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Uni-Aufnahmeprüfung in Nord- und Ostsyrien

 


In Nord- und Ostsyrien haben am Samstag mehr als 2.300 Schüler:innen an den zentralen Aufnahmeprüfungen für Universitäten und Hochschulen teilgenommen. Die Prüfungen fanden in insgesamt neun Prüfzentren in sechs Städten statt.

Über 2.300 Schüler:innen nehmen teil
 
ANF / QAMIŞLO, 27. Sept. 2025.

In der Autonomieregion Nord- und Ostsyriens ist am Samstag die zentrale Aufnahmeprüfung für das akademische Jahr 2025–2026 durchgeführt worden. Nach Angaben der zuständigen Prüfungskommission nahmen insgesamt 2.320 Bewerber:innen an dem Auswahlverfahren teil.

Die Prüfungen fanden in neun Prüfzentren statt, darunter in den Städten Qamişlo, Hesekê, Girkê Legê, Kobanê, Raqqa sowie in den Stadtteilen Şêxmeqsûd und Eşrefiye von Aleppo. Die Ergebnisse sollen am 1. Oktober bekannt gegeben werden. Ab dem 2. Oktober können die erfolgreichen Kandidat:innen ihre Studienplatzwünsche einreichen und sich offiziell bewerben.

Lokale, muttersprachliche und gesellschaftlich relevante Bildung

Seit der Etablierung der Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien entstanden ab 2014 mehrere unabhängige Universitäten und Fachhochschulen, die parallel zum zentralstaatlichen Bildungssystem operieren. Sie sind Ausdruck des politischen und gesellschaftlichen Aufbaus in der Region und sollen insbesondere jungen Menschen Zugang zu lokaler, muttersprachlicher und gesellschaftlich relevanter Bildung ermöglichen.

Zu den wichtigsten Einrichtungen zählen die Universität von Rojava in Qamişlo, die Universität Kobanê, die Universität Al-Sharq in Raqqa sowie mehrere Fachinstitute in Städten wie Hesekê und Girkê Legê. Das Studienangebot reicht von Agrar- und Ingenieurwissenschaften über Jura, Pädagogik und Sprachen bis hin zur Jineolojî, der Wissenschaft der Frauen, und kommunaler Verwaltung.

Nicht nur Ausbildungsstätten, sondern Teil des Transformationsprozesses

Der Unterricht erfolgt je nach Studiengang in Kurdisch, Arabisch, Aramäisch oder Englisch. Besonders betont werden gesellschaftliche Teilhabe, kritisches Denken und die Verankerung in lokalen Strukturen. Viele der Hochschulen verstehen sich nicht nur als Ausbildungsstätten, sondern als Teil des politischen und sozialen Transformationsprozesses in der Region.

Der Zugang zu einem Studienplatz erfolgt über eine zentrale Aufnahmeprüfung, die einmal jährlich in mehreren Städten durchgeführt wird. Die erreichte Punktzahl entscheidet über die Auswahlmöglichkeiten bei der Studienplatzvergabe.

Trotz dieser Entwicklungen ist das Hochschulsystem mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert – darunter die fehlende internationale Anerkennung der Abschlüsse, begrenzte Ressourcen, infrastrukturelle Einschränkungen und die anhaltende militärische Bedrohung durch die Türkei oder Grenzblockaden. Dennoch wird es in Nord- und Ostsyrien als bedeutender Schritt zur Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Stabilisierung verstanden.

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