Idlib (SSyrien) 5 Monate nach dem Erdbeben: “Wir brauchen Hilfe, um ins Leben zurückzufinden!”

"adopt a revolution"


Unsere Partner*innen in Syrien haben nach den verheerenden Erdbeben durch Ihre Spenden helfen können. Dennoch brauchen sie weiterhin Ihre Unterstützung. Ein Lagebericht.

Unsere Partner vom Hooz-Zentrum helfen beim Wiederaufbau

Die eingestürzten Häuser bilden eine unförmige Masse aus geborstenen Betonplatten, durch die sich Bündel von verbogenen Stahlstangen schlängeln. Helfer graben sich mit bloßen Händen durch den Schutt, um sie herum türmen sich die Trümmerberge. Ein Bild der Zerstörung, doch es stammt nicht aus der Zeit vor fünf Monaten, direkt nach den verheerenden Erdbeben in der Türkei und Syrien. Das Video wurde vor wenigen Tagen aufgenommen.

Denn das ist die traurige Realität: In den Katastrophenregionen in Nordwestsyrien kamen bis heute kaum internationale Hilfen an. Die Menschen leben weiterhin in den Trümmern ihrer Existenzen oder mussten in Notlager umziehen. Insgesamt forderte die Katastrophe in Syrien mehr als 7.000 Todesopfer, 8,8 Millionen Menschen waren oder sind immer noch von den Folgen betroffen. Weiterhin gibt es bspw. kein schweres Gerät, um die letzten verschütteten Opfer zu bergen. 

Unsere Partner*innen gehören – obwohl alle selbst betroffen – zu den ersten Nothelfer*innen in der Krisenregion. Seit dem Tag der Katastrophe verteilten sie Essen, organisierten medizinische Erstversorgung, unterstützen bei der Bergung der Toten und Verletzten und beim Aufbau der Notcamps. 

„Unsere wichtigste Aufgabe, ist es, in den Notlagern die Kinder zu schützen und insbesondere den betroffenen Frauen gezielt Unterstützung anzubieten.“

– Souad – Change Makers, Idlib

Camps sind keine Orte, in denen Menschen langfristig leben können – das ist unseren Partner*innen klar. Deshalb versuchen sie, Gebäude wieder instand zu setzen und beim Wiederaufbau zu unterstützen. Aber Sicherheit und Stabilität lassen sich nicht nur mit einem Dach über dem Kopf herstellen. 

Unsere Partnerin Huda vom Frauenzentrum Idlib ist eine ausgebildete psychosoziale Nothelferin. Sie weiß, wie wichtig es ist, den traumatischen Erlebnissen der Überlebenden einen Raum zu geben. Ihr Team hilft deshalb gezielt Frauen und Kindern durch verschiedene Gruppen-therapeutische Angebote, ihre traumatischen Erlebnisse im Zuge der Erdbeben zu verarbeiten.

Auch Traditionen können Halt schaffen. So begann ein paar Monate nach den Erdbeben der Ramadan. Die Change Makers in Idlib hatten sich eigens dafür ein Projekt überlegt: Die Ramadan-Küche. Dort kochten sie für Hunderte Menschen in den neu entstandenen Zeltstädten. Das war nicht immer einfach. 

„Das Ramadan Kitchen war sehr erfolgreich. Obwohl es eine große Herausforderung war, in den engen Zelten, die nicht gut ausgestattet sind, so viele Mahlzeiten zuzubereiten. In den Notcamps gibt es keine Kühlschränke, hohe Lebensmittelpreise und eingeschränkte Transportmöglichkeiten machen es schwer, frische Lebensmittel zu beschaffen.“

– Souad – Change Makers, Idlib

Doch unseren Partner*innen geht es auch um Präventionsmaßnahmen. Mit dem Anbar-Zentrum in Afrin probten sie den Katastrophenfall. In bisher zwei Erste-Hilfe-Kursen lernten bereits mehrere Dutzend Teilnehmende, wie sie Verletzte sicher abtransportieren, Knochenbrüche oder Verbrennung vor Ort behandeln und Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten können. 

“Die Idee dazu hatten wir, nachdem wir viele Verletzte gesehen haben, die nach den Erdbeben keine Erste Hilfe erhalten hatten. Das hätte aber viele Menschenleben retten können.”

– Ibrahim – Anbar Zentrum, Afrin

In Zukunft wollen sie möglichst viele weitere Menschen in den betroffenen Regionen in Erster Hilfe ausbilden.

Unsere Partner*innen vor Ort schaffen Großartiges, in dem sie seit dem ersten Tag Nothilfe leisten. 

 

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