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Südost-Türkei; „Als ob auch unsere Tiere Christen wären“


Der Frauenrat der HDP hat im Rahmen der Kampagne gegen die Feminisierung von Armut Assyrerinnen in Midyad besucht. In weiten Teilen der Türkei gelten Christ:innen nach wie vor als unrein und werden ausgegrenzt.

Eine Delegation des Frauenrats der Demokratischen Partei der Völker (HDP) hat assyrische Frauen in Mêrdîn-Midyad besucht. Das Treffen fand im Rahmen der HDP-Kampagne gegen Frauenarmut statt. Die Sprecherin des Frauenrats, Ayşe Acar Başaran, erläuterte bei dem Besuch den Hintergrund der seit einigen Monaten andauernden Kampagne und sagte: „Wir möchten über die Probleme von Frauen sprechen. Wir leben in einem kulturell sehr reichen Land, aber wir haben es mit einer monistischen Regierung zu tun. Aus unserer Sicht macht uns unsere Vielfältigkeit reich. Wir wissen, dass auch Ihr es schwer habt in diesem Land. Wenn wir uns über unsere Schwierigkeiten austauschen, können wir stärker werden.“

Eine assyrische Frau berichtete im Anschluss von ihren erlebten Ausgrenzungserfahrungen und sagte: „Sowohl als Volk als auch als Frauen ist es für uns nicht leicht. Ich möchte endlich unsere Zurückhaltung brechen. Uns wird offen ins Gesicht gesagt, dass es schade um uns ist, weil wir Christinnen sind. Unsere Kinder müssen sich in der Schule anhören, dass sie nicht ins Paradies kommen. Wie lange soll das noch so weitergehen? Weil wir Assyrerinnen sind, kaufen die Leute unseren Käse und unsere Milch nicht – als ob auch unsere Tiere Christen wären. Wir leben von dem Verkauf von Pekmez und Pestil. Verkaufen können wir nur, wenn wir unsere Identität verschweigen.“

Eine weitere Frau erzählte, dass sie selbstgemachten Käse in Midyad verkaufen wollte. Der Käse war bereits abgewogen und sie wollte das Wechselgeld herausgeben. Als sie sich dafür vorbeugte, wurde das Kreuz an ihrer Halskette sichtbar. Die Kunden lehnten den Kauf daraufhin ab.

 

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