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Frauenkonferenz in Hesekê: „Widerstand gegen Patriarchat und Besatzung ausweiten“


Auf einer Konferenz in der nordsyrischen Stadt Hesekê ist über die Rolle von Frauen im bewaffneten Widerstand diskutiert worden. Die Teilnehmerinnen riefen die Frauen des Nahen Ostens auf, gemeinsam gegen Patriarchat und Besatzung zu kämpfen.

Die Jinên Komünist ên Şoreşger (JKŞ – Revolutionärkommunistische Frauen) haben ein Symposium unter dem Motto „Mit der Frauenrevolution zum Sieg über das Patriarchat“ in Hesekê abgehalten. Die Veranstaltung bestand aus zwei Sitzungen zu den Themen „Frauen im bewaffneten Volkswiderstand und die der Frauenrevolution in Rojava“ und „Lokale Revolutionen und Fraueninternationalismus“.

An dem Symposium nahmen Frauen aus verschiedenen nord- und ostsyrischen Städten teil, hauptsächlich aus Hesekê, Kobanê, Qamişlo und Dirbêsiyê, sowie Vertreterinnen des Demokratischen Syrienrats (MSD), der Partei der Demokratischen Einheit (PYD), der Zukunftspartei Syriens, der Partei des Demokratischen Wandels Kurdistans, der Frauenorganisation Sara, des syrischen Frauenrats, der assyrischen Frauenunion, des Frauenverbands Kongreya Star, den lokalen Frauenzentren Mala Jin und Internationalistinnen.

Wir müssen das Privateigentum beseitigen und uns selbst befreien“

Das Symposium wurde mit einer Schweigeminute für die Gefallenen eingeleitet. JKŞ-Sprecherin Fadya Sido hielt die Eröffnungsrede und informierte über das Ziel und den Ablauf der Veranstaltung. Das Symposium ziele darauf ab, den Kampf von Frauen zu stärken, erklärte Sido und unterstrich die Bedeutung des Privateigentums bei der Versklavung der Frau. Daher forderte sie: „Wir müssen das Privateigentum beseitigen und uns selbst befreien.“ Fadya Sido betonte in ihrer Rede auch die Bedeutung des 25. November als internationalen Kampftag gegen Gewalt an Frauen. Anschließend begann die erste Sitzung.

Antifaschistischer Frauenwiderstand von Nazi-Deutschland bis Kurdistan

Rednerinnen bei der ersten Sitzung waren die JKŞ-Sprecherin Fadya Sido, die YPJ-Kommandantin Sozê Qamislo und Şêrîn Mûsa von der Partei des Demokratischen Wandels Kurdistans. Fadya Sido erhielt zuerst das Wort und wies auf die Rolle der Frauen in der Geschichte der Revolutionen hin: Die Pariser Kommune und die Oktoberrevolution stellten wichtige Erfahrungen im Freiheitskampf von Frauen dar, auch im antifaschistischen Widerstand gegen Nazi-Deutschland und im Kampf gegen den türkischen Faschismus spielten Frauen eine wichtige Rolle.

Sie erinnerte an die Zeit der arabischen Volksaufstände von 2011 und erklärte, dass alle Völker nach Freiheit strebten und Frauen eine wichtige Rolle beim Aufbau und der Verteidigung der Rojava-Revolution eingenommen hätten: „Wir haben für die Freiheit von Rojava und der Frau gekämpft. Sarya, Destan, Ivana, Raperîn, Roza und Zîlan wurden zu Symbolen des Widerstands, wir werden ihren Weg weiter gehen.“

Die YPJ hoben die Grenzen für Frauen auf“

Die YPJ-Kommandantin Sozê Qamişlo erklärte, dass die Frau zwar die Gesellschaft geschaffen, geführt und gestärkt habe, das Patriarchat aber viele Dinge über diese Zeit verdreht habe. Qamişlo stellte fest, dass Frauen bei der Betrachtung der Aufstände im Nahen Osten nicht benannt, aber mit der Revolution von Rojava unübersehbar wurden. Zu den Gründen für den Aufbau der YPJ sagte die Kommandantin: „Frauen, die vorher keinen Platz in der Gesellschaft finden konnten, die von ihren Familien unsichtbar gemacht wurden, zeigten, wie man die Revolution verteidigen kann. Deshalb war der Aufbau der YPJ wichtig. Die YPJ führten die Frauenrevolution an. Es waren die YPJ, die dieser Revolution ihren Namen gaben und sie der ganzen Welt bekannt machten.“

Qamişlo betonte: „Jetzt müssen wir für diesen Willen eintreten. Kommunistische Frauen wie Sarya, Zîlan, Destan und Raperin reichten sich in Kobanê mit Arîn Mirkan die Hände. Sie standen überall, in Qamişlo, in Minbic und in ganz Rojava. Ihr Vermächtnis hat Geschichte geschrieben, sie haben einen Geist geschaffen. Wegen ihnen wandten sich die Blicke der kommunistischen Frauen Rojava zu.“

Sozê Qamislo erklärte, dass es kurdischen, arabischen und kommunistischen Frauen gelungen sei, den sogenannten Islamischen Staat (IS) zu stoppen, was den Staaten nicht gelungen sei. Weiter sagte sie: „Wir leben dank unserer Gefallenen. Wenn wir uns gemeinsam im gleichen Geist erheben, dann können wir siegen.“ Qamişlo erinnerte auch an die in Rojava gefallenen Internationalistinnen aus aller Welt.

Die internationale Solidarität ist gewachsen“

Anschließend wurden Solidaritätsvideobotschaften von Kommunistischen Parteien und Frauenorganisationen aus der ganzen Welt abgespielt. Unter anderem handelte es sich um Botschaften der Sozialistischen Frauenunion in Europa (SKB), der Volksfront von Peru, der Kommunistischen Partei von Kenia, der TKP/ML KKB, der Frauenfront der Revolutionär-Kommunistischen Partei Uruguays, der Revolutionären Frauenunion Afghanistans (RAWA), der Demokratisch Sozialistischen Partei Tunesiens und der deutschen MLPD. Eine Botschaft der Vereinigten Revolutionären Bewegung der Frauen (KBDH) erreichte das Symposium aus den Medya-Verteidigungsgebieten. Darin hieß es: „Die Revolution des 21. Jahrhunderts, die von der der Frauenrevolution in Rojava eröffnet wurde, wird ein Prozess sein, in dem wir uns auf neue Revolutionen zubewegen. Die beiden Hauptpunkte, die den Weg für den Prozess ebnen werden, sind die Organisierung im bewaffnetem Widerstand sowie die Selbstverteidigung und Selbstorganisierung der Frauen.“

Lasst uns die Errungenschaften der Frauen schützen“

Anschließend folgten Redebeiträge von Frauen aus den Städten Nord- und Ostsyriens. Bahar Kobanê aus der Euphrat-Region berichtete über die türkischen Angriffe und die Bedeutung des Siegs von Kobanê für die Frauengeschichte. Şevin Heval, ein Mitglied der JKŞ aus Efrin, erinnerte an die Gefallene Avesta Xabur von den YPJ, die sich 2018 mit ihrem Körper der Invasion entgegenstellte: „Wir Frauen von Efrîn haben am Widerstand zur Verteidigung unserer Stadt teilgenommen. Die Genossin Avesta schützte uns mit ihrem Körper. Wir müssen weiter Widerstand leisten und unser Land verteidigen.“

Die arabische Aktivistin Lara Yasin berichtete, wie die Revolution das Leben junger Frauen veränderte: „Wir durften nicht einmal das Haus verlassen. Seit der Revolution können Frauen rausgehen und arbeiten. Junge Frauen können sich in allen Bereichen frei bewegen Wir wollen alle Frauen erreichen und befreien.“

Die Ausweitung der Revolution liegt auf den Schultern der Frauen“

Nach einer Pause begann die zweite Sitzung zum Thema „Lokale Revolutionen und Fraueninternationalismus“. In diesem Abschnitt grüßte Berîtan Asya, die im Namen der JKŞ sprach, alle kämpfenden Frauen weltweit, insbesondere in Asien, Mexiko, Afghanistan und Sudan. Sie erklärte: „Die Revolution, das Leben und der Kampf liegen auf den Schultern der Frauen. Dank der Rojava-Revolution können wir darüber diskutieren, wie wir einen gemeinsamen Mechanismus für Frauen schaffen können, die im Nahen Osten und auf der ganzen Welt Widerstand leisten. Die Politik, die Kurdistan vor 100 Jahren in vier Teile teilte, setzt sich im Nahen Osten fort. Der konkreteste Schritt dagegen war die Rojava-Revolution. Arabische Volksaufstände zerstörten 30- bis 40-jährige Diktaturen von Tunesien bis Ägypten. Das ist die Antwort. Frauen waren die entscheidenden Elemente dieser Widerstände. Wir müssen die Revolution im gesamten Nahen Osten verbreiten. Das Schicksal der unterdrückten Völker ist miteinander verbunden. Das Ziel sollte es sein, die Einheit der unterdrückten Völker zu schaffen. Die größte Aufgabe liegt auf den Schultern der Frauen von Rojava und Nordostsyrien, das heißt bei uns.“

Wir müssen die Revolution zu einer Errungenschaft für die Völker der Welt machen“

Jiyan Hisen vom syrischen Frauenrat betonte die Bedeutung des im Vorfeld des 25. Novembers stattfindenden Symposiums und sagte: „Ich wünsche, dass es unseren Kampf stärkt. Die Gewalt gegen Frauen in den besetzten Gebieten geht weiter.“ In Bezug auf die internationalen Grußbotschaften sagte Hisen: „Die Frauen sagen, dass sie von uns Unterstützung erhalten hätten. Daraus schöpfen wir Kraft. Wir müssen die Revolution zu einer Errungenschaft für die Völker der Welt machen.“

Das Symposium endete mit musikalischen Darbietungen, Tänzen und Parole

 

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