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Hetzjagden in der Türkei, Tote bei Protesten in Syrien

 


Während die Hetzjagd auf syrische Geflüchtete in Kayseri auf andere Städte in der Türkei übergreift, kommt es in der türkischen Besatzungszone in Syrien zu massiven Protesten.

Syrische Flüchtlinge und türkische Besatzungszone

Die Hetzjagd gegen syrische Geflüchtete in der Türkei ist auf weitere Städte übergegriffen. In Kayseri hat am Sonntag ein Mob Geschäfte und Wohnhäuser angegriffen, nachdem zuvor ein Syrer wegen mutmaßlicher Belästigung eines Kindes festgenommen worden war. Am Montag kam es auch in den Provinzen Hatay, Bursa, Kilis, Adana, Dîlok (tr. Gazitantep), Izmir und Istanbul zu rassistischen Ausschreitungen. In digitalen Netzwerken wurde ein Video verbreitet, demnach ein Syrer in Dîlok durch Messerstiche verletzt worden sein soll.

Die DEM-Partei spricht von pogromartigen Angriffen und warnt vor den Folgen. Die DEM-Abgeordnete Dilan Kunt fordert einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss und Schutzvorkehrungen an Orten, in denen besonders viele Syrerinnen und Syrer leben. „Die Angriffe in Kayseri sind weit über die Reaktion auf einen Missbrauchsfall hinausgegangen und haben als Ergebnis jahrelanger Manipulation, Provokation und Hassrede die Form eines Pogroms gegen syrische Schutzsuchende angenommen“, stellte Kunt heute in einem Antrag an den parlamentarischen Menschenrechtsausschuss fest. In Kayseri seien keine effektiven Maßnahmen gegen die Ausschreitungen getroffen worden und es bestehe das Risiko, dass es zu Toten komme. Die Hetze sei über die Medien angeheizt worden und habe schnell auf andere Städte übergegriffen, so die Abgeordnete.

Proteste in Syrien

Unterdessen kommt es in den von der Türkei besetzten Gebieten in Nordsyrien zu gewalttätigen Protesten, nachdem der türkische Präsident eine Annäherung an die syrische Regierung in Aussicht gestellt hat. Tayyip Erdoğan erklärte am 28. Juni, es gebe keinen Grund, die diplomatischen Beziehungen mit dem Assad-Regime nicht wieder aufzunehmen. Für die bewaffneten Gruppen in Syrien, die von der Türkei seit 2011 unterstützt und als Söldner eingesetzt werden, ist diese Botschaft bedrohlich. Nach der Hetzjagd gegen syrische Geflüchtete in der Türkei sind in der türkischen Besatzungszone in Syrien massive Proteste ausgebrochen. In Efrîn, Bab, Azaz und anderen Orten wurden türkische Fahnen abgenommen und verbrannt, Fahrzeuge mit türkischen Kennzeichen sind angegriffen und zerstört worden. Es wird von Angriffen auf türkische Stützpunkte berichtet. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) sind bei den Protesten bisher sieben Personen ums Leben gekommen, davon sechs in Efrîn und eine bei dem Versuch, einen türkischen Grenzposten bei Dscharablus zu stürmen. Die Türkei hat laut SOHR vier Grenzübergänge geschlossen.

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