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„Türkischer Angriff würde Bildung Zehntausender bedrohen“


Die Ko-Vorsitzende des Bildungsrats von Nord- und Ostsyrien, Kewser Doko, appelliert an die Bundesregierung, Druck auf die Türkei auszuüben. Eine türkische Invasion würde das Leben und die Zukunft von Hunderttausenden Kindern gefährden.

In den letzten Wochen drohte der türkische Regimechef Recep Tayyip Erdoğan wiederholt, einen 30 Kilometer breiten Streifen entlang der syrischen Nordgrenze zu besetzen. Damit würden fast alle selbstverwalteten Städte unter die Schreckensherrschaft der türkischen Armee und ihrer dschihadistischen Söldner geraten.

Wir suchen Frieden und wollen eine gute Zukunft für unsere Kinder“

Kewser Doko, Ko-Vorsitzende des Bildungsrats der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, warnt energisch vor einer möglichen Invasion und fordert die Bundesregierung zum Handeln auf: „Um das Leben von Hunderttausenden von Kindern zu schützen und sie vor der Gefahr des Bildungsmangels zu bewahren, appellieren wir an die Bundesregierung, Druck auf den türkischen Staat auszuüben, um einen Angriff auf Nord- und Ostsyrien zu verhindern. Wir suchen Frieden und wollen eine gute Zukunft für unsere Kinder.“

Bildung systematisch von Baath-Regime vernachlässigt

Als Rojava noch unter der Herrschaft des Baath-Regimes stand, wurde die Region als syrische Quasikolonie betrachtet. Ressourcen wie Öl und Getreide wurden genutzt, aber es wurde keine Infrastruktur oder Produktion in der Region entwickelt. Das betraf insbesondere auch den Bildungssektor.

Bildungsmangel bietet Boden für Dschihadisten

Die Selbstverwaltung kritisiert, dass insbesondere dschihadistische Terrororganisationen den „Bildungsmangel“ ausgenutzt hätten, um so eine große Anzahl junger Menschen für sich zu gewinnen. Der Norden Syriens wurde zu einer Drehscheibe des internationalen Dschihadismus. Der Bildungsrat erklärt dazu: „Die Selbstverwaltung, vertreten durch die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD), hat die terroristischen Organisationen in Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Streitkräfte der internationalen Koalition besiegt. Nach diesem Sieg konnten die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der Region, Araber, Kurden und Syrer, zum ersten Mal in Würde und Frieden leben.“

Selbstverwaltung baute demokratischen Bildungssektor auf

Nach der Befreiung der Region vom „Islamischen Staat“ (IS) baute die Selbstverwaltung einen demokratischen, geschlechterbefreienden und antirassistischen Bildungssektor auf. So werden etwa 800.000 Kinder und Jugendliche in diesen Schulen gebildet. Der Unterricht findet in der jeweiligen Muttersprache statt. Gleichzeitig lernen die Kinder auch mindestens eine Sprache der anderen Bevölkerungsgruppen der Region. So wird das Zusammenleben in der Region gefördert.

Türkei bedroht Bildungswesen

Doch direkt nach der Befreiung begann die Türkei die Region zu bedrohen. Efrîn, Serêkaniyê und Girê Spî wurden von der türkischen Armee und ihren dschihadistischen Söldnern besetzt, Hunderttausende Menschen wurden vertrieben. Aus Schulen der Demokratie wurden Schulen der Assimilation und Türkisierung. Zehntausende Kinder und Jugendliche wurden ihres Rechts auf Bildung beraubt. Nun wurde die Bedrohung ausgeweitet und eine neue Invasion scheint bevorzustehen. Der türkische Staat nutzt dazu den internationalen Fokus auf den Ukraine-Krieg aus. Doko erklärt dazu: „Jeder Angriff auf die Region würde Hunderttausende von Kindern der Möglichkeit zur Bildung berauben, wodurch für terroristische Organisationen die Möglichkeit zu einer noch größeren Ausbeutung dieser Kinder geschaffen würde.“

 

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