Doch die Möglichkeit besteht, und sie sollte sehr ernst genommen werden.“
Diese latente Bedrohung werde zusätzlich durch die innenpolitische Entwicklung in der Türkei und durch Ankaras expansive Ambitionen im Nahen Osten begünstigt. Sever appelliert in diesem Zusammenhang an die internationale Öffentlichkeit, sich nicht auf beschwichtigende Erwartungen zu verlassen: „Die Annahme, dass die USA oder andere Staaten einen Angriff verhindern würden, ist trügerisch. Was wir in Palästina gesehen haben, zeigt: Appelle, Erklärungen und diplomatische Initiativen folgen meist erst, wenn es bereits zu spät ist. Konkrete Schutzmaßnahmen werden im Ernstfall nicht ergriffen.“
Aufhebung des Caesar-Acts
Sever kommentierte auch die Aufhebung der US-amerikanischen Caesar-Sanktionen gegen Syrien, die ursprünglich zur wirtschaftlichen Isolierung des Assad-Regimes eingeführt worden waren. Zwar sei der Schritt politisch noch nicht abschließend formalisiert, jedoch markiere er eine klare Kehrtwende in der Syrien-Politik Washingtons. „Die Aufhebung ist an Bedingungen geknüpft. So soll weiterhin regelmäßig über die innenpolitische Lage in Syrien berichtet werden, insbesondere im Hinblick auf Reformfortschritte und regionale Stabilität“, erklärte Sever.
Besonders relevant sei der Schritt mit Blick auf die Interessen Israels, die Rolle der QSD und die ambivalente Position des syrischen Übergangspräsidenten. „Auch wenn es nicht offen ausgesprochen wird, erwarten Teile der internationalen Gemeinschaft, dass Syrien künftig in sicherheitspolitische Abkommen eingebunden wird – etwa durch eine Annäherung an die Abraham-Abkommen oder durch eine geregelte Einbindung der QSD.“ Al-Scharaas Handlungsspielraum bleibe indes begrenzt: „Er hat weder die vollständige Kontrolle über seine eigene Organisation bzw. Regierung, noch ist er für externe Akteure wie die USA ein verlässlicher Partner. Viele seiner Kommandeure stammen ursprünglich aus IS-nahen Strukturen. Das lässt sich nicht allein durch einen Uniformwechsel ändern.“
Al-Scharaa versuche zwar, sich als souveräner Akteur in der Region zu behaupten, doch die Vielzahl konkurrierender Interessen mache seine Position instabil. „Ein Machtvakuum oder eine Schwäche können schnell von anderen Akteuren genutzt werden“, so Sever. Sollte das Vertrauen internationaler Partner ausbleiben, sei auch die Zukunft des von dem HTS-Anführer angestrebten zentralisierten Verwaltungsmodells ungewiss. Abschließend betonte Sever die Bedeutung eines inklusiven politischen Modells für Syrien und die gesamte Region: „Letztlich geht es darum, Bedingungen für ein demokratisches Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen zu schaffen. Wenn wir die Konflikte in Syrien ignorieren, werden sie früher oder später auch uns betreffen. Rassistische oder hegemoniale Narrative bieten keine Lösung – weder für Syrien noch für die Türkei.“
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