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Nach dem Erdbeben: Immer noch kein sauberes Wasser in Hatay


Auch vier Monate nach dem Erdbeben haben die Menschen in der südtürkischen Provinz Hatay Schwierigkeiten beim Zugang zu sauberem Wasser.

Mit dem Erdbeben am 6. Februar in der türkisch-syrischen Grenzregion ist auch die Trinkwasserversorgung in vielen betroffenen Gebieten zusammengebrochen. In der besonders schwer getroffenen Provinz Hatay im Süden der Türkei stehen Menschen stundenlang Schlange, um gerade Mal 1,5 Liter sauberes Wasser zu erhalten. Denn Leitungswasser ist verunreinigt und verursacht sogar beim Waschen Hautreizungen und Infektionen. Gleichzeitig kassiert der Staat seit dem 31. Mai wieder Geld für die Wasser- und Stromversorgung und verlangt auch Nachzahlungen für die Monate direkt nach dem Beben.

Hilfe ist weg – Not ist geblieben

Seda Yüce ist Mitglied der Erdbebensolidarität in Hatay. Sie berichtet über die aktuelle Situation der Erdbebenopfer im ANF-Gespräch, dass sich ihre Probleme nicht geändert haben. Zwar wurde der Eindruck der Katastrophe durch die Anwesenheit von Hilfsorganisationen und Nichtregierungsorganisationen vor Ort zeitweise gemildert. Dies endete aber im April, als NGOs begannen, die Stadt nach und nach zu verlassen. Im Moment schultern die lokalen Solidaritätsinitiativen die humanitäre Arbeit praktisch alleine. „In der ersten Phase kam die Hilfe aus vielen Teilen der Türkei. Das ging nach dem Erdbeben zwei Monate so weiter. Feldküchen, Krankenhäuser und Apotheken wurden eingerichtet und die Hilfe wurde organisiert. Seit Ende April ist aber nicht mehr das gleiche Ausmaß an Aktivität vor Ort zu erkennen wie in den ersten Tagen. Ein Teil wurde abgezogen, weil die Hilfe in dieser Kontinuität nicht geleistet werden konnte. Die Probleme sind strukturell. Mit kurzfristigen oder provisorischen Lösungen kommt man nicht weiter als bis zu einem bestimmten Punkt. So sehr sich zivile Organisationen auch bemühen, sie können die vom Staat hinterlassene Lücke nicht füllen. Für die nächsten Schritte ist eine offizielle Planung und die Mobilisierung großer Ressourcen erforderlich. Für diese Regionen müssen spezielle Gesetze erlassen werden, Sonderbudgets eingerichtet und Personal bereitgestellt werden“, sagt Yüce.

Zwei Stunden Schlange stehen für 1,5 Liter Wasser

Yüce berichtet vom aktuell weiterhin schwierigen Trinkwasserzugang. Die CHP-geführte Stadtverwaltung von Hatay und andere Kommunen in der Provinz stellten außerdem nicht ausreichend Dienstleistungen bereit. Dies bedrohe die Gesundheit der Bevölkerung: „Die Menschen stehen für Trinkwasser an und es spielen sich unglaubliche Szenen ab. Sie stehen stundenlang Schlange, um eine 1,5-Liter-Flasche Wasser zu bekommen. Bei diesen heißen Temperaturen trinken sie das Wasser, das sie bekommen, um das, was sie beim Schlangestehen verloren haben, auszugleichen. Es gibt kein sauberes Wasser aus dem Leitungsnetz, der Verschmutzungsgrad des Wassers variiert von Region zu Region. Die Menschen baden und waschen ihre Kleidung mit Leitungswasser, aber sie bekommen Hautprobleme, Juckreiz, das Wasser verursacht Infektionen. Es gibt jetzt extrem viele Mücken und Fliegen in der Stadt. Es gibt ernsthafte Probleme bei der Müllabfuhr und -entsorgung. All diese Bedingungen erhöhen das Risiko von Epidemien. In Defne wurde ein staatliches Krankenhaus eröffnet, und es ist extrem überfüllt. Die Krankenhäuser können im Moment kaum bessere Dienste als die Gesundheitszentren anbieten. Kliniken sind nicht in der Lage, Tests und Untersuchungen durchzuführen. Viele Frauen gehen nicht ins Krankenhaus, weil die technische Ausstattung bei gynäkologischen Erkrankungen unzureichend ist. Wir beobachten, dass die Menschen nicht glauben, dass sie eine angemessene Behandlung erhalten würden.“

Wasserrechnungen werden ausgestellt

Yüce erklärt, dass die Bewohner:innen von schwer beschädigten und zerstörten Gebäuden von den Zahlungen der laufenden Kosten befreit wurden. Häuser, die nicht zerstört und obwohl sie unbewohnbar sind, als leicht und mittelschwer beschädigt eingestuft wurden, erhielten allerdings Strom- und Wasserrechnungen. Diese Rechnungen umfassten sogar die Monate nach dem Erdbeben, als es keinerlei Versorgung gegeben hat.

Bezahlen für Solidarität

Insbesondere Menschen, die andere mit Strom versorgten, da die Elektrizitätsversorgung teilweise zusammengebrochen war oder die Bergungsarbeiten mit Strom versorgten, kommen dadurch in extreme Nöte. Yüce berichtet, dass die Stromrechnungen bis zu 10.000 Lira (ca. 391 Euro) erreichen. Sie sagt: „Die Häuser in den Vierteln, die nicht eingestürzt waren, versorgten, wenn sie selbst überhaupt Strom hatten, ihre Nachbar:innen und die Zelte mit Strom. Sie teilten ihren Strom, damit die Menschen nicht frieren und im Dunkeln sitzen mussten. Abgerechnet wird aber nicht nur der Strom, den ein Haus verbraucht hat. Es gibt eine kollektive Stromnutzung. Diese Rechnungen können nicht bezahlt werden. Die Menschen haben keinen Lebensunterhalt, sie haben keine Arbeit. Sie sind hilflos. Sie versuchen, ihre eigenen Methoden zu entwickeln. Niemand lebt in den beschädigten Häusern. Sie gehen von Zeit zu Zeit nur in ihre Häuser, um sich zu versorgen. Wenn sie nach Hause kommen, finden sie die Rechnungen. Manche Leute warten auch vor ihren Häusern und versuchen, das Stromablesen zu verhindern. Es muss eine Regelung getroffen werden, dass die Rechnungen im Erdbebengebiet nicht erhoben werden. Die Gemeinden behaupten auf Widerspruch, dass sie den Strom ablesen müssten, weil sie keine andere Entscheidung mitgeteilt bekommen hätten.“

Immer noch kein sauberes Wasser in Hatay

Auch vier Monate nach dem Erdbeben haben die Menschen in der südtürkischen Provinz Hatay Schwierigkeiten beim Zugang zu sauberem Wasser.

Mit dem Erdbeben am 6. Februar in der türkisch-syrischen Grenzregion ist auch die Trinkwasserversorgung in vielen betroffenen Gebieten zusammengebrochen. In der besonders schwer getroffenen Provinz Hatay im Süden der Türkei stehen Menschen stundenlang Schlange, um gerade Mal 1,5 Liter sauberes Wasser zu erhalten. Denn Leitungswasser ist verunreinigt und verursacht sogar beim Waschen Hautreizungen und Infektionen. Gleichzeitig kassiert der Staat seit dem 31. Mai wieder Geld für die Wasser- und Stromversorgung und verlangt auch Nachzahlungen für die Monate direkt nach dem Beben.

Hilfe ist weg – Not ist geblieben

Seda Yüce ist Mitglied der Erdbebensolidarität in Hatay. Sie berichtet über die aktuelle Situation der Erdbebenopfer im ANF-Gespräch, dass sich ihre Probleme nicht geändert haben. Zwar wurde der Eindruck der Katastrophe durch die Anwesenheit von Hilfsorganisationen und Nichtregierungsorganisationen vor Ort zeitweise gemildert. Dies endete aber im April, als NGOs begannen, die Stadt nach und nach zu verlassen. Im Moment schultern die lokalen Solidaritätsinitiativen die humanitäre Arbeit praktisch alleine. „In der ersten Phase kam die Hilfe aus vielen Teilen der Türkei. Das ging nach dem Erdbeben zwei Monate so weiter. Feldküchen, Krankenhäuser und Apotheken wurden eingerichtet und die Hilfe wurde organisiert. Seit Ende April ist aber nicht mehr das gleiche Ausmaß an Aktivität vor Ort zu erkennen wie in den ersten Tagen. Ein Teil wurde abgezogen, weil die Hilfe in dieser Kontinuität nicht geleistet werden konnte. Die Probleme sind strukturell. Mit kurzfristigen oder provisorischen Lösungen kommt man nicht weiter als bis zu einem bestimmten Punkt. So sehr sich zivile Organisationen auch bemühen, sie können die vom Staat hinterlassene Lücke nicht füllen. Für die nächsten Schritte ist eine offizielle Planung und die Mobilisierung großer Ressourcen erforderlich. Für diese Regionen müssen spezielle Gesetze erlassen werden, Sonderbudgets eingerichtet und Personal bereitgestellt werden“, sagt Yüce.

Zwei Stunden Schlange stehen für 1,5 Liter Wasser

Yüce berichtet vom aktuell weiterhin schwierigen Trinkwasserzugang. Die CHP-geführte Stadtverwaltung von Hatay und andere Kommunen in der Provinz stellten außerdem nicht ausreichend Dienstleistungen bereit. Dies bedrohe die Gesundheit der Bevölkerung: „Die Menschen stehen für Trinkwasser an und es spielen sich unglaubliche Szenen ab. Sie stehen stundenlang Schlange, um eine 1,5-Liter-Flasche Wasser zu bekommen. Bei diesen heißen Temperaturen trinken sie das Wasser, das sie bekommen, um das, was sie beim Schlangestehen verloren haben, auszugleichen. Es gibt kein sauberes Wasser aus dem Leitungsnetz, der Verschmutzungsgrad des Wassers variiert von Region zu Region. Die Menschen baden und waschen ihre Kleidung mit Leitungswasser, aber sie bekommen Hautprobleme, Juckreiz, das Wasser verursacht Infektionen. Es gibt jetzt extrem viele Mücken und Fliegen in der Stadt. Es gibt ernsthafte Probleme bei der Müllabfuhr und -entsorgung. All diese Bedingungen erhöhen das Risiko von Epidemien. In Defne wurde ein staatliches Krankenhaus eröffnet, und es ist extrem überfüllt. Die Krankenhäuser können im Moment kaum bessere Dienste als die Gesundheitszentren anbieten. Kliniken sind nicht in der Lage, Tests und Untersuchungen durchzuführen. Viele Frauen gehen nicht ins Krankenhaus, weil die technische Ausstattung bei gynäkologischen Erkrankungen unzureichend ist. Wir beobachten, dass die Menschen nicht glauben, dass sie eine angemessene Behandlung erhalten würden.“

Wasserrechnungen werden ausgestellt

Yüce erklärt, dass die Bewohner:innen von schwer beschädigten und zerstörten Gebäuden von den Zahlungen der laufenden Kosten befreit wurden. Häuser, die nicht zerstört und obwohl sie unbewohnbar sind, als leicht und mittelschwer beschädigt eingestuft wurden, erhielten allerdings Strom- und Wasserrechnungen. Diese Rechnungen umfassten sogar die Monate nach dem Erdbeben, als es keinerlei Versorgung gegeben hat.

Bezahlen für Solidarität

Insbesondere Menschen, die andere mit Strom versorgten, da die Elektrizitätsversorgung teilweise zusammengebrochen war oder die Bergungsarbeiten mit Strom versorgten, kommen dadurch in extreme Nöte. Yüce berichtet, dass die Stromrechnungen bis zu 10.000 Lira (ca. 391 Euro) erreichen. Sie sagt: „Die Häuser in den Vierteln, die nicht eingestürzt waren, versorgten, wenn sie selbst überhaupt Strom hatten, ihre Nachbar:innen und die Zelte mit Strom. Sie teilten ihren Strom, damit die Menschen nicht frieren und im Dunkeln sitzen mussten. Abgerechnet wird aber nicht nur der Strom, den ein Haus verbraucht hat. Es gibt eine kollektive Stromnutzung. Diese Rechnungen können nicht bezahlt werden. Die Menschen haben keinen Lebensunterhalt, sie haben keine Arbeit. Sie sind hilflos. Sie versuchen, ihre eigenen Methoden zu entwickeln. Niemand lebt in den beschädigten Häusern. Sie gehen von Zeit zu Zeit nur in ihre Häuser, um sich zu versorgen. Wenn sie nach Hause kommen, finden sie die Rechnungen. Manche Leute warten auch vor ihren Häusern und versuchen, das Stromablesen zu verhindern. Es muss eine Regelung getroffen werden, dass die Rechnungen im Erdbebengebiet nicht erhoben werden. Die Gemeinden behaupten auf Widerspruch, dass sie den Strom ablesen müssten, weil sie keine andere Entscheidung mitgeteilt bekommen hätten.“

 

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